Stand: 30.07.2020 06:15 Uhr

Umbau zu Radweg: Streit um ehemalige B96

Mit goldgelb gefärbtem Herbstlaub gesäumte Allee. © NDR Foto: Beate Grimm aus Brandshagen
Die Gegner des Projekts sehen mit dem Umbau der ehemaligen B96 ein Baudenkmal in Gefahr. (Archivbild)

Seit Jahren wollen Landräte, Bürgermeister und verschiedene Interessenverbände einen durchgehenden Radweg zwischen Greifswald und Stralsund. Jetzt kommt Bewegung in das Projekt: Ab September sollen Teile der alten B96 zum Ostseeküstenradweg umgebaut werden. Doch jetzt gibt es Streit. Für die Befürworter ist der Neubau längst überfällig, die Gegner sehen ein Baudenkmal in Gefahr.

VIDEO: Was wird aus der alten B96? (3 Min)

Anwohner: "Alte B96 ist schön, aber laut."

Rund 100 Jahre ist die ehemalige B96 alt, Pflastersteine zieren die Allee. Durch einige Gemeinden hindurch verläuft die historische Bundesstraße direkt neben der neueren B105 - für Autofahrer eine willkommene Gelegenheit, Staus oder Unfälle über die Kopfsteinpflasterstraße zu umfahren. Dann führt sie die Strecke beispielsweise auch durch Mesekenhagen bei Greifswald - zum Leidwesen der Anwohner. Die Straße sei wunderschön, aber eben laut, so eine Anwohnerin: "Wenn die Menschen hier nicht mal 50 fahren, sondern 60, 70, manche schaffen es sogar mit 80, dann ist es wahnsinnig laut. Da steht man nachts im Bett."

Bürgermeister kämpft schon lange für Neubau

Deshalb kämpft Bürgermeister Geert-Christoph Seidlein (parteilos) seit mehr als 10 Jahren darum, die Situation für Anwohner und Radfahrer zu verbessern. "Wir wollen den Ostseeküstenradweg bauen. Der Ostseeküstenradweg ist in unserem Abschnitt nicht einfach nur ein Radweg, sondern gleichzeitig auch ein ländlicher Weg oder abschnittsweise eine Straße. Und er setzt auch Wünsche der Anwohner im Hinblick auf Verkehrsberuhigung und sichere Befahrung der B105 um. Das ist also ein ziemlich umfassendes Projekt, was jetzt endlich zur Umsetzung kommt." Im September sollen die Bauarbeiten beginnen. 3,5 Millionen Euro wird der 7,2 Kilometer lange Abschnitt zwischen Neuenkirchen und Mesekenhagen kosten.

Tourismusverband und ADFC begrüßen Fernradweg

Für die neu ausgebaute Straße soll das alte Pflaster einer asphaltierten Strecke weichen. Am Ortsein- und ausgang von Mesekenhagen werden Bereiche eingerichtet, in denen dann nur noch Radfahrer fahren dürfen. Der Tourismusverband Vorpommern erhofft sich touristische Attraktivität vom neuen Fernradweg. Lob kommt auch vom ADFC: "Es ist eben nicht nur für die Touristen sehr schön, hier die Strecke zu fahren, sondern eben auch für Alltagsradfahrer. Die brauchen das auch umso dringender, damit man das Auto eben möglichst zu Hause lässt", erklärt ADFC-Sprecher Steffen Ahmels.

Gegner verweisen auf Denkmalschutz

Doch nicht alle begrüßen die Idee. Landwirt Erich Ehrenberg aus Mesekenhagen beispielsweise will alles dafür tun, dass die einhundert Jahre alte B96 nicht verschwindet. Er geht davon aus, dass das diese Straße die letzte Kleinpflasterstraße in Deutschland ist. "Diese Straße ist in die Liste des Denkmalschutzes aufgenommen worden. Jetzt kommt es alles anders. Das zählt alles nicht mehr. Denkmalschutz ist null und nichtig", so Erich Ehrenberg.

Ehrenberg will rechtliche Schritte prüfen

Mitstreiter hat er in den umliegenden Dörfern gefunden. Laut Bürgermeister Seidlein seien die Argumente für einen Neubau in der Summe für die Denkmalbehörde nachvollziehbar gewesen. "Wir sind ja nicht angetreten mit dem Wunsch 'Hurra wir beseitigen ein Denkmal'. Wir haben uns ja Mühe gegeben und lange geplant und auch umfassend begründet, weshalb wir das jetzt tun wollen." Für Landwirt Ehrenberg nicht akzeptabel. Er will jetzt rechtliche Schritte prüfen, damit das nicht der letzte Sommer der alten B96 ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Mittagsschau kompakt | 29.07.2020 | 12:00 Uhr

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