Stand: 23.10.2017 15:17 Uhr

Viele tote Kegelrobben in MV - Experten rätseln

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Die Kadaver sollen nun umfangreichen Untersuchungen unterzogen werden.

An der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns sind allein in den vergangenen Wochen 13 Tote Kegelrobben gefunden worden. Seit Jahresbeginn gab es demnach 33 Totfunde, wie das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund am Montag mitteilte. "In den 50 Jahren, in denen das Deutsche Meeresmuseum für die Bergung und Untersuchung der Totfunde von Meeressäugetieren in Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich ist, wurden noch nie so viele Kegelrobben in einem Jahr an den Küsten gemeldet", sagte Michael Dähne, Kurator für Meeressäuger am Meeresmuseum.

Experte: "Besorgniserregende Häufung"

Dähne verwies darauf, das zwar auch die Bestände gestiegen seien, dennoch handele es sich bei der aktuellen Situation um eine "besorgniserregende Häufung". Denn zwischen 1991 und 2016 gab es im Vergleichszeitraum 19. September bis 19. Oktober durchschnittlich nur eine Totfundmeldung alle zwei Jahre. Die Rekordzahl der toten Robben gibt den Wissenschaftlern Rätsel auf. Die Todesursachen seien bislang unklar, Untersuchungen liefen, sagte Dähne.

Viele tote Robben am Greifswalder Bodden

Die meisten der toten Robben seien in den vergangenen Wochen rund um den Greifswalder Bodden entdeckt worden, so Dähne, nicht jedoch auf der Greifswalder Oie, wo sie sich auch häufig aufhielten. Der Zustand der Kadaver sei gut, bei früheren Funden waren die Meeressäuger laut Dähne häufig schon sehr verwest gewesen. Dass die Tiere durch die jüngsten Stürme verendet sein könnten, schloss Dähne aus. Gerade weil sie mit solchen Naturphänomenen gut zurechtkommen, hätten sich die Tiere an der deutschen Ostseeküste wieder ansiedeln können.

Umfangreiche Untersuchungen laufen

Die Tiere werden nun auf mögliche Viruserkrankungen, bakteriologische Infektionen, Vergiftungen sowie auf einen möglichen Befall durch Parasiten in Lunge, Leber und im Magen-Darm-Trakt untersucht. Außerdem würden die Kadaver auf Verletzungen durch den Menschen und die Mägen auf Plastikpartikel hin überprüft, so der Experte. Zudem würden genetische Untersuchungen vorgenommen. Auffällig sei, dass auch in Polen eine zumindest leichte Häufung von Totfunden zu beobachten sei, aus Dänemark und Schweden wurde laut Dähne dagegen nichts dergleichen gemeldet.

Rückkehr eines Raubtiers

Bis vor rund 100 Jahren waren Robben nahezu vor der gesamten Küste des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns heimisch. Dann bereiteten vor allem Fischer den Tieren den Garaus. Sie fürchteten, dass die Meeressäuger die Fischbestände drastisch dezimieren. Die Politik spielte damals mit und zahlte fünf Reichsmark für jede getötete Robbe. Anfang der 1980er-Jahre war der Bestand in der Ostsee durch Bejagung und Schadstoffbelastung auf rund 5.000 Tiere geschrumpft.

Dennoch entgingen die mit einem Gewicht von bis zu 300 Kilogramm größten Raubtiere Deutschlands ihrer kompletten Ausrottung - der Bestand kletterte ostseeweit wieder auf rund 30.000 Tiere an. Vor einigen Jahren sind die Meeressäuger auch an die Küste Mecklenburg-Vorpommerns zurückgekehrt. 2015 wurde die Größe der hiesigen Population auf rund 60 Kegelrobben geschätzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.10.2017 | 16:30 Uhr

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