Stand: 18.11.2018 15:42 Uhr

Unbekannte schänden Kriegsopfer-Denkmäler

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Die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag werden in diesem Jahr von Schändungen überschattet. (Archivbild)

Im Vorfeld des Volkstrauertages haben Unbekannte in Mecklenburg-Vorpommern an mehreren Orten Gedenksteine für Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs geschändet. Nach Angaben der Polizei wurden in Rostock-Dierkow, in Satow sowie in Strenz bei Rostock Inschriften der Denkmäler mit Zementputz beschmiert. In allen drei Fällen hätten die Täter Bekennerschreiben zurückgelassen.

Gedenksteine wieder gesäubert

Darin erklärten sie, dass die Denkmäler nicht der Propaganda rechter Gruppen dienen dürften. Die Gedenksteine seien inzwischen gesäubert worden, hieß es. In Boldshof bei Strasburg (Landkreis Vorpommern-Greifswald) wurde ein Gedenkstein, der an im Zweiten Weltkrieg gefallene deutsche Soldaten erinnert, mit roter Farbe übergossen. Wann die Taten passierten, ist noch unklar. Der Staatsschutz werde in die Ermittlungen einbezogen.

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Volkstrauertag: Zentrales Gedenken in Wismar

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Mit Gedenkstunden und Kranzniederlegungen ist in Mecklenburg-Vorpommern an die Toten der beiden Weltkriege erinnert worden. Die zentrale Gedenkstunde des Landes fand in Wismar statt. Video (01:47 min)

Wismar: Justizministerin spricht Totengedenken

Die zentrale Veranstaltung des Landes zum Volkstrauertag fand in Wismar statt. Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) bekräftigte, dass das Gedenken an die Opfer von Gewalt und Krieg niemals verhallen dürfe. "In Zeiten wie diesen braucht es starke Stimmen, die sich gegen nationalistische und extremistische Tendenzen erheben." Zu den Teilnehmern gehörten außerdem Landtags-Vizepräsidentin Beate Schlupp (CDU) und der Stellvertreter des Inspekteurs der Marine, Vizeadmiral Rainer Brinkmann. Gedenkstunden und Kranzniederlegungen sind unter anderem auch in Schwerin, Greifswald, Rostock und Neubrandenburg geplant.

100 Gäste auf dem Golm erwartet

An der Veranstaltung auf der größten Kriegsgräberstätte Mecklenburg-Vorpommerns auf dem Golm in Kamminke auf Usedom beteiligten sich auch Jugendliche. Die Gruppe aus Zirchow nimmt derzeit an dem Projekt "Lautstark" der Jugendbegegnungsstätte auf dem Golm teil, mit dem das Demokratieverständnis gefördert werden soll. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge erwartete zur Gedenkveranstaltung rund 100 Gäste aus Deutschland und Polen.

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Wider das Vergessen: Wir helfen suchen

Zum Volkstrauertag ist NDR 1 Radio MV mit Ihnen auf die Suche nach verstorbenen Angehörigen gegangen. In vielen Fällen konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge helfen. (15.11.2018) mehr

Mehr als 14.000 Menschen bestattet

Die Gedenkrede hielt der stellvertretende Staatssekretär für Vorpommern, Bernd Schubert (CDU). Auch ein Usedomer Chor und die evangelische Kirchengemeinde Benz beteiligten sich. Am frisch sanierten Denkmal wurde ein Kranz niedergelegt. Auf dem Golm sind schätzungsweise mehr als 14.000 Menschen bestattet. Die meisten starben bei einem Bombenangriff auf Swinemünde im März 1945. Der Golm zählt zu den bundesweit größten Gedächtnisorten.

Volksbund kann Gräber ausfindig machen

Der Volkstrauertag wurde auf Anregung des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge nach dem Ersten Weltkrieg 1919 etabliert. Der Verein pflegt mehr als zwei Millionen Kriegsgräberstätten in 100 Ländern der Erde. Seit 1952 wird der Volkstrauertag zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen. Auch mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wissen viele Hinterbliebene immer noch nicht, wo ihre Angehörigen bestattet wurden. Mithilfe einer Internetdatenbank kann der Volksbund Gräber ausfindig machen.

Malchow: Gedenktafel wird enthüllt

In Malchow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) wurde aus Anlass des Volkstrauertages eine Gedenktafel enthüllt, die an die 12.000 Frauen erinnert, die am Ende des Zweiten Weltkriegs im Malchower Außenlager des KZ Ravensbrück inhaftiert waren. Die Frauen mussten in einer Munitionsfabrik unter schlimmsten Bedingungen arbeiten und leben. Von dem einstigen Industriestandort ist nicht mehr viel zu sehen. Die Anlage wurde in den 1950er-Jahren gesprengt. Nur noch einige Ruinen erinnern.

Erhalten geblieben sind die Wohnhäuser und das Gemeinschaftshaus des Frauenlagers. Dort ist heute eine Jugendherberge untergebracht. Die Malchower wollen Gebäude und Ruinen als mahnendes Zeichen erhalten. An der Stelle der ehemaligen Fabrik soll ein Gedenkort entstehen, informierte der Bürgermeister. Zu den Gästen gehörten eine Überlebende des KZ und eine Frau, die im Konzentrationslager Ravensbrück geboren wurde.

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Fünfeichen war bis 1945 Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht, später Speziallager des NKWD. Vor 70 Jahren wurde das Lager bei Neubrandenburg geschlossen. (05.05.2018) mehr

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Kirche im NDR

Das Kirchenlexikon - Volkstrauertag

Kirche im NDR

Am Volkstrauertag versammeln sich Menschen in Kirchen und an Mahnmalen. Mit dem stillen Gedenken soll an die Geschichte erinnert - und an Frieden und Menschlichkeit appelliert werden. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.11.2018 | 08:00 Uhr

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