Stand: 21.05.2018 13:12 Uhr

Vorpommern-Greifswald: Hohe Schulden, sieben Bewerber

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Der Verwaltungssitz des Landkreises befindet sich in Greifswald. (Archivbild)

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald an der Grenze zu Polen ist der drittgrößte Kreis in Deutschland. Er erstreckt sich von Penkun im Süden bis zur Insel Riems am Greifswalder Bodden. Die Kreise Ostvorpommern und Uecker-Randow, die Ämter Peenetal-Loitz und Jarmen-Tutow sowie die Stadt Greifswald waren bis zur Kreisgebietsreform 2011 seine Vorgänger. Die beiden Altkreise hatten hohe Schulden angehäuft. Den Landkreis Vorpommern-Greifswald drücken Verbindlichkeiten in Höhe von rund 150 Millionen Euro. Geld für Investitionen ist so gut wie gar nicht da. Trotzdem scheint der Posten des Landrats hier sehr beliebt zu sein: Gleich sieben Kandidaten wollen auf den Chefsessel in der Kreisverwaltung. Die derzeitige Landrätin Barbara Syrbe von der Linkspartei ist nicht dabei, sie tritt nicht wieder an.

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald

Einwohner: 237.374
Fläche: 3.929,73 km²
Verwaltungssitz: Greifswald
Kreisgliederung: 140 Gemeinden
Landrat: Barbara Syrbe (Die Linke)

Die Kandidaten im Landkreis Vorpommern-Greifswald

Sack: Image muss verbessert werden

Das Geld ist knapp im Kreis Vorpommern-Greifswald. Allein bei den Kreisstraßen gibt es einen Investitionsstau von rund 200 Millionen Euro. Auch einige Schulen sind Sanierungsfälle. Zudem macht sich der demografische Wandel bemerkbar. Michael Sack von der CDU ist Kreistagspräsident und Bürgermeister von Loitz. Als Landrat will er gut ausgebildete Fachkräfte in den Kreis locken: "Wir werden an unserem Image arbeiten müssen, damit wir Leute in die Region bekommen. Das ist eines der wichtigsten Themen: die Zukunftsfähigkeit unserer Unternehmen. Die Wirtschaftsförderung wird zur Chefsache werden", sagt Sack.

Wölk: Konsolidierungsvereinbarung neu verhandeln

Monique Wölk, die Landratskandidatin der SPD, will im Fall ihrer Wahl vor allem die ländlich geprägten Regionen im Kreis stärken. Viele Gemeinden seien überschuldet und hätten kein Geld, um Vereine zu unterstützen: "Mein Punkt ist hier, neue Wege zu gehen und die Konsolidierungsvereinbarung neu zu verhandeln, damit wir hier im Landkreis überhaupt wieder die Möglichkeit haben, das Geld, was wir hier erwirtschaften, auch hier wieder vor Ort zu investieren", sagt sie. Die Verwaltung müsse zudem bürgernäher werden. Als neue Landrätin will sie Bürgerbüros aufbauen, die innerhalb von 20 Minuten von jedem erreicht werden können.

Kandidaten im Kurzporträt

Michael Sack (CDU)

Die wichtigsten Themen für den CDU-Kandidaten Michael Sack sind die maroden Straßen und die Wirtschaftsförderung. Außerdem müsse das Image des Kreises verbessert werden, meint der 44-Jährige. mehr

Monique Wölk (SPD)

Die promovierte Soziologin und Arbeitswissenschaftlerin möchte neben Straßenausbau und neuer Konsolidierungsvereinbarung mit dem Land auch für Bürgernähe sorgen. mehr

Axel Gerold (AfD)

Für den AfD-Kandidaten Axel Gerold gilt es, Probleme des Kreises zu lösen. Darunter fallen seiner Meinung nach marode Straßen, Altschulden und ausblutende Gemeinden. mehr

Ulrike Berger (Bündnis 90/Grüne)

Die studierte Erziehungswissenschaftlerin Berger setzt sich unter anderem für ein Schüler- und Seniorenticket, eine Senkung der Kreisumlage und den Breitbandausbau ein. mehr

Gerold: Ran an die Kreisumlage, Personal einsparen

Axel Gerold von der AfD will an die Kreisumlage heran und das Verwaltungspersonal reduzieren, um die Gemeinden zu entlasten. Gerold kritisiert zudem den "EU-Fördermittel-Dschungel": "Die Leute sollen in einem durch Projektsprech geprägten Verfahren sich EU-Mittel beschaffen, um die simpelsten Aufgaben zu lösen. Es sollen hier abenteuerliche Verwaltungsakte durchgeführt werden, dass die Kommune die Straße übernimmt, damit die dann die Fördermittel kriegen kann, wenn gerade der Kreis keine Fördermittel kriegen kann, das betrachten wir als politischen Gaga."

Berger: Mehr Behördengänge über das Internet

Die Entlastung für die Gemeinden ist eines der zentralen Wahlkampfthemen. Auch für die Bündnisgrüne, Ulrike Berger. Sie will die Kreisumlage senken. Viele Behördengänge sollen sich auch über das Internet erledigen lassen können. Deshalb müsse der Breitband-Ausbau große Priorität bekommen. Zudem fordert die frühere Landtagsabgeordnete ein kostenloses Schüler- und Seniorenticket. Ein Dorn im Auge ist Berger das intransparente und willkürliche Handeln der Verwaltung: "Im Moment ist es so, dass Privatleute mitunter bis zu drei Jahre auf die Bescheinigung ihres Bauantrages warten, ein Güllelager aber im Lassaner Winkel innerhalb von vier Monaten vom stellvertretenden Landrat beschieden wird, obwohl es einen Beschluss der Gemeindevertretung gibt, die sagt, wir wollen dieses Güllelager hier nicht."

Kandidaten im Kurzporträt

Kai-Uwe Ottenbreit (Einzelbewerber)

Dem gebürtigen Wolgaster ist es wichtig, bei den Menschen vor Ort zu sein. Ottenbreit will sich außerdem für eine direkte Demokratie stark machen. mehr

Andreas Suttor (Einzelbewerber)

Verwaltungsprobleme zu lösen und die Kreis-Verwaltung umzustrukturieren sind Themen, die sich Einzelbewerber Andreas Suttor auf die Fahnen geschrieben hat. mehr

Dirk Scheer (Einzelbewerber)

Als neuer Landrat würde Scheer den Kreis für qualifizierte Arbeitskräfte attraktiver machen wollen. Eine Reform der gesundheitlichen und rettungsärztlichen Versorgung gehört für ihn dazu. mehr

Ottenbreit: Kreis soll Wolgaster Krankenhaus übernehmen

Um hautnah die Probleme der Menschen zu erfahren, will Einzelbewerber Kai-Uwe Ottenbreit als Landrat viel an der Basis unterwegs sein. Auch sollen die Bürger stärker in Entscheidungen des Kreises einbezogen werden - etwa durch Bürgerentscheide. Seit einigen Jahren setzt sich Ottenbreit für das Kreiskrankenhaus in Wolgast ein: "Mein Ziel ist es, dass der Landkreis die Regie wieder übernimmt und dass die Patienten wieder Patienten sind und keine Fallzahlen. Um das umzusetzen, sind viele Gespräche erforderlich - vor allem mit der Unimedizin. Wie in Wolgast könne unter seiner Regie das Krankenhaus in Ueckermünde eine Kinderstation bekommen, die es dort bislang nicht gebe, so Ottenbreit.

Scheer: Verwaltung muss Dienstleister werden

Oberster Verwaltungschef will auch der kürzlich in die Schlagzeilen geratene Sozialdezernent des Kreises, Dirk Scheer, werden. Ihm wurde vorgeworfen, zwei Verträge für ein Projekt unterschrieben zu haben, die er hätte nicht unterzeichnen dürfen. Die Linkspartei unterstützt den Kandidaten im Wahlkampf. Als Landrat will auch Scheer hochqualifizierte Arbeitskräfte in den Kreis locken. Die Verwaltung müsse zudem noch mehr Dienstleister werden, erklärt er: "Dass man Arbeit schafft, indem man Unternehmen und den Mittelstand weiter fördert. Dass man beispielsweise einen Lotsen für Bauanträge schafft, der Betroffene durch die Verwaltung führt." Wichtig sei zudem die Entwicklung des ländlichen Raums.

Suttor: Regionen im Landkreis müssen zusammenwachsen

Aus Sicht des Einzelbewerbers Andreas Suttor sind die einzelnen Regionen zwischen Greifswalder Bodden, Randowregion, Stettiner Haff und Peenetal nach der Kreisgebietsreform vor sieben Jahren noch nicht zusammengewachsen. Daran müsse der neue Landrat arbeiten, sagt der Eggesiner: "Ich werde die bis jetzt fünf bestehenden Einzelteile, anders kann man das nicht nennen, versuchen zusammenzubringen, indem ich allen Bürgern das Gefühl gebe, dass ich sie mitnehme, dass sie alle Teil eines Landkreises sind." Für die richtige Verwaltung des Flächenlandkreises sei eine mobile, dezentrale Lösung nötig: "Die Verwaltung kommt zum Bürger und nicht umgekehrt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.05.2018 | 20:15 Uhr

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