Sechs Fußballer aus Anklam präsentieren neue Trikots. © privat Foto: privat

VFC Anklam bekam Unterstützung von rechtsextremem Sponsor

Stand: 18.10.2020 06:48 Uhr

Ein in der rechtsextremen Szene bekannter Wirt hat den VFC Anklam mit Bällen und Trikots unterstützt. Der Verein sagt, er habe von dem politischen Hintergrund nichts gewusst.

Stolz posieren die Fußballer der zweiten Herrenmannschaft des VFC Anklam auf einem Foto mit ihren neuen Trikots. Ein Gastronom aus Anklam hat die neuen Aufwärmshirts und Fußbälle gesponsert. "Ein Grund zur Freude", heißt es auf der Website des Vereins. Doch der Unterstützer A. ist einschlägig in der rechtsextremen Szene bekannt.

Mitglied im Kameradschaftsbund Anklam

Zwei Männer stellen sich in einer Gaststätte für ein Foto vor eine Kamera © privat Foto: privat
Auf diesem Foto trägt der Sponsor des VFC-Anklam eine Kutte des Kameradschaftsbundes Anklam, den der Verfassungsschutz als aktive neonazistische Gruppe einstuft.

Dem NDR liegt ein Foto vor, auf dem der 33-Jährige Sponsor in einer Kutte posiert. Es ist eine Kutte des Kameradschaftsbundes Anklam (kurz: KBA). 1996 wurde die Gemeinschaft gegründet. Der Verfassungsschutz beobachtet die Gruppe schon lange. Jahr für Jahr ist der KBA im Bericht der Behörde gelistet. Auf seiner Website ordnet der Verfassungsschutz den KBA der rechtsextremen Szene zu und nennt ihn dort explizit als Beispiel einer aktiven neonazistischen Gruppe. Auf seinem Facebook-Profil veröffentlicht A. unter anderem Bilder, auf denen er ein T-Shirt mit der Aufschrift "I love NS" trägt. Das ist in diesen Kreisen ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus.

Verurteilt wegen gefährlicher Körperverletzung

Im vergangenen Sommer soll A. einen damals 15-Jährigen brutal zusammengeschlagen haben. Deshalb verurteilte ihn das Amtsgericht Pasewalk am 13. Oktober zu 18 Monaten Haft. Es wird erwartet, dass A. mit seinem Anwalt in Berufung geht. Vor Gericht hat sich A. von dem Anwalt und ehemaligen NPD-Landtagsabgeordneten Michael Andrejewski vertreten lassen. Dieser hatte seine Partei auch im bundesweiten im Verbotsverfahren vertreten.

Vereinschef distanziert sich

Ein Mann in einem weißen T-Shirt mit der Aufschrift "I (Herz) NS".  Foto: privat
Die Aufschrift "I love NS" gilt in der rechtsextremen Szene als Bekenntnis zum Nationalsozialismus.

Inzwischen nahm der Verein Stellung zu den Vorgängen und distanziert sich von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. "Der besagte Sponsor hat unseren Verein erstmals unterstützt. Wir haben keinen politischen Zusammenhang gesehen. Wir haben es leider versäumt, den Sponsor genauestens zu überprüfen", ließ sich Vereinschef Jörg Hasselmann auf der Facebook-Seite des VFC zitieren. Er habe sowohl den Bürgermeister als auch den Landesfußballverband darüber informiert, dass man sich sofort von dem Sponsor getrennt habe.

Masuch: Der Verein unterschätzt das Thema

Eine sofortige Beendigung der Kooperation hatte Joachim Masuch, Präsident des Landesfußballverbands, bereits am Freitag im Gespräch mit NDR 1 Radio MV gefordert. Er plane in der kommenden Woche in Anklam vor Ort Gespräche zu führen. Die Vereine seien beim Sponsoring zwar selbstständig, dennoch müsse eine gründliche Prüfung potentieller Partner erfolgen. Per Satzung des Verbandes seien alle Mitgliedsvereine dazu verpflichtet, sich politisch neutral zu verhalten. Das bedeute auch, dass man sich von Personen distanziere, die sich neben dem Grundgesetz bewegen, so Masuch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Der Tag | 16.10.2020 | 17:15 Uhr

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