Stand: 23.10.2019 18:42 Uhr

Tierquälerei: Schweinezucht-Verband schockiert

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Die ARD-Sendung Report Mainz hatte über Tierquälerei in einem Schweinemastbetrieb in MV berichtet. (Archivbild)

Der Hybridschweinezuchtverband Nord/Ost hat schockiert auf die Vorfälle in einem Mastbetrieb in Vielank (Landkreis Ludwigslust-Parchim) reagiert. Die Filmaufnahmen der Tierschutzorganisation "Animal Rights Watch" zeigen, wie ein krankes Schwein fast eine halbe Stunde lang gequält wurde. Es seien erschreckende Bilder, so die Geschäftsführerin des Hybridschweinezuchtverbandes Renate Schuster im Gespräch mit NDR 1 Radio. Sie kenne den Betrieb seit Jahren, habe die Mitarbeiter als zuverlässig und verantwortungsbewusst wahrgenommen.

Überwachung künftig per Video?

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) zeigte sich am Mittwoch empört. Es sei traurig, dass einige schwarze Schafe den Ruf der Landwirtschaft in Misskredit bringen, so Backhaus. Hinzu komme das Tierleiden. Er werde solche Missstände im Land nicht dulden. Zugleich unterstützt Backhaus die Forderung, Nottötungen von Schweinen per Video zu überwachen. Der Landwirtschaftsminister machte zudem darauf aufmerksam, dass der beschuldigte Betrieb gegen weitere tierschutzrechtliche Anforderungen verstoßen habe. Dies hätten Kontrollen des zuständigen Veterinäramtes ergeben. So seien beispielsweise die Kastenstände zu klein. Dem beschuldigten Betrieb wurden Auflagen erteilt. Backhaus betonte, sein Ministerium werde überprüfen, ob diese auch eingehalten werden.

Beschuldigter Mitarbeiter bereits entlassen

Der zuständige Betriebsleiter zog bereits Konsequenzen. Er hat dem beschuldigten Mitarbeiter fristlos gekündigt. Dieser habe im Gespräch mit ihm zugegeben, das Tier unsachgemäß getötet zu haben. Der Betrieb hatte bereits Anfang Oktober Anzeige gegen "Animal Rights Watch" wegen Hausfriedensbruch gestellt. Laut Vorschrift müssen unheilbar kranke Schweine mit einem Bolzenschuss betäubt und direkt im Anschluss entblutet werden. So ist es für Nottötungen vorgeschrieben. Der zuständige Amtstierarzt des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Olav Henschel, hat als Reaktion auf die Filmaufnahmen Anzeige erstattet. Das Schwein habe unnötig und lange gelitten. Dies verstoße eindeutig gegen das Tierschutzgesetz.

Landkreis hat Anzeige erstattet

Der Landkreis reagiert damit auf einen Fernsehbericht der ARD-Sendung Report Mainz. Darin waren Filmaufnahmen der Tierschutzorganisation Animal Rights Watch zu sehen, die den Verdacht der Tierquälerei untermauern. Die Aufnahmen zeigen, wie ein Mitarbeiter des Betriebs mit einem Holzknüppel mehrmals auf den Kopf eines kranken Schweines schlägt. Schließlich will er das Tier mit einem Bolzenschussgerät töten. Doch das Tier windet sich noch lange, erst nach rund einer halben Stunde ist es tot.

Amtsveterinär sieht Rechtsverstoß

Nach Ansicht des zuständigen Amtsveterinärs Henschel ist diese Vorgehensweise ein Verstoß gegen geltendes Recht. Nach der Betäubung mit einem Bolzenschussgerät muss das Tier normalerweise mit einem Schnitt durch die Halsschlagader getötet werden. Wird dies unterlassen, wacht das Schwein wieder aus der Betäubung auf und erleidet grausame Schmerzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 23.10.2019 | 20:00 Uhr

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