Stand: 19.12.2018 14:10 Uhr

Unimedizin: Ärger bei Mitarbeitern der Logistik

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Ohne die Logistiker geht bei der Universitätsmedizin gar nichts.

Patienten abholen, Wäsche transportieren, Müll entsorgen. Ohne die Dienstleistungen der Logistik GmbH könnte die Unimedizin Rostock nicht arbeiten. Im Sommer war die Stimmung mies: Zu viele Überstunden, eine schlechte Arbeitsatmosphäre, eine hohe Fluktuation und kritische Mitarbeiter wurden unter Druck gesetzt. Die Geschäftsführung gelobte Besserung - dennoch liegt weiterhin manches im Argen.

Anweisung der Geschäftsführung stößt auf Widerstand

Von den dreihundert Beschäftigten der Logistik GmbH werden Zuverlässigkeit und Disziplin erwartet. Eine von der Geschäftsführung ausgehängte Anweisung aber sorgte für Unmut:

"Während der Arbeitszeit darf der Arbeitsplatz nur für dienstliche Angelegenheiten verlassen werden. Insbesondere müssen sich die Fahrer eines Fahrzeuges während der Arbeitszeit bei evtl. auftretenden Wartezeiten am Fahrzeug aufhalten."

"Das ist doch unrealistisch", meint ein Mitarbeiter. Es gebe einen Aufenthaltsraum, den die Leute nach dieser Dienstanweisung nicht betreten dürften. "Und was spricht dagegen, wenn die Kollegen keinen Auftrag haben, dass sie sich dahin zurückziehen?"

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Logistik-GmbH: Leitung geht auf Mitarbeiter zu

Nordmagazin -

Der Betriebsrat hatte die Missstände bei der Logistik-GmbH in Rostock im Juli vor Gericht gebracht. Zwar schwelt der Konflikt weiter, aber einiges ist auch in Bewegung gekommen.

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Arbeitsgericht gibt Betriebsrat Recht

Man habe über die Dienstanweisung mit der Geschäftsführung reden wollen, sagt der Betriebsratsvorsitzende - ohne Erfolg. Also sollte das Arbeitsgericht entscheiden. Nach eineinhalb Stunden einigten sich beide Seiten. Krankenwagenfahrer dürfen Wartezeiten nun im Aufenthaltsraum verbringen. Diese späte Einsicht kostet die Geschäftsführung 2.000 Euro für Gerichtskosten.

Die Anwältin des Betriebsrats spricht von einem klaren Verstoß gegen die Mitbestimmungsrechte, da die Anweisung ohne den Betriebsrat gegeben wurde. Nach Hinweisen vom Betriebsrat habe die Arbeitgeberseite aber nicht das Gespräch gesucht, sondern auf der Anweisung beharrt. "Deshalb musste die Angelegenheit leider vor Gericht enden, wo sie dann aber zum Glück ja geklärt werden konnte."

Logistiker wollen sich fortbilden lassen

Nicht jeder Konflikt landet vor Gericht. So bieten Mitarbeiter seit langem an, sich zu Rettungssanitätern ausbilden zu lassen, damit die Logistik auch selbst anspruchsvollere Transporte leisten kann. Kommen schwerkranke Patienten zum Beispiel per Hubschrauber, ist der Weg zur Klinik zwar kurz. Aber teuer. Denn geschulte Begleitung im Krankenwagen ist nötig. Dafür ordern die Dispatcher oft externe Anbieter. Daran soll sich vorerst auch nichts ändern.

Steigende Ausgaben für qualifizierte Transporte

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Die Begleitung qualifizierter Transporte könne man selbst noch nicht leisten, so der kaufmännische Vorstand Jeguschke.

Zehn Prozent aller Patiententransporte übernehmen andere Anbieter. Das kostete die Unimedizin 2016 noch mehr als 30.000 Euro. 2018 waren es bis September schon mehr als 86.170 Euro. Hauptsächlich gehe es um sogenannte qualifizierte Transporte, bei denen ausgebildete Rettungssassistenten oder sogar ein Notarzt mitfahren muss, so Harald Jeguschke, Kaufmännischer Vorstand der Unimedizin Rostock. "Da stützen wir uns oft auf andere Unternehmen, weil wir selber intern noch nicht so weit sind."

"Klar ist auch, dass die Kollegen, die sich qualifizieren, entsprechend in der Entgeltstufe höher rutschen", räumt der Logistik-Mitarbeiter ein. Nicht nachvollziehen kann er aber, warum nicht die eigenen Mitarbeiter qualifiziert werden, anstatt das Geld in fremde Unternehmen zu stecken.

Gewinn auf Kosten von Patienten und Angestellten?

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Die Rostocker Unimedizin macht zwar ordentlich Gewinn - Patienten werden aber gelegentlich nur notdürftig untergebracht.

Die Unimedizin Rostock sieht sich als erfolgreiche Einrichtung der Gesundheitswirtschaft und kann auf 6,5 Millionen Euro Gewinn im vergangenen Jahr verweisen. Andererseits kommt es vor, dass Patienten wegen überfüllter Zimmer mit ihrem Bett nur notdürftig abgestellt werden: Auf Fluren oder in Warteräumen.

Ein weiteres Problem ist der Müll: Die Reinigungskräfte der Logistik GmbH kommen mit der Abfallbeseitigung offenbar nicht hinterher, Müllsäcke bleiben oft erstmal stehen. "Wir haben ja auch die Fremdfirma abgelöst durch eigene Leute", erklärt der kaufmännische Vorstand Jeguschke. "Wir machen es jetzt selber und versprechen uns davon auch eine deutliche Qualitätssteigerung." Diese könne bei dem Riesenunternehmen mit mehr als 4.000 Mitarbeitern nur allmählich kommen, das sei aber auf einem guten Weg. Nach Einschätzung des Logistik-Mitarbeiters sind für die Klinikreinigung 20 bis 30 zusätzliche Kräfte für ein besseres Arbeitsergebnis nötig.

Wettbewerbsfähigkeit vor Wiedereingliederung

Offen bleibt auch eine weitere drängende Frage der Logistik-Angestellten: Wann endlich kommt ihr ausgegliedertes Unternehmen wieder in die Unimedizin und deren Tarifvertrag? Noch zu früh, heißt es aus der Vorstandsetage. Man müsse auf die Wettbewerbsfähigkeit achten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.12.2018 | 17:10 Uhr

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