Trotz Ankündigung: Werftenhilfen noch nicht perfekt

Stand: 31.05.2021 10:01 Uhr

Die von der Landesregierung angekündigten Bundeshilfen für die MV-Werften sind noch immer keine beschlossene Sache. Die Verhandlungen zwischen dem Werfteneigner und dem Bund klemmen offenbar.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV Aktuell

Da waren Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) und Finanzminister Reinhard Meyer (SPD) wohl etwas vorschnell: In einer Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch kündigten beide an, dass die Rettung der angeschlagenen MV-Werften beschlossene Sache sei. Der Bund werde 300 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) geben - umgangssprachlich firmiert dieser Topf auch als "Corona-Rettungsschirm". Und der werde jetzt für die MV-Werften gespannt, freuten sich beide. Am Mittwoch stellten sie eine Entscheidung für den Freitag in Aussicht. Doch der Termin ist verstrichen - eine Entscheidung gibt es noch immer nicht.

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Eine Schiffbauhalle der MV Werften in Stralsund. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner

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Werftenrettung hängt an "technischen Details"

Es soll um "technische Details" gehen, heißt es aus dem Umfeld der Landesregierung. Der Bund habe die Kredite noch nicht abgesegnet. Und damit dem Druck, den das Land in der vergangenen Woche aufbaute, nicht nachgegeben. Die Werftenrettung hängt - wieder einmal. Dabei hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Vormittag eine Regierungserklärung im Landtag angekündigt. Schwesig wird darin offenbar nur sagen können, dass das Land alles dafür unternimmt, die Werften zu retten. Es ist dafür bereit, neue Kredite in Höhe von 72 Millionen Euro zu geben. Das Geld soll einen Weiterbau des geplanten Kreuzfahrtschiffs "Global 2" ermöglichen. Mit mehr als 400 Millionen Euro würde das Land dann bei den MV-Werften ins Risiko gehen.

Neben Geld auch neue Aufträge nötig

Der geplante Stellenabbau wird sich offenbar verzögern - 650 Jobs sollen jetzt zum 1. August gestrichen werden. Zum Jahresende könnte es weitere Kürzungen geben. Die IG Metall verfolgt den Verhandlungspoker um die Werften mit einigem Argwohn. "Wir wissen noch von keiner Entscheidung des WSF", sagte ein Gewerkschaftssprecher am Montagmorgen. Unter Experten ist längst ausgemacht: Auch wenn die Werften eine Finanzspritze erhalten sollten, wären sie noch längst nicht in sicherem Fahrwasser. Nötig für die Schiffbauer sind neue Aufträge - auf die setzen auch die Minister Glawe und Meyer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 31.05.2021 | 10:00 Uhr

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