Kiebitz © Dominic Cimiotti / NABU Foto: Dominic Cimiotti / NABU

Umweltschützer rufen zu Kiebitz-Zählung in MV auf

Stand: 05.04.2021 12:24 Uhr

Der Kiebitz gilt mittlerweile europaweit als eine stark gefährdete Vogelart. Wie viele Paare noch in Mecklenburg-Vorpommern brüten, ist unklar. Über ein Monitoring wollen das Vogelschützer des NABU herausfinden. Jeder kann mitmachen.

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Der Kiebitz ist so groß wie eine Taube, hat einen unverkennbaren Ruf und eine besonders imposant abstehende Federholle am Hinterkopf. Er hat einen weißen Bauch, ein schwarzes Brustband und die schwarz-bunten Federn auf dem Rücken schimmern grünlich-metallisch. Über ein Monitoring soll nun geklärt werden, wie viele Kiebitze es noch in Mecklenburg-Vorpommern gibt - vor allem wie viele Brutpaare. Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern koordiniert das Projekt. Sie arbeitet dabei eng mit dem NABU zusammen.

Kiebitz-Bestand deutlich geschrumpft

Alle zehn Jahre versuchen Vogelschützer systematisch zu erfassen, wie sich der Kiebitz-Bestand entwickelt hat. Die ersten Daten wurden 1980 gesammelt. Damals wurden in Mecklenburg-Vorpommern etwa 7.000 Brutpaare erfasst. 20 Jahre später waren es noch knapp 3.000 Brutpaare. Der NABU schätzt, dass es jetzt bestenfalls noch 2.500 Brutpaare sind. Der NABU-Landesvorsitzende Stefan Schwill spricht von einer dramatischen Entwicklung.

Große, weiße Flecken im Binnenland

Der NABU und die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft rufen alle Menschen auf, Kiebitze in ihrer Umgebung zu zählen. Wer einzelne Vögel oder sogar Brutpaare in seiner Region sieht, sollte dies dem NABU über dessen Internetseite in Mecklenburg-Vorpommern melden. Auf den Salzwiesen an der Ostseeküste können die meisten der wenigen Kiebitze im Nordosten beobachtet werden. Auch in der feuchten Randow-Niederung oder um den Anklamer Stadtbruch herum leben sie. Allerdings im Binnenland, vor allem Richtung südliches Mecklenburg-Vorpommern, gibt es laut NABU relativ große, weiße Flecken. Unklar ist, ob da wirklich keine Kiebitze mehr vorkommen, oder ob die Tiere einfach noch nicht erfasst wurden. Schwill und die anderen Vogelschützer beim NABU hoffen deshalb auf viele hilfreiche Hinweise. Der Erhebungszeitraum endet im Juni.

Kiebitz fehlt Lebensraum

Der Kiebitz ist ein typischer Agrarvogel. Er ist laut Schwill deshalb so stark gefährdet, weil er aus seinem ursprünglichen Lebensraum vertrieben wurde. Als Feld- und Wiesenvogel brütet er auf dem Boden. Allerdings wurden in der Vergangenheit Felder und Wiesen entwässert, das Grundwasser abgesenkt, oder Moore für den Torfabbau trockengelegt. Im Frühjahr werden durch eine frühe Mahd oder durch das Walzen des Bodens Gelege oft zerstört. Hinzu kommt, dass der Vogel kaum noch geeignete Brutplätze findet. Diese müssten feucht sein, betont Nabu-Landeschef Schwill. "Der Kiebitz braucht stehendes Wasser, zum Beispiel feuchte Ackersenken oder Feuchtwiesen. Diese Landschaften sind extrem selten geworden." Ein anderes Problem seien Fressfeinde, so Schwill. "Fuchs, Marder oder Waschbär lassen sich gern mal ein Vogelei schmecken."

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Mit Landwirten kooperieren

"Kiebitzschutz wird nur mit der Landwirtschaft gelingen", so Schwill. Nach Auswertung der gesammelten Daten will er deswegen auch verstärkt das Gespräch mit Landwirten suchen. "Es ist ganz wichtig, dass wir wieder lernen, Nassstellen auf Äckern zuzulassen. Nicht jede Wasserpfütze sollte entwässert werden." Im Sinne des Artenschutzes schlägt er zudem vor, Entwässerungsanlagen aktiv zurückzubauen. Innerhalb eines Modellprojektes wurden bereits erste Ideen entwickelt - mit Landwirten zusammen. Dabei ging es um die Frage, wie Kiebitzschutz in die Landwirtschaft integriert werden kann.

Schwill spricht von sogenannten Kiebitzfenstern. Das sind spezielle Flächenanteile, vorzugsweise an Feuchtstellen in der Agrarlandschaft, die als Lebensraum für die Vögel vorgehalten werden könnten. Das bedeutet, dass der Boden dort während der Brutzeit nicht bearbeitet wird. Über genau diese Ideen will der NABU innerhalb des Monitorings erneut mit Landwirten sprechen. Er hofft deshalb auf viele Daten, vor allem dazu, wo noch unentdeckte Kiebitze in Mecklenburg-Vorpommern brüten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.04.2021 | 13:00 Uhr

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