Stand: 06.07.2018 07:00 Uhr

Uni-Medizin Rostock: Muss Klinikchef Schmidt gehen?

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Klinkchef Christian Schmidt wurde nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe vor einer Woche beurlaubt.

Der Aufsichtsrat der landeseigenen Universitätsmedizin in Rostock (UMR) entscheidet heute möglicherweise über die Entlassung des freigestellten Klinkchefs Christian Schmidt. Der 51-Jährige war in der vergangenen Woche von dem Gremium einstimmig beurlaubt worden. Dem Klinikmanager und Chef von rund 4.000 Mitarbeitern wird eine Verletzung der Dienstpflichten vorgeworfen.

Spezialkanzlei prüft den Vorgang

Heute stimmen sich die Mitglieder des Aufsichtsrats erneut ab. Ende Mai hatte das Kontrollgremium unter Leitung von Bildungsstaatssekretär Sebastian Schröder (SPD) von den Vorwürfen erfahren. Es ging um dubiose Beraterverträge, Geschäfte mit Firmen, die ihren Hauptsitz in Steueroasen wie der Kanalinsel Jersey haben und um zweifelhafte Nebentätigkeiten des Klinik-Chefs. Schröder und Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) lehnten Stellungnahmen bisher ab - es gehe um einen personalrechtlichen Vorgang, der werde von einem externen Anwaltsbüro geprüft. Das Ministerium hat dazu die Hamburger Spezialkanzlei Roxin eingeschaltet - auch Hesses Antwort auf Nachfragen im Parlament fielen in der vergangenen Woche deshalb spärlich aus.

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Wird Schmidt fristlos entlassen?

Immer wahrscheinlicher wird, dass Schmidts Nebentätigkeiten jetzt den Grund für eine fristlose Entlassung liefern könnten. Denn Schmidt hat nach NDR-Informationen auch versucht, über die Firma seines Vaters - die Hospital Consulting Team GmbH (HTC) mit Sitz in Münster - für einen Vortrag bei einem Rostocker Unternehmen rund 1.300 Euro zu kassieren - Rechnungsnummer "20161125". Diesen Vortrag hielt er im November 2016 aber in seiner Eigenschaft als Chef der Uni-Medizin - für diesen Job bekommt Schmidt ein Jahres-Grundgehalt von etwa 330.000 Euro. Fragwürdig erscheint, warum er für seine Arbeit quasi zusätzlich vergütet werden wollte. Pikant könnte auch sein, dass sich mit der Firma, an die Schmidt die Rechnung schickte, offenbar eine Kooperation mit der UMR anbahnen sollte. Der Verdacht: Möglicherweise nutzte Schmidt seine Stellung als UMR-Chef für private Interessen.

Ministerium betont "Null-Toleranz-Grenze"

Schmidt wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern, er hat einen Anwalt eingeschaltet. Nach einer möglichen Entlassung könnte es auch einen langwierigen und teuren Arbeitsgerichtsprozess geben. Deshalb legt der Aufsichtsrat wahrscheinlich großen Wert darauf, eine Entscheidung gegen Schmidt gerichtsfest zu machen - auch um dem Land eine hohe Abfindung zu ersparen. Aus dem Bildungsministerium heißt es auf Anfrage des NDR, entscheidend sei nicht die Größenordnung eines möglichen Dienstvergehens, denn: "Bei Regelverstößen gilt eine Null-Toleranz-Grenze".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.07.2018 | 07:00 Uhr

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