Stand: 14.05.2019 14:54 Uhr

Backhaus will Wolfsabschüsse erleichtern

von Petra Küntzer, NDR 1 Radio MV

Bild vergrößern
In Deutschland lbene mittlerweile nach Angaben des Landesjagdverbands rund 1.000 Wölfe. (Archivbild)

Mehr als 70 Wolfsangriffe haben sich allein in diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern ereignet, 120 Attacken waren es im Jahr zuvor. Seit 2017 sind mindestens 400 Nutztiere wie Schafe und Ziegen von Wölfen getötet worden. Das geht aus den Zahlen des Landwirtschaftsministeriums in Schwerin hervor. Deshalb macht sich Agrarminister Till Backhaus (SPD) schon lange dafür stark, endlich rechtssichere Regeln zu bekommen, damit auffällige Wölfe abgeschossen werden dürfen.

Backhaus: Naturschutzgesetz ändern

Backhaus geht davon aus, dass es schon in den nächsten Tagen einen Durchbruch geben und die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf vorlegen wird. Backhaus will, dass das Naturschutzgesetz geändert wird - "dahingehend, dass wenn Wölfe gut geschützte Bestände angreifen, diese Wölfe oder auch ganze Rudel dann getötet werden können". Man brauche auch im Sinne der Biodiversität die Weidehaltung, so der Minister. Man wisse heute, dass an einer ausgewachsenen Kuh über 1.000 Arten hingen. Der Wolf habe ein Recht auf Leben in Deutschland - "aber alles hat seine Grenzen", sagt Backhaus.

Streit zwischen Bundesministerien

Derzeit streiten sich die beiden Bundesministerien für Umwelt und Landwirtschaft darüber, wann Wölfe - wie es heißt - "entnommen" werden dürfen. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) will den Abschuss erlauben, wenn Wölfe mehrfach Schutzzäune überwinden oder Menschen zu nahe kommen. Landwirtschaftsministerin Julias Klöckner (CDU) will die Kriterien noch weiter senken. Sie sagt, der Wolfsbestand müsse präventiv kontrolliert werden können - unabhängig davon, ob eine Gefahr besteht.

Das Wolfs-Comeback in Mecklenburg-Vorpommern

Für Landwirtschaftsminister Backhaus wäre das dann der nächste Schritt. "Bewirtschaftungsmanagement" nennt er das, oder auch "Wolfsbestände begleiten und gegebenenfalls auch reduzieren". Dazu muss zunächst festgestellt werden, dass für den Wolf ein guter Erhaltungszustand erreicht ist. Auf der Ebene der Staatssekretäre würde bereits der nächste Schritt - nämlich das Wolfsmanagement - vorbereitet, so Backhaus. Darauf hätte sich die Umweltministerkonferenz geeinigt.

Wolf am Schweriner Stadtrand gesichtet

In dieser Woche hat ein Anwohner auch am südlichen Stadtrand von Schwerin einen Wolf gesichtet. Von ihm gehe aber keine Gefahr aus, so die Einschätzung des Umweltfachdienstes der Stadt. Auch wenn es vorkomme, dass die Tiere im Hellen in Sichtweite von Ortschaften vorbei liefen, würden Wölfe die Menschen meiden, aber nicht menschliche Strukturen, sagte der Behördenleiter Hauke Behr.  

Wolfskoordinator: Genug Platz für Wölfe

Derzeit sind in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben des Koordinators für das Wolfsmonitoring im Land, Norman Stier, sechs Rudel unterwegs und einige einzelne Wölfe, über die man aber noch nicht viel mehr sagen könne. Platz für Wölfe gebe es im Land noch genug, meint Stier, etwa im Bereich der Mecklenburgischen Seenplatte. In anderen Bereichen mit deutlich mehr Wölfen - zum Beispiel in Südbrandenburg und in der Lausitz in Sachsen - könne man sehen, wie dicht die Tiere zusammenrücken können. Und bei der hohen Schalenwilddichte wäre genug Nahrung da, damit sich noch weitere Rudel hierzulande etablieren könnten.

Jagd- und Bauernverband wollen Wolf ins Jagdrecht aufnehmen

Wildtierhalter und Bauern sehen das anders. Für sie ist das Maximum längst erreicht. Bauern- und Jagdverband wollen den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen, so dass er wie jedes andere Tier bejagt werden kann. So soll der Bestand reguliert werden. 14 Verbände haben dazu kürzlich ein gemeinsames Positionspapier vorgelegt. Volker Böhning, Vizepräsident des Landesjagdverbandes, sieht den günstigen Erhaltungszustand beim Wolf längst erreicht: "Wir haben 1.000 Wölfe in Deutschland und wenn ich daran denke, dass die Schweden 200 haben, die Finnen 300, da können wir nicht warten, bis in Rheinland-Pfalz 300 Wölfe sind und in Baden- Württemberg 300." Er fordert jetzt schnelles Handeln und spricht sich auch für wolfsfreie Gebiete aus, weil man nicht alles einzäunen könne.

Wolf erschwert die Jagd

Durch den Wolf ist die Jagd für die Jäger auch ein bisschen schwieriger geworden. Die Tiere bilden größere Rudel und die Jäger gehen davon aus, dass das mit dem Wolf zu tun hat - mit der Abwehr der Tiere gegenüber dem Wolf. "Das ist in der Tat schlechter zu bejagen, wenn wir große Jagden machen und 120 bis 150 Stück Rotwild bei einem Schützen dann das Treiben verlassen, dann kann er vielleicht zwei erlegen und der Rest des Rudels büxt aus" sagt Böhning. Er hofft aber, dass die Jäger mit revierübergreifenden Jagden und dem engeren Zusammenstehen der Jäger auch in Zukunft Strecke machen können.

Weitere Informationen

Wölfe: Lies und Albrecht fordern Lösung aus Berlin

07.05.2019 16:00 Uhr

Die Umweltminister Lies (SPD, Niedersachsen) und Albrecht (Grüne, Schleswig-Holstein) drängen auf klare Regeln im Umgang mit dem Wolf. Berlin müsse endlich eine Linie finden. mehr

Verbände fordern: Wolf zur Jagd freigeben

29.04.2019 16:00 Uhr

Ein Bündnis aus 14 Verbänden fordert, den Wolf wie jedes andere Wildtier zu behandeln. Hintergrund sind steigende Zahlen von Nutztieren, die Wölfen in Mecklenburg-Vorpommern zum Opfer fallen. mehr

Schutz vor Wölfen: Kosten werden voll erstattet

02.11.2018 14:00 Uhr

Landwirte bekommen künftig die Kosten für Schutzmaßnahmen vor Wölfen komplett erstattet. Das habe die EU-Kommission beschlossen, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. mehr

Schutzstatus für Wolf: Weiter Gesprächsbedarf

10.01.2019 19:00 Uhr

Nach einem Spitzengespräch in Berlin zum Umgang mit Wölfen gibt es unterschiedliche Lesarten der Ergebnisse. Laut Landesumweltminister Backhaus gibt es eine Lösung. Bundesministerinnen widersprechen. mehr

Panorama - die Reporter

"Was tun mit unseren Wölfen?"

02.10.2018 21:15 Uhr
Panorama - die Reporter

Der Wolf ist wieder da: Mittlerweile haben sich laut Schätzungen ca. 150 Tiere in Deutschland angesiedelt. Kein anderes Wildtier löst hierzulande so hitzige Debatten aus. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.05.2019 | 20:15 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

04:14
Nordmagazin
02:08
Nordmagazin
06:20
Nordmagazin