Stand: 20.04.2018 19:30 Uhr

Uniklinik Rostock: Tele-Projekt für Herzpatienten

Im Care-Center des Gesundheitsprojektes "Herzeffekt" bespricht Facharzt Hermann Dittrich mit Mitarbeiterin Melanie Sögting die eingegangenen Daten von Teilnehmern des Projektes.

Die Universitätsmedizin Rostock hat das Projekt "HerzEffekt" zur besseren Versorgung von Herzpatienten im ländlichen Raum initiiert. Das Telemedizin-Projekt gilt als Blaupause für die künftige medizinische Versorgung in Deutschland. Im Kern geht es darum, angesichts einer geringeren Versorgungsdichte auf dem Land den dortigen Patienten dennoch ein hohes Maß an medizinischer Betreuung zukommen zu lassen und bei Problemen schnell die nötigen Maßnahmen einleiten zu können.

Wichtige Patientenwerte werden an Klinik gesendet

Dazu werden Daten wie etwa Blutdruck, Pulswerte und Gewicht von chronisch herzkranken Patienten an ein sogenanntes Care Center der Uniklinik gesendet. Hierzu erhalten die Patienten je nach Diagnose verschiedene Geräte wie Blutdruckmesser, Waage, Fitnessbänder und ein Tablet, mit dem sie regelmäßig ihre Werte prüfen können. Das Tablet sendet diese dann an die Klinik, wo Fachärzten die Daten überwachen und auswerten.

Patienten müssen nicht immer zum Arzt

Der Clou sei hierbei, dass der Patient einerseits nicht permanent zum Arzt oder in die Klinik fahren muss, so der wissenschaftliche Leiter und Vizechef der Kardiologie an der Uniklinik, Dr. Alper Öner. Und anderseits könnten die Fachärzte sofort relevante Veränderungen feststellen und schnell die nötigen Maßnahmen in Absprache mit dem Hausarzt treffen. Das entlaste das Gesundheitssystem und biete den Betroffenen mehr Sicherheit, so Öner weiter.

Großer Wert für Grundlagenforschung

Mit den Daten hoffen die Wissenschaftler, dass künftig die Zahl der Klinikaufenthalte verringert werden kann. Denn medizinische Krisen könnten schon lange vorher diagnostiziert werden. "Wir wollen keine Daten nutzen, um irgendetwas zu verkaufen", sagte Öner. Allerdings gebe es durchaus Patienten, die an der Studie aus Datenschutzgründen nicht teilnehmen. Der ärztliche Vorstand der Unimedizin, Christian Schmidt, unterstrich, dass das Projekt einen großen Wert für die Grundlagenforschung habe. Es könne geklärt werden, welche Werte überhaupt notwendig seien, um gute Diagnosen anfertigen zu können.

14 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Bundes

Bislang sind laut Uniklinik rund 100 Patienten in das Projekt "HerzEffekt" aufgenommen worden, bis Ende 2019 sollen rund 3.000 Herzkranke integriert werden. Das Geld für das Projekt stammt aus dem Innovationsfonds des Bundes. Insgesamt werden 14 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Hesse: "Wir haben mehr als Strandkorb und Fischbrötchen"

Derzeit sind rund 100 Hausärzte und niedergelassene Kardiologen beteiligt. Es sei weltweit das erste Mal, dass Daten in solch einem Ausmaß erhoben werden, sagte Öner. Wissenschaftsministerin Birgit Hesse (SPD) bezeichnete das Projekt als Aushängeschild für Mecklenburg-Vorpommern. "Wir reden über Digitalisierung, wir reden über Herausforderung im ländlichen Raum." "HerzEffekt" vereine dies. "Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern deutlich mehr als Strandkorb, Strand und Fischbrötchen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.04.2018 | 17:00 Uhr

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