Stand: 13.07.2020 06:20 Uhr

Trockenheit: Viele Seen in MV leiden an Wassermangel

Niedrigwasser auf dem Rothener See. © NDR Foto: NDR
Der niedrige Wasserstand des Rothener Sees bei Sternberg ist für Fische problematisch.

Zwei trockene Jahre, mehrere heftige Hitzeperioden, in denen besonders viel Wasser verdunstet ist und fehlender Regen in diesem Jahr – all das macht sich in den Seen des Landes zunehmend bemerkbar. Demnach fehlen dem Galenbecker See im Osten 24 Zentimeter Wasser, dem Großen Koblentzer See 25 Zentimeter. Die Müritz braucht für diesen Monat noch mindestens 30 Zentimeter bis zum Wasserstand des langjährig gemessenen Mittels.

VIDEO: Seen in MV leiden unter der Trockenheit (3 Min)

Lange Trockenheit macht sich bemerkbar

Zwar sind viele Seen im Westen vergleichsweise gut oder zumindest normal gefüllt – so zum Beispiel der Schaalsee, der Wariner See, der Sternberger See und der Schweriner See. Aber auch hier gebe es Oberflächengewässer, denen die lange Trockenheit deutlich zu schaffen mache, so das Umweltministerium. So etwa der Rothener See im Sternberger Seenland (Landkreis Ludwigslust-Parchim), wo die Natur unter der anhaltenden Trockenheit leidet. Die Flüsse dagegen profitieren vom Regen der vergangenen Tage, heißt es, dort werden überwiegend steigende Pegelstände verzeichnet.

"Die Laichplätze fehlen"

Wenn Fischer Norbert Marx zum Arbeiten auf den Rothener See hinausfährt, muss er das Boot erstmal zu Fuß ein paar Meter ins tiefere Wasser schieben. Denn dort, wo der Anleger ist, liegen die Boote auf dem Trockenen. Es herrschen Wasserstände wie im Spätsommer. Für die Fische, die am Ufer ihre Eier ablegen, ist das ein Problem: "An den flachen Stellen hat man ja kaum noch Wasser. Schon Mitte Mai nicht mehr. Dadurch kommt der Fisch kaum noch ran. Die Laichplätze fehlen", sagt Marx. Selbst wenn der Fisch später noch ablaiche, sinke das Wasser weiter und die Gelege würden trocknen. Die Folge: "Der Laich geht kaputt."

Die Sommer heißer, die Winter wärmer

Der Zufluss zum Rothener See, die Mildenitz, führe hier an manchen Tagen kaum noch Wasser, sagt Marx. Muscheln und Wasserpflanzen fielen trocken, das Schilf wachse immer weiter in den See hinein. Ein Grund zur Sorge, findet auch Christian Lehsten. Er lebt schon lange am Rothener See. "Als ich vor 16 Jahren hier nach Rothen gezogen bin, da war der Steg jedes Jahr im Winter überschwemmt", sagt er. Trockenen Fußes sei man nicht mehr an der Stelle vorbeigekommen. Doch das sei schon lange nicht mehr so gewesen. "Die Sommer werden immer heißer, die Winter werden immer wärmer." Im vergangenen Winter habe es praktisch überhaupt keinen Schnee mehr gegeben. "Was soll das anderes sein, als dass der Klimawandel hier angekommen ist?!“

Laut Behörde gibt es keine Auffälligkeiten

Der Rothener See sei in mehrfacher Hinsicht gebeutelt, sagen Lehsten und Fischer Marx. Denn er liegt zwischen einem Wasserkraftwerk in Zülow, das Wasser für die Stromgewinnung nutzt und dem Wehr in Borkow, das Wasser für Bootstourismus auf der Mildenitz aufstaut. Die Auflagen überwacht das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg. Von dort heißt es, es seien aktuell keine Auffälligkeiten festgestellt worden.

Runder Tisch gefordert

"Diesen lapidaren Zweizeiler habe ich zugeschickt bekommen. Das reicht mir ehrlich gesagt nicht", so Marx. Er fordert, dass alle beteiligten Akteure an einen Tisch kommen, um die Probleme zu besprechen. "Dass man darüber spricht, was hat hier Priorität? Der Strom, die Schute auf der Mildenitz oder hat die Natur die erste Priorität?" Lehsten und Marx fordern, dass sich die zuständigen Behörden die verschärfte Situation vor Ort ansehen - und die Richtlinien entsprechend anpassen. Denn wenn wertvolle Muscheln erst einmal verloren sind, lasse sich das so schnell nicht mehr reparieren, sagen sie.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.07.2020 | 06:30 Uhr

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