Superwahljahr 2021: Pandemie wirbelt Parteien-Zeitplan durcheinander

Stand: 24.01.2021 16:03 Uhr

Der Countdown läuft: Am 26. September ist Wahltag in Mecklenburg-Vorpommern. Dann können voraussichtlich 1,3 Millionen Wahlberechtigte entscheiden: über den Landtag und den Bundestag. Doch die Corona-Pandemie macht auch vor dem Politikbetrieb nicht halt. Im Superwahljahr 2021 liegen viele Parteien nicht in dem Zeitplan, mit dem sie in diesem wichtigen Jahr eigentlich durchstarten wollten.

So mussten Parteitage oder auch kleinere Treffen von Kreisverbänden aufgrund der Kontaktbeschränkungen ausfallen oder verschoben werden. Die AfD beispielsweise war im November gezwungen, ihren Parteitag abzusagen. Zuletzt traf es die CDU: Durch den verlängerten und verschärften Lockdown rückte ihr für Ende Januar geplanter Parteitag in weite Ferne. Die Linke plant ihren Listenparteitag nun für den 6. März. Aber auch der musste wegen der Corona-Pandemie bereits zweimal verschoben werden. Das kennen auch die Liberalen: Die Landes-FDP musste ihre geplanten Termine ebenfalls zweimal wieder absagen. Eine Liste für die Landtagswahl haben bislang deshalb nur die Grünen aufgestellt. Sie schafften es, noch ganz knapp vor dem November-Lockdown zusammenzukommen und ihr Spitzenteam Anne Shepley und Harald Terpe zu wählen.

Spannende Duelle um Direktmandate

Bei SPD und CDU stehen immerhin fast alle Direktkandidaten in den 36 Wahlkreisen fest. Die Sozialdemokraten haben ihr selbsternanntes "MV-Team" zur Landtagswahl bereits im August und September bestimmt. Auch die Christdemokraten sind damit fast am Ziel: Ihnen fehlen nur noch zwei Kandidaten in Rostock und Wismar. Die Nominierungen versprechen spannende Duelle um die Direktmandate im Land: Besonders in Vorpommern sind einige Wahlkreise hart umkämpft. Hier treten etwa in Greifswald der CDU-Landesvorsitzende Michael Sack und Verkehrsminister Christian Pegel von der SPD gegeneinander an. 

AfD will Direktmandate in Vorpommern holen

Außerdem will die AfD im Osten des Landes wieder ihre Direktmandate holen: Gegen Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) geht im Wahlkreis 35 etwa AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer ins Rennen. Im Wahlkreis 30, der Wolgast und Usedom umfasst, tritt außerdem der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Ralph Weber, erneut an. Für die CDU will dort Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler das Landtagsmandat gewinnen. 

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Die Generation Ü60 breit vertreten

Ein Blick auf die Gesamtheit der Direktkandidaten von SPD und CDU zeigt aber auch: Beide Parteien haben nur wenige Überraschungskandidaten nominiert. Viele Landtagsabgeordnete bewerben sich erneut. Zwar konnten sich vereinzelt jüngere Mitglieder mit Mitte 20 oder Anfang 30 durchsetzen. Deutlich mehr Direktkandidaten sind aber über 60. Das Durchschnittsalter der Direktkandidaten liegt in beiden Parteien bei knapp 49 Jahren. Außerdem kämpfen sowohl in der SPD als auch in der CDU mehr Männer als Frauen um den direkten Einzug ins Parlament: Weibliche Kandidatinnen kommen in beiden Parteien nur auf etwa ein Drittel der jeweils 36 Plätze.

Schwesig und Sack gehen als Spitzenkandidaten ins Rennen

Als Spitzenkandidaten - soviel steht immerhin fest - wollen Manuela Schwesig und Michael Sack ins Rennen für ihre Parteien gehen. In Sachen Beliebtheit schlägt die Amtsinhaberin ihren Herausforderer derzeit noch um Längen: Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der "Ostsee-Zeitung" zeigte zuletzt, dass 68 Prozent der Menschen in Mecklenburg Vorpommern mit Schwesigs Arbeit zufrieden sind. Über Sack, den Landrat in Vorpommern-Greifswald, sagten das nur 17 Prozent. Die große Mehrheit der Befragten hatte zu Sack allerdings noch keine Meinung - auch weil sie ihn nicht kannten.

Amtsinhaber-Bonus und positiver Bundestrend

Dieser Amtsinhaber-Bonus dürfte sich in der Corona-Pandemie, in der die Regierungschefin dauerpräsent ist, nicht abschwächen. Dem mutmaßlichen CDU-Herausforderer dagegen könnte der starke Bundestrend seiner Partei noch in die Karten spielen. Die Zustimmungswerte der Christdemokraten sind hierzulande im Moment mehr als doppelt so hoch wie die der Sozialdemokraten. Vor beiden liegen allerdings noch 245 Tage bis zum Wahlsonntag - und das mitten in einer Pandemie.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.01.2021 | 19:30 Uhr

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