Stand: 11.01.2019 20:32 Uhr

Tipps aus Thüringen für NSU-Ausschuss

Bild vergrößern
Gedenkstein in Rostock: In er Hansestadt hatte der NSU Mehmet Turgut erschossen.

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss des Landtags zu den Aktivitäten der rechtsterroristischen Gruppe NSU in Mecklenburg-Vorpommern hat am Freitag erstmals Sachverständige angehört. Bei der öffentliche Anhörung gaben zwei Vertreterinnen des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses ihren Kollegen zahlreiche Hinweise für Ermittlungsansätze. Dabei geht es vor allem um das Unterstützerumfeld des "Kerntrios" Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos.

Das NSU-Trio.

NSU-Trio: Was wussten die Behörden in MV?

Nordmagazin -

Was wussten die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern über das NSU-Trio? Gab es vielleicht sogar Helfer? Damit beschäftigt sich eine Anhörung des NSU-Untersuchungsausschuss.

3 bei 10 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Spuren zu Helfern in Mecklenburg-Vorpommern

Es habe wohl sehr viele helfende Hände gegeben, sagte die Vorsitzende des Thüringer Untersuchungsausschusses, Dorothea Marx (SPD). Spuren führten auch nach Mecklenburg-Vorpommern. Es gebe bundesweit Beschuldigte in zweistelliger Zahl, gegen die vom Generalbundesanwalt wegen möglicher Unterstützungshandlungen ermittelt werde.

Ausführliche Präsentation möglicher Verbindungen

Die Obfrau der Linken im Thüringer Untersuchungsausschuss, Katharina König-Preuss, zeigte in einer mehr als einstündigen Präsentation, wo sie Verbindungen sieht. Beispielsweise über rechtsextreme Netzwerke wie das inzwischen verbotene "Blood and Honour", außerdem über persönliche Bekanntschaften, aber auch über Spenden - etwa 2002 vom NSU an das rechtsextreme Magazin "Weißer Wolf" aus Neustrelitz. Umgekehrt soll es nach Aussage eines unbekannten V-Mannes auch eine Spendenübergabe an den NSU gegeben haben.

NSU schon seit Anfang der 90er Jahre in MV

Es gebe eine "hohe Kontinuität" der Verbindungen des NSU-Kerntrios nach Mecklenburg-Vorpommern schon seit Anfang der 1990er Jahre, sagte König-Preuss. Dazu gehörten Campingurlaube in Krakow und Besuche in Rostock. Es stelle sich die Frage nach dem Netzwerk, den Unterstützern sowie der Opfer- und Tatortauswahl. Hier gebe es möglicherweise Versäumnisse der Ermittlungsbehörden.

Ausschuss bereitet sich auf weitere Aussagen vor

Nach der Anhörung zog die Ausschussvorsitzende Ann Christin von Allwörden (CDU) ein positives Fazit. Sie will nun mit dem Ausschuss zügig weitere Zeugenaussagen und Anhörungen vorbereiten. Der Obmann der Linken, Peter Ritter, erklärte, die Anhörung der beiden Thüringer Politikerinnen hätte deutlich gemacht, wie dringend die Aufklärungsarbeit in Mecklenburg-Vorpommern sei. Die Obfrau der SPD, Susann Wippermann, erklärte, das Wissen der Thüringer Kolleginnen zum NSU-Komplex sei beeindruckend. Die Arbeit könne nur gelingen, wenn sich die Behörden kooperativ zeigten. Der Ausschuss tagt das nächste Mal Ende Februar.

Ministeriumsbericht sieht keine Verflechtungen

Pünktlich zur ersten öffentlichen Anhörung des Untersuchungsausschusses hat Mecklenburg-Vorpommerns Innenministerium am Freitag einen Bericht zu den NSU-Ermittlungen im Nordosten vorgelegt. Demnach habe die Sicherheitsbehörden keine Erkenntnisse über "personelle oder organisatorische Verflechtungen" des Nationalsozialistischen Untergrunds mit rechtsextremen Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern.

Mord in Rostock und Überfälle in Stralsund

Der NSU-Ausschuss war im Mai 2018 eingerichtet worden. Er soll unter anderem die Gewalttaten und die Vernetzung der Terrorgruppe in der rechtsextremen Szene auch in Mecklenburg-Vorpommern untersuchen. Dem NSU werden zehn meist rassistisch motivierte Morde zugerechnet. Zu den Opfern zählt Mehmet Turgut, der 2004 an einem Imbissstand in Rostock erschossen wurde. Auch zwei Banküberfälle 2006 und 2007 in Stralsund sollen auf das Konto des NSU gehen.

Weitere Informationen

NSU: Obleute der Linken treffen sich in Schwerin

Obleute der Linksfraktionen verschiedener Bundesländer haben in Schwerin über die Arbeit der NSU-Untersuchungsausschüsse beraten. Nicht alle haben die gleichen Bedingungen. (10.09.2018) mehr

NSU-Untersuchungsausschuss hat sich konstituiert

Im Landtag in Schwerin hat sich der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der NSU-Taten in MV konstituiert. Das Gremium soll auch mögliche Unterstützer-Strukturen untersuchen. (24.05.2018) mehr

Link

Der Terror des Nationalsozialistischen Untergrunds

Seit 2013 werden die Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in München gerichtlich aufgearbeitet. Ein ARD.de-Spezial gibt einen Überblick über die mutmaßlichen Täter und ihre Opfer. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.01.2019 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

04:48
Nordmagazin
05:03
Nordmagazin

Umfrage: Schwesig verliert leicht an Zuspruch

17.01.2019 19:30 Uhr
Nordmagazin
01:39
Nordmagazin