Stand: 24.07.2020 16:04 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Trickbetrüger in MV erbeuten über 40.000 Euro

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Die Täter riefen ausschließlich bei Personen im Alter von 70 bis 97 Jahren an, die Vornamen wie Leni, Frieda, Hilde, Christel, Otto, Hans oder Albert tragen. (Symbolbild)

In Mecklenburg-Vorpommern sind wieder Trickbetrüger unterwegs. In den vergangenen Tagen erbeuteten sie allein im Raum Rostock 40.000 Euro. Die Polizei berichtet von etlichen weiteren Versuchen, die allerdings scheiterten. In Rostock übergab ein Rentnerpaar 20.000 Euro an eine unbekannte Person. Zuvor hatte eine angebliche Nichte am Telefon vorgegeben, Schulden bei Gericht begleichen zu müssen.

Aufmerksamer Nachbar verhindert Geldübergabe

Betrogen wurde auch ein 84-jähriger Güstrower. Ihn hatte eine angebliche Polizistin aus Greifswald angerufen, kurz darauf händigte er das Geld einem Unbekannten an seiner Wohnungstür aus. Überall im Land habe es derartige Anrufe gegeben, so die Polizei. Die Beamten berichten von Betrugsversuchen in Ribnitz-Damgarten, Mirow und Loitz. In allen Fällen riefen angebliche Verwandte oder Polizisten an. Eine Geldübergabe in Ueckermünde (Landkreis Vorpommern-Greifswald) konnte im letzten Moment verhindert werden, weil der Nachbar eines 86 Jahre alten Mannes die Polizei rief. Ihm sollte ein angeblicher Gewinn ausgehändigt werden.

Rostock: Sieben gescheiterte Trickbetrüge an einem Tag

Am Mittwoch versuchten Täterinnen und Täter sieben Mal mit verschiedenen Legenden an das Geld von älteren Damen und Herren zu kommen. Dabei riefen sie ausschließlich ältere Personen im Alter von 70 bis 97 Jahren an, die Vornamen tragen, die auch heute wieder modern werden: Leni, Frieda, Hilde, Christel, Otto, Hans oder Albert. Doch diese Namen der älteren Frauen und Männer sind leicht in den Telefonbüchern zu finden. Die Anrufe fanden verteilt im gesamten Stadtgebiet von Rostock statt: In der Stadtmitte beabsichtigte eine vermeintliche Enkelin eine Wohnung zu kaufen, für die sie das Geld bräuchte und dieses in 40 Minuten abholen wollte.

Dreiste Anrufe mit hohen Geldforderungen

Desweiteren hatte eine angebliche Sportfreundin vor, sich einfach Geld zu borgen. Im nächsten Fall sollte die Angerufene 85.000 Euro als Kaution hinterlegen oder statt dessen den Schmuck herausgeben. Darüber hinaus hatte ein "Verwandter" einen Unfall und um seinen Führerschein behalten zu können, benötigte er Geld. In Lichtenhagen gab sich die Anruferin als eine Mitarbeiterin einer Lotteriegesellschaft aus und teilte mit, dass der Angerufene seine Rechnungen für sein abgeschlossenes Abo in Höhe von 900 Euro bezahlen soll. Im Stadtteil Lütten Klein benötigte eine mutmaßliche Enkelin 25.000 Euro, da sie jemanden überfahren hätte. In Dierkow-Neu verlangte eine fingierte Tochter 35.000 Euro vom Angerufenen. In allen Fällen durchschauten die angerufenen Frauen und Männer die Trickstraftaten, legten den Hörer auf und informierten die Polizei. Die Polizeiinspektion Rostock geht von einer weit höheren Dunkelziffer aus - von Trickstraftaten, die gar nicht erst angezeigt werden.

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Acht Betrugsversuche in Schwerin

Durch einen Schockanruf wurde am Donnerstagvormittag eine 91-jährige Schwerinerin von einer vermeintlichen Polizistin kontaktiert und quasi überrumpelt. Der Frau wurde mitgeteilt, dass ihre Tochter einen Verkehrsunfall verursacht habe, hierbei sei eine Person getötet worden, ihre Tochter säße nun in Haft. Weiter wurde ihr mitgeteilt, dass Kosten in Höhe von 75.000 Euro entstanden seien, eine Anzahlung von 30.000 Euro aber möglich wäre. Die 91-Jährige machte sich auf den Weg in ihr Kreditinstitut und trug ihr Anliegen vor. Die Bankmitarbeiterin verhielt sich verantwortungsvoll und zahlte das Geld nicht aus. Auf dem Heimweg wurde die Rentnerin dann von einer männlichen Person angesprochen und nach dem Geld befragt. Da sie keins dabei hatte, entfernte er sich in unbekannte Richtung. Zu Hause wartete bereits die Tochter der alten Dame, jetzt erkannte sie, dass auch sie beinahe Opfer eines Trickbetrugs geworden wäre.

In Schwerin kam es zwischen Donnerstag und Freitag zu insgesamt acht Versuchen, bei denen entweder durch Enkel Geldnot vorgetäuscht wurde oder angeblich die Polizei am Telefon sei und schockierende Geschichten mitteilte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 24.07.2020 | 07:00 Uhr

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