Testpflicht: Alten- und Pflegeheime reaktivieren "helfende Hände"

Stand: 16.11.2021 13:22 Uhr

Seit vergangenen Donnerstag müssen sich alle Besucher von Alten- und Pflegeheimen in Mecklenburg-Vorpommern testen lassen - egal ob geimpft oder nicht. Diese Testpflicht wird von den Heimen ganz unterschiedlich umgesetzt. Auch freiwillige Helfer spielen dabei eine Rolle.

von Konrad Buchwald, NDR 1 Radio MV

"Die Situation, die wir vor einem Jahr hatten, als Pflegebedürftige monatelang keinen Besuch empfangen durften, darf sich nicht wiederholen", sagt Rainer Boldt, der Vorsitzende des Sozialverbandes VdK Mecklenburg-Vorpommern. "Das war unwürdig." Und deswegen wird in den Alten- und Pflegeheimen im Land wieder getestet. Allerdings bedeutet das Testen eine zusätzliche Belastung für das Personal. Denn wer Besucher testen muss, kann sich nicht um die Bewohner kümmern.

Verschiedene Lösungsansätze

Deswegen kommt es den Einrichtungen sehr entgegen, dass Corona-Schnelltests jetzt wieder kostenlos sind und dass viele Testzentren reaktiviert werden. Die Heime müssen aber auch vor Ort Tests anbieten und dabei gehen sie ganz unterschiedlich vor, wie eine Recherche des NDR in Neubrandenburg ergeben hat. Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) testet das Personal selbst. Mit den Besuchern wurden bestimmte Zeiten ausgemacht, in denen ein Mitarbeiter dafür bereitsteht. Die Besuchszeiten bleiben dort aber unverändert. Bei der Diakonie wurden vorübergehend die Besuchszeiten eingeschränkt - auf zwei Stunden am Vormittag und zwei Stunden am Nachmittag. In der Zeit stehen auch Mitarbeiter zum Testen bereit. In den kommenden Tagen sollen aber "helfende Hände" das Heim unterstützen.

Freiwillige Helfer aus dem Frühjahr werden reaktiviert

Als im Lockdown viele Menschen keine Arbeit oder nur Kurzarbeit hatten, hat der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte viele von ihnen zu Hilfspflegern ausgebildet, die die Arbeit in den Heimen unterstützt haben. In erster Linie wurden sie für das Testen eingesetzt. So auch Merry Lichtwald. Die Verkäuferin hatte sich im April auf die Stelle im katholischen Alten- und Pflegeheim "Schwester Elisabeth Rivet" beworben. "Ich habe einen Lehrgang beim DRK gemacht und teste seitdem Bewohner, Besucher und Mitarbeiter im Heim." Erst ehrenamtlich, seit dem Sommer ist sie auf 450-Euro-Basis eingestellt.

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Auch das Land aktiviert mobile Teams

Von "helfenden Händen" spricht auch das Sozialministerium. Das Projekt wurde im Januar vom Ministerium initiiert, erklärt dessen Sprecher Alexander Kujat. Dabei handelt es sich um Mitarbeitende anerkannter Hilfsorganisationen und weiterer Einrichtungen, die also über entsprechende Erfahrungen verfügen. Die Johanniter-Unfallhilfe organisiert mobile Teams und ihre Einsatzzeiten und schickt sie in die Heime. Auch Unterstützung durch die Bundeswehr sei denkbar, so Kujtat. Allerdings sei die vor allem für Impfungen und Kontaktnachverfolgungen angefragt.

Besucher sind verständnisvoll

Für die Besucher und vor allem die Bewohner ist vor allem wichtig, dass Besuche weiterhin möglich sind. Dass die Angehörigen geschützt werden müssen, verstehen alle und die meisten lassen sich gerne testen. "Das ist ein ganz kleiner Dienst, den wir immer noch gut leisten können, ohne uns da schwer zu tun", sagt Hartmut Kohl. Der Neubrandenburger besucht seine Schwiegermutter im Alten- und Pflegeheim "Schwester Elisabeth Rivet". Die 87-Jährige ist dement und hat Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden. Aber einen Satz sagt sie klar und deutlich: "Der Besuch ist wirklich wichtig, ansonsten kann ich hier gar nicht existieren."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 16.11.2021 | 19:30 Uhr

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