Gunter Gotal.

Uni-Medizin Greifswald verliert Klage gegen Ex-Finanzchef

Stand: 26.06.2021 09:13 Uhr

Der Aufsichtsrat ist vor dem Landgericht Stralsund mit einer Schadenersatzklage gegen den ehemaligen Finanzchef der Uni-Medizin Greifswald gescheitert. Es ging um mehr als drei Millionen Euro.

Das Landgericht Stralsund hat in einem Zivilprozess zwei Klagen des Aufsichtsrats der Uni-Medizin Greifswald gegen den früheren Finanzchef Gunter Gotal abgewiesen. Der Aufsichtsrat wollte ihn für einen Teil eines Defizits bei den Rücklagen für die Betriebsrenten der Klinikmitarbeiter verantwortlich machen. Außerdem warf er Gotal vor, Rentenzahlungen in Höhe von 260.000 Euro bekommen zu haben, die ihm nicht zustanden.


30 Millionen Euro Deckungslücke

2005 kündigte Gotal als Finanzvorstand der Uni-Medizin die Betriebsrenten-Verträge mit der Versorgungskasse des Bundes und der Länder. Seinen Angaben zufolge wollte er Kosten einsparen, denn die neue Versorgungskasse DUK verlangte deutlich weniger Eigenanteile vom Arbeitgeber. Spätestens 2018 wurde deutlich, dass diese geringeren Anteile nicht reichen, um die Betriebsrenten von rund 3.300 Klinik-Mitarbeitern zu sichern. Nach Angaben des Aufsichtsrats beträgt die Deckungslücke mindestens 30 Millionen Euro. Aus Sicht der landeseigenen Uni-Medizin handelt es sich um einen Schaden, für den Gotal mit einem Anteil von rund drei Millionen Euro einstehen müsse.

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Gutachten warnte bereits 2005

Gotals Rechtsanwältin hielt dem entgegen, die Uni-Medizin habe nicht berechnet, wieviel es gekostet hätte, wäre sie in der Versorgungskasse von Bund und Ländern geblieben. Die bloße Nachzahlung sei daher keine Schadenssumme. Das sah auch das Gericht so und wies beide Klagen gegen Gotal ab. Er habe möglicherweise seine Sorgfaltspflicht verletzt, aber nicht vorsätzlich gehandelt. Das Gericht verwies auch auf ein Gutachten, das bereits 2005 eine Deckungslücke bei den Betriebsrenten vorhersagte. Alle Gremien der Uni-Medizin, inklusive des Aufsichtsrats, hätten somit schon sehr viel früher davon wissen müssen. Der Aufsichtsrat hat noch nicht entschieden, ob er Berufung gegen das Urteil einlegt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.06.2021 | 08:00 Uhr

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