Stand: 14.03.2019 19:00 Uhr

Traditionsschiffe: Sicherheit macht weiter Sorgen

Bei den Betreibern von Traditionsschiffen herrscht auch nach der Einigung auf die neue Sicherheitsverordnung Unmut. Grund seien immer neue und nicht abgesprochene Forderungen, sagte der Vorsitzende des Dachverbands der deutschen Traditionsschiffe, Jan Matthias Westermann, bei einer internationalen Fachkonferenz in Rostock.

Noch keine Fördergelder ausgezahlt

Ein Knackpunkt ist die Umsetzung der neuen Sicherheitsregelungen. Ausgehandelt war zum Beispiel ein Fördertopf beim Bundesverkehrsministerium in Höhe von 20 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen die sicherheitstechnischen Umbauten an Bord finanziert werden. Laut Westermann ist jedoch noch kein einziger Euro bei den Crews angekommen. Es gibt offenbar noch einige Unklarheiten im Ministerium. Die teils sehr teuren Erhalt- und Pflegearbeiten an Bord der Traditionsschiffe seien ohne die Gelder aber nur schwer finanzierbar. Die Erteilung der notwendigen Sicherheitszeugnisse sei deshalb bedroht. Es müsse dringend gegengesteuert werden, so Westermann.

Maritime Großveranstaltungen betroffen

Die Forderungen der Behörden betreffen den Angaben zufolge auch die deutschlandweit fünf großen maritimen Veranstaltungen für Traditionsschiffe. So sollen bei den Schiffen unter Deck die gleiche Anzahl von Sitzplätzen vorhanden sein wie Gäste während der Ausfahrt auf Deck sind. "Es ist ja gar nicht die Absicht, dass die Menschen bei solchen Veranstaltungen dauerhaft unter Deck sind", fügte der Chef der Rostocker Hanse Sail, Holger Bellgardt, hinzu. Durch immer neue Auflagen würden Bedingungen aufgestellt, die nicht abgesprochen und zudem nicht verständlich sind.

Notfall-Übung mit maximaler Personenzahl

Eine weitere Forderung der Behörden laute, dass ein Schiffseigner vor der ersten Teilnahme an einer maritimen Veranstaltung die maximal zulässige Personenzahl an Bord nehmen müsse, so Bellgardt. Dann solle geübt werden, wie diese Personen in einem fiktiven Notfall gerettet werden können. Es sei fraglich, ob ein solches Prozedere überhaupt praktikabel ist. Zudem sei auch diese Forderung ohne jegliche Absprache aufgestellt worden.

Stimmung trübt sich

Die Traditionsschiff-Betreiber halten es für unrealistisch, für jedes der rund 100 deutschen Traditionsschiffe solche Szenarien aufzustellen. "So etwas ist auch noch nie gefordert worden", machte Westermann deutlich. Die Stimmung sei zwar noch nicht so schlecht wie vor der gemeinsamen Vereinbarung der Sicherheitsverordnung, "aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht genau da wieder hinkommen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 14.03.2019 | 19:00 Uhr

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