Blick auf das Sperrwerk am Ryck in Greifswald-Wieck im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Wegen der Sturmflut ist das Sperrwerk geschlossen worden © dpa Zentralbild Foto: Stefan Sauer

Sturmflut bringt fünf Meter hohe Wellen

Stand: 15.10.2020 08:11 Uhr

Eine Sturmflut hat die Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns getroffen. Auf der Ostsee tosten fünf Meter hohe Wellen. Die Pegelstände stiegen an manchen Orten auf knapp 1,40 Meter.

In Vorpommern fegten am Mittwoch Sturmböen mit bis zu 90 km/h über das Land. Die Rettungsleitstellen mussten sich um mehr als 80 umgestürzte Bäume kümmern. Mehrere Straßen mussten gesperrt werden. In Stralsund musste ein Hotel schließen, weil das Wasser knöchelhoch vor dem Gebäude stand. Bei Anklam fiel ein Baum auf eine Stromleitung. In mehreren Dörfern fiel der Strom aus. Verletzte gab es nicht. Wegen steigender Wasserstände in den Küstengewässern löste der Landkreis Vorpommern-Greifswald die Alarmstufe 2 aus. Bei der zweiten von vier Alarmstufen sollen die Deiche auf eventuelle Schäden kontrolliert und wenn nötig mit Sandsäcken abgedichtet werden. In Greifswald, wo ein Pegelstand von 1,35 Metern über Normal erreicht wurde, wurde vorsorglich das Sperrwerk geschlossen.

Usedom: Böe mit 122 Stundenkilometern - Fünf Meter hohe Wellen

In Stralsund lag der Pegelstand bei ungefähr 1,20 Meter über Normal. In Zempin, an der der schmalsten Stelle Usedoms, wurden Teile der Düne von der Flut weggerissen. Im nahen Karlshagen wurde am Mittag eine Orkanböe mit einer Windgeschwindigkeit von 122 km/h gemessen. "Wir haben Wellenhöhen auf der Ostsee von um die fünf Meter. Die Kite-Surfer in Mukran haben richtig Spaß", sagte der Meteorologe Stefan Kreibohm aus dem NDR Wetterstudio auf Hiddensee.

In Wismar ertönten die Sirenen wegen Hochwassers im Hafenbereich, wie ein Sprecher der Hansestadt sagte. Am Abend wurde ein Pegelstand von knapp über 1,40 Meter erreicht. Eine Straße sei wegen Überflutung gesperrt worden. Die Feuerwehr stellte Sandsäcke zur Verfügung. Aus der Nacht aber meldete die Leitstelle in Westmecklenburg keine besonderen Einsätze.

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In Sellin auf Rügen ist die Seebrücke von sturmumtoster See umgeben. © TelenewsNetwork Foto: TelenewsNetwork
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Touristen knipsen eifrig - Strände auf Rügen überspült

Die Stadt Stralsund forderte Autofahrer auf, ihre Autos aus dem Hafenbereich zu entfernen. Zur Not würden die Autos abgeschleppt werden - zum Eigenschutz der Autos und um Umweltverschmutzungen zu vermeiden. Hausbesitzer in Hafennähe sicherten ihre Häuser. In den Küstenorten genossen Touristen das Schauspiel der stürmischen Ostsee. So war in Göhren auf Rügen schon am Vormittag der Strand fast ganz überspült. Vor dem Ozeaneum auf der Stralsunder Hafeninsel bildeten sich trotz des nassen Wetters lange Schlangen. Viele Touristen fotografierten die meterhohen Wellen an der Mole.

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Das Hochwasser hat die Seebrücke in Koserow demoliert. © Susann Bruhn Foto: Susann Bruhn

Pegelstände an der Ostseeküste vom BSH

Pegelstände an der Ostseeküste vom Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie. extern

Letzte Sturmflut im März

Als "Sturmflut" - auch der Begriff Sturmhochwasser ist an der Ostsee geläufig - gilt ein Wasserstand von 1,00 bis 1,25 Meter über mittlerem Wasserstand, als "mittlere Sturmflut" 1,25 bis 1,50 Meter, als "schwere Sturmflut" 1,50 bis 2,00 Meter und als "sehr schwere Sturmflut" mehr als 2,00 Meter über mittlerem Wasserstand.

Zuletzt gab es an der deutschen Ostsee Ende März eine Sturmflut, in Lübeck mit 1,57 Meter über dem mittleren Wasserstand. Damals trat das Wasser nach Polizeiangaben teilweise über die Ufer und überschwemmte Straßen. In Greifswald waren es 1,31 Meter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.10.2020 | 06:00 Uhr

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