Stand: 04.09.2018 11:36 Uhr

Tote von Alt Rehse: Zweiter Prozess abgebrochen

Der zweite Prozess um eine in Alt Rehse (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) zu Tode gefolterte Frau am Landgericht Neubrandenburg ist zunächst geplatzt. Als Gründe gab das Gericht eine längere Erkrankung eines Richters sowie die Pensionierung eines weiteren Richters der Schwurgerichtskammer an. Damit könne das durchgehend nicht öffentlich geführte Verfahren nicht mehr rechtzeitig beendet werden und ein dritter Prozess sei nötig, sagte Gerichtssprecher Carl Christian Deutsch. "Das war so nicht absehbar." Wann der neue Prozess beginnen kann, ist noch nicht klar.

Verzögerungen bei weiteren Prozessen

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Im Fall einer zu Tode gefolterten Frau in Alt Rehse ist ein dritter Prozess nötig. (Archivbild)

Damit wird ein dritter Prozess in dem Fall nötig. Wegen der dünnen Personaldecke am Gericht kommt es auch zu Verzögerungen in den Prozessen um einen überfahrenen Fußgänger sowie um den Einbruch in einen Neubrandenburger Döner-Imbiss, bei dem einer der Täter durch Schüsse tödlich verletzt worden war. Der Richtermangel ist schon seit Längerem ein Problem am Landgericht Neubrandenburg. Seit rund anderthalb Jahren sind drei der acht Strafrichter dauerhaft erkrankt. Deswegen kommt es bei den Prozessen öfter zu Verzögerungen oder Umbesetzungen.

Haftbefehl aufgehoben

Der Haftbefehl gegen den 53 Jahre alten Angeklagten, der seit 2016 inhaftiert war, sei aufgehoben worden. Von ihm gehe laut einem psychiatrischen Gutachten keine Gefahr mehr aus, so ein Gerichtssprecher. Der Mann soll seine Lebensgefährtin im Sommer 2016 in seinem Haus in Alt Rehse im Streit nackt an ein Bett gefesselt und mit einer Peitsche misshandelt haben.

32-Jährige starb qualvoll

Die 32-Jährige, die aus Rheinland-Pfalz zu ihm gezogen war, starb, nachdem sie tagelang weder zu essen noch zu trinken bekommen hatte. Ihre stark verweste Leiche war später bei einem Polizeieinsatz wegen Ruhestörung im Haus gefunden worden.

Zu fünf Jahren Haft verurteilt - BGH hebt Urteil auf

Im ersten Prozess war der Mann wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil jedoch aufgehoben und die Neuverhandlung angeordnet, um zu klären, ob der Mann zur Tatzeit schuldfähig war. In der Neuverhandlung sollte deshalb sein Gesundheitszustand zur Tatzeit genauer geprüft werden.

Im ersten Prozess war dem Angeklagten bereits eine verminderte Schuldfähigkeit bescheinigt worden. Der Angeklagte sagte, sein Geständnis sei nur deshalb zustande gekommen, weil er unter Medikamenten-Einfluss gestanden habe.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.09.2018 | 12:00 Uhr

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