Stand: 04.06.2020 07:45 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Verhaltene Reaktionen auf Schulstart-Pläne

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Nach den Sommerferien soll der Schulunterricht in Mecklenburg-Vorpommern wieder regulär stattfinden. (Archivbild)

Die Lehrergewerkschaft GEW rechnet in Mecklenburg-Vorpommern offenbar mit coronabedingten Hindernissen beim Start in das neue Schuljahr. An den Schulen könnten flächendeckende Schutzmaßnahmen nach jetzigem Stand nicht umgesetzt werden, so die Vorsitzenden Annett Lindner und Maik Walm. Die GEW-Spitze reagierte damit auf die Ankündigung von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD), dass es nach den Sommerferien einen verlässlichen Regelunterricht an allen Tagen für alle Klassen geben werde.

Unterricht zeitlich gestaffelt und in festen Gruppen

Bei den niedrigen Infektionszahlen in Mecklenburg-Vorpommern sei es "absolut vertretbar und absolut notwendig", den Schülern den Zugang zu Bildung wieder zu gewähren, erklärte Martin am Mittwoch nach der Sitzung des Kabinetts. Da das Coronavirus zum Schulstart Anfang August aber noch nicht verschwunden sei, würden weiter Hygieneregeln gelten, der Mindestabstand von 1,50 Meter werde zum neuen Schuljahr aber aufgehoben. Unterricht sei jedoch nur in festen Gruppen und festen Räumen möglich, so Martin. Nicht alle Schüler könnten morgens zur gleichen Zeit in die Schule kommen, ebenso wenig könnten alle zusammen in die Pause gehen. Offenbar wird es einen zeitlichen gestaffelten Unterrichtsbeginn geben.

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Risikogruppen-Lehrer benötigen Attest

Fragen der Schülerbeförderung seien noch offen, räumte die Ministerin ein. Insbesondere auf dem Land scheint das nicht einfach zu organisieren zu sein. Unklar ist, mit wie vielen Lehrern die Schulen überhaupt rechnen können. Rund 4.000 der 12.000 Lehrer gehören wegen ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen zur Risikogruppe und dürfen jetzt noch zu Hause bleiben. Nach den Ferien sei dafür ein ärztliches Attest nötig, so Martin. Das soll von drei Betriebsärzten des TÜV-Rheinland ausgestellt werden. Sie sind im Auftrag des Landes für den Gesundheitsschutz bei Lehrern zuständig und haben Büros in Greifswald, Rostock und Schwerin.

GEW: Lehrer mindestens wöchentlich auf Corona testen

Die GEW sieht die Schulen überfordert. Die Vorgabe fester Gruppen in festen Klassenzimmern könne weder personell noch räumlich umgesetzt werden. Die Gewerkschaft macht sich für mehr Corona-Arbeitsschutz bei Lehrern stark. Wenn über ein ärztliches Attest ein Erkrankungsrisiko festgestellt werde, müssten sie anders beschäftigt werden. Wichtig sei auch, dass Lehrkräfte mindestens einmal wöchentlich auf Corona getestet würden. Martin hatte Modellprojekte an ausgewählte Schulen ins Gespräch gebracht, die Vorbereitungen dafür liefen.

Lehrer sollen Dienst-Mailadressen bekommen

Für einen coronafesten Unterricht fordert die GEW-Spitze mehr Anstrengungen in den Ausbau des digitalen Unterrichts. Wenn die Infektionszahlen steigen würden, könne dann "problemlos" auf Unterricht im Netz umgestellt werden. Dazu müssten die technischen Voraussetzungen verbessert werden. Nach Ansicht der GEW müssen Schüler und Lehrer verlässlich mit Computern ausgestattet werden. Lehrerinnen und Lehrer müssten endlich auch dienstliche Mailadressen zugewiesen bekommen.

Landeselternrat: Bisher kein echter Digital-Unterricht in MV

Das sieht auch der Landeselternrat so. Sein Vorsitzender Kay Czerwinski sagte dem NDR, bisher fehle die technische Ausstattung, um den Präsenzunterricht digital zu ersetzen. Anders als vielfach behauptet, habe es diesen digitalen Unterricht in der Corona-Krise in Mecklenburg-Vorpommern auch nicht gegeben. Die Aufgaben seien lediglich digital verteilt worden. Der Landeselternrat begrüßt Martins Ankündigung zum Schulbeginn nach den Ferien als "einen Start mit Augenmaß". Bedingung sei, dass die Infektionszahlen niedrig bleiben. Auch wenn die im Zuge einer möglichen "zweiten Welle" wieder nach oben gehen sollten, müsse es eine Alternative geben.

Linke: Entzerrter Schulbetrieb kaum organisierbar

Die Linksfraktion nennt Martins Ankündigungen "unausgegoren und planlos". Ein zeitlich entzerrter Schulbetrieb sei kaum zu organisieren - der sei auf dem Land auch nicht mit dem Fahrplan der Schulbus in Einklang zu bringen. Außerdem, so die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg, fehlten schlicht die Lehrer - selbst wenn die, die zu einer Risikogruppen gehören, eingesetzt würden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 03.06.2020 | 18:10 Uhr

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