Stand: 25.02.2020 14:55 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Trockenheit stresst Bäume: Große Waldschäden

Bild vergrößern
Die Waldschäden haben das größte Ausmaß seit Beginn der Aufzeichnung erreicht. (Themenbild)

Nach zwei sehr trockenen Sommern haben die Waldschäden in Mecklenburg-Vorpommern ein nie gekanntes Ausmaß erreicht. So verdoppelte sich der Anteil sichtbar geschädigter Bäume. Das geht aus dem jüngsten Waldzustandsbericht hervor, den Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) am Dienstag in Schwerin vorstellte.

Waldbrände auf fast 1.000 Hektar

Mit einem mittleren Nadel- beziehungsweise Blattverlust von 24,5 Prozent weist die Waldzustandserhebung 2019 laut Backhaus die stärkste Kronenverlichtung seit dem Beginn der Erhebung im Jahr 1992 auf. Rund ein Drittel der untersuchten 2.516 Bäume gilt demnach als deutlich geschädigt. Von deutlichen Schäden wird gesprochen, wenn mehr als ein Viertel der Blätter oder Nadeln fehlen. 2018 lag dieser Anteil noch bei 17 Prozent.

Zudem gab es dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr 75 Waldbrände auf einer Fläche von insgesamt rund 985 Hektar (2018: 88 Brände, 32 Hektar). Ende Juni/Anfang Juli 2019 brannten allein auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lübtheen etwa 950 Hektar Wald.

Video
03:34
Nordmagazin

Ist der Wald noch zu retten?

Nordmagazin

Forstwirt Holger Weinauge macht sich große Sorgen um die Wälder in MV. Er vermisst eine naturnahe Bewirtschaftung, die bodenschonend ist und eine flächendeckende Verjüngung des Waldes. Video (03:34 min)

Starker Blattverlust bei Buchen

In Folge der zwei zurückliegenden extrem trockenen Sommer haben vor allem ausgedörrte Böden, Wassermangel, Insekten- und Pilzbefall die Bäume im Land geschwächt. Besonders dramatisch sei es um die Buche bestellt, so Landwirtschaftsminister Backhaus. Bei der wichtigsten Laubbaumart in Mecklenburg-Vorpommern ist der mittlere Blattverlust von 16 Prozent im Jahr 2018 auf 31 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Aber auch Nadelbäume, vor allem Kiefern, Fichten, Lärchen und Douglasien würden sichtbar unter der Witterung leiden.

Hingegen hat sich der Kronenzustand der Eiche dem Bericht zufolge nur leicht verschlechtert auf einen mittleren Blattverlust von 25 Prozent (2018: 23 Prozent). Eichen können mit ihrem weitreichenden Wurzelwerk auch tiefere, noch wasserführende Bodenschichten erreichen. Dennoch gehöre die Eiche weiterhin zu den Sorgenkindern, hieß es.

Wälder sollen für den Klimawandel angepasst werden

Insgesamt sind im vergangenen Jahr landesweit rund eine halbe Million Kubikmeter Schadholz angefallen. Dies würde sich auch negativ auf den Holzpreis auswirken, so Backhaus. Ziel sei es, die Wälder künftig so zu entwickeln, dass sie den Klimaveränderungen standhalten. Forschungen hätten ergeben, dass die Kiefer beispielsweise klimastabiler sei als andere Baumarten. Backhaus bringt eine Idee ins Spiel: Durch finanzielle Anreize könnten Landwirte dazu gebracht werden, bislang landwirtschaftlich genutzte Flächen für Neupflanzungen abzugeben. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es rund 535.000 Hektar Wald.

Weitere Informationen

Klima-Geld für Waldbesitzer? - CDU skeptisch

10.01.2020 17:00 Uhr

Landwirtschaftsminister Till Backhaus stößt beim Koalitionspartner mit seinem Vorschlag, Waldbesitzer für "Klima-Leistungen" zu entlohnen, auf Zurückhaltung. mehr

Klimawandel: "Waldumbau ist dringend nötig"

02.12.2019 16:10 Uhr

Waldbesitzer Holger Weinauge bewirtschaftet seinen Wald naturnah, so leidet dieser weniger unter Dürreperioden. Statt schwerer Maschinen kommen Rückepferde zum Einsatz. mehr

Mehr Waldfläche in MV, aber auch mehr Abholzung

08.08.2019 06:00 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern ist wieder mehr Wald abgeholzt worden, um die Flächen anderweitig zu nutzen. Trotzdem ist die Waldfläche insgesamt in den vergangenen fünf Jahren leicht gewachsen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.02.2020 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

12:15
Nordmagazin
02:43
Nordmagazin
02:05
Nordmagazin