Stand: 15.02.2020 14:13 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Viele Eichhörnchen: Hilfe für Jungtiere

Ein Eichhörnchen sitzt auf der Schulter einer Frau und hält sich an deren Zeige- und Mittelfinger mit den Vorderpfoten fest. © Katrin Kahlke Foto: Katrin Kahlke
Bei Heidi French werden derzeit vermehrt hilfsbedürftige Eichhörnchen abgegeben.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es derzeit besonders viele Eichhörnchen. Das ist eine Folge des Supersommers 2018, der dafür gesorgt hat, dass die Bäume extrem viele Eicheln und Bucheckern abgeworfen haben. Die Baumfrüchte enthalten viele Proteine - die beste Nahrung für Eichhörnchen, die sich im vergangenen Frühjahr bereits frühzeitig vermehren konnten und sogar noch ein zweites mal Junge bekamen.

Mehr Andrang in der Auffangstation

Jetzt gibt es zwar sehr, sehr viele Eichhörnchen, ihnen droht aber auch Gefahr - unter anderem durch den Menschen. Heidi French hat eine kleine Auffangstation für Eichhörnchen: "Wenn Leute ein verwaistes Eichhörnchenkind finden oder durch Forstarbeiten Kobel zerstört werden und die Eichhörnchenkinder herauspurzeln, dann werden die manchmal zu mir gebracht." French kümmert sich so lange um die Tiere, bis sie wieder ausgewildert werden können. 30 bis 40 Eichhörnchenkinder hat French in ihrem Haus nahe Rostock schon großgezogen. Zuletzt seien mehr Jungtiere gefunden worden, die sehr schwach, ausgehungert und kränklich in die Auffangstation gekommen sind. "Vor ein paar Jahren war das nicht so der Fall", so French.

Flinke Tierchen brauchen viel Nahrung

Die für Eichhörnchen typische Munterkeit kostet viel Energie. Um das Hüpfen, Flitzen und Klettern zu ermöglichen, läuft der "Motor" des kleinen Tierchens ununterbrochen - mit fast 40 Grad Körpertemperatur. Folglich braucht es reichhaltiges Futter: Nüsse, Früchte, Proteine. Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf, sondern legen Vorräte an, sagt der Zoologe Joseph Reichholf: "Würden wir Menschen meinetwegen nur hundert Nüsse - was für ein Eichhörnchen viel zu wenig wäre - in einem halbwegs normalen Garten verstecken müssen, um sie dann irgendwann im Laufe des Winters wiederzufinden, ohne Markierungen anzubringen, ich glaube, wir würden sehr schlecht abschneiden. Die Eichhörnchen sind in dieser Hinsicht phänomenal."

Naturnahe Gärten sind gut für alle Tiere

Reichholf hat kürzlich ein Buch über das Leben der Eichhörnchen geschrieben. In der freien Natur fliehen sie vor ihren natürlichen Feinden wie Mardern und Habichten. "Und viele kommen auf der Suche nach neuen Lebensmöglichkeiten ums Leben, sie werden überfahren." In der Stadt zieht es sie zu Menschen, die sie füttern. Doch Eichhörnchen sind nicht überall gern gesehen, denn sie rauben auch Nester aus. "Das würde sich auch ausgleichen, wenn die Vögel genug Nahrungsmöglichkeiten haben", erläutert Reichholf. Es sei viel wichtiger, in den Gärten kein Gift zu verwenden und sie naturnah zu gestalten als über Eichhörnchen zu lamentieren.

Unterstützung mit Futter und speziellen Häuschen

Heidi French hilft den Eichhörnchen in ihrem Garten mit einfachen Mitteln: "Jetzt im Winter und auch im Frühling gibt es natürlich immer weniger Nahrung in der Natur und da darf man gerne zufüttern mit Sonnenblumenkernen, Nüssen, mit etwas Obst und Gemüse, und Wasser bereitstellen." Es gebe auch spezielle Häuschen, die die Eichhörnchen erst aufklappen müssen, um ans Futter zu kommen. "Das hilft ein bisschen mit, dass nicht jedes Tier da rankommt," erklärt die Tierhelferin. Dabei ließen sich die scheuen Eichhörnchen auch wunderbar beobachten.

Ratgeber
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.02.2020 | 12:00 Uhr

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