Tourismus in Prerow, Romy Kohsmund: "Dass wir Geld verdienen"

Stand: 20.06.2021 20:04 Uhr

Wie geht es uns? Was brauchen wir jetzt? Um über den zweiten Sommer in der Pandemie zu kommen und gemeinsam Wege aus der Krise zu finden? Corona und wir in MV: Über Monate hat der NDR in Mecklenburg-Vorpommern Menschen aus dem Land begleitet und nachgefragt, wie sie die Zeit zwischen Winter 2020 und Sommer 2021 erlebt haben.

von Michaele Rüting

Die gute Nachricht vorweg: Es gibt das Unternehmen von Romy Kohsmund in Prerow noch: Das Unternehmen "WMS Reinigung UG", die Wäscherei und den Ferienwohnungsservice. Der Betrieb hängt am Tropf des Tourismus von Fischland-Darß Zingst. In den zurück liegenden Monaten war der Unternehmerin Romy Kohsmund wie vielen Unternehmerinnen und Unternehmern in der Branche das Lachen vergangen. Im Dezember 2020 waren die Einnahmen nach der ersten turbulenten Pandemie-Sommersaison verschwindend gering. Die Wintersaison, das Frühjahr: ein Reinfall. Wie viele andere auch war Romy Kohsmund auf Fördergelder angewiesen.

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"Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein"

"Was mich am meisten traurig macht: dass Fördergelder falsch ausgereicht werden", erzählt sie. Das Problem sei die Berechnungsgrundlage, die laufende Fixkosten von kleineren Unternehmen nicht ausreichend berücksichtige, meint Romy Kohsmund, "wenn man von Fördergeldern spricht - das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, da fehlen 80 Prozent." Mehr als einmal hat die 59-Jährige ans Aufgeben gedacht, weil sie nicht genug Einnahmen hatte. Sie hat viel von ihrem privaten Ersparten in die Firma gesteckt, um die hohen Nebenkosten und die Sozialabgaben für ihre 21 Beschäftigten zu zahlen. Die waren zum Teil in Kurzarbeit, doch die Lohnnebenkosten hätten bei den Berechnungen der Corona-Sonderzahlungen vom Staat keine Rolle gespielt.

"Wo wir Geld sparen konnten, haben wir gespart"

Romy Kohsmund sagt, sie sei eine unverbesserliche Optimistin. Als ihr Reinigungs- und Wäschereigeschäft völlig am Boden lag, hatten sie und ihre Geschäftspartnerin eine Idee: Sie machten mitten im Lockdown in Prerow einen Weinladen auf. Da, wo sonst die Hausmeister ihr Werkzeug und Material aufbewahren, ist nun ein schicker, kleiner Weinladen entstanden. Hier gibt es neben Wein auch Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Romy Kohsmund stellt einen Aufsteller an die Straße, damit die Urlauber aufmerksam werden. "Vieles ist selbst gebaut, eben nicht gekauft. Wo wir Geld sparen konnten, haben wir gespart. Selbst für das Backen haben wir einen Herd von mir zu Hause hergenommen und ja... ich bin glücklich! Wir haben Kosten gespart, verdienen jetzt daran und das freut uns." Und: Romy Kohsmund hat sich mit Schnelltests ein weiteres Geschäftsmodell geschaffen, denn die Test-Kapazitäten der Apotheke vor Ort reichten nicht.

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"Wir sind für jeden dankbar"

Eigentlich ist es unglaublich und manchmal weiß Romy Kohsmund selbst nicht, wie sie es geschafft hat, doch am 1. Juli vergrößert sich ihr Geschäft. Die Wäscherei und der Ferienwohnungsservice ziehen nach Zingst um, ein paar Kilometer weiter.  Hier hat der Betreib das Vierfache an Platz, erzählt die Unternehmerin, während sie durch die noch leeren Räume geht. "Sie sehen, dass der Bereich viel größer ist. Hier werden dann die Waschmaschinen stehen, die Trockner. Mangeln auf der Seite. Die Regale haben viel mehr Platz." Stolz ist sie und hoffnungsvoll, dass es nach der großen Krise endlich wieder bergauf zu gehen scheint. Zu tun haben sie und ihre Leute genug - von null auf zweihundert ist das Geschäft angelaufen. "Wir sind für jeden dankbar, der in den Waschsalon gekommen ist, jedem Eigentümer, der seine Wohnung noch mal gereinigt haben wollte! Wir sind dankbar und nur so konnten wir es schaffen!"

Ein weiterer Lockdown wäre nicht zu schaffen

Was Romy Kohsmund jetzt zum Start in den zweiten Pandemie-Sommer braucht? Gutes Personal, um die Aufträge abarbeiten zu können, "dass wir Geld verdienen. Aber man schafft es nicht, das, was man verloren hat, wieder rein zu bekommen." Es wird lange, sehr lange dauern, bis sie zumindest einen Teil dessen, was sie in den vergangenen Monaten privat in das Unternehmen gesteckt hat, wieder erwirtschaftet hat. Aber, sagt sie lächelnd, "ich habe die tollsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die man sich denken kann und das gibt viel Kraft." Für einen weiteren Lockdown, da ist sie sich sicher, würden ihre Kräfte nicht mehr reichen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.06.2021 | 05:00 Uhr

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