Stand: 22.10.2018 10:53 Uhr

Studie: Fischer missachten Beifangverbot

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Viele Fische, die nicht gefangen werden sollen, verletzen sich in herkömmlichen Netzen und sterben.

Die meisten Fischer in Nord- und Ostsee halten sich nicht an das Rückwurfverbot von Beifang. Das ist das Ergebnis einer Studie des Internationalen Rates für Meeresforschung. Der Deutsche Fischerei-Verband weist den Vorwurf zurück: "Wir gehen davon aus, dass sich Fischer an Recht und Gesetz halten. Wenn selektive Netze funktionieren, werden sie auch eingesetzt", sagte der Medienreferent des Verbandes in Hamburg, Claus Ubl.

Fischer geben deutlich weniger Beifang an, als statistisch berechnet

Mit dem seit 2015 geltenden Rückwurfverbot für Beifang sollten Fischer animiert werden, mit diesen selektiven Netzen zu fangen. Das Ziel: Nur Fische zu fangen, die auch gewünscht sind. Mit normalen Netzen würden sich viele Fische, die nicht gefangen werden sollen, verletzten und nach dem Rückwurf ins Meer sterben. Die Daten des Internationalen Rates für Meeresforschung besagen, dass im vergangenen Jahr die Beifangrate beim Dorschfang in der östlichen Ostsee 11,2 Prozent betrug. Die Logbucheinträge der Fischer weisen deutlich geringere Prozentzahlen auf.

Keine Kontrollen, keine Sanktionen

Der Direktor des Thünen Instituts für Ostseefischerei in Rostock, Christopher Zimmermann, sagte, es fehlten Kontrollmechanismen, die Sanktionen gegen Fischer erlauben, die gegen das Rückwurfverbot verstoßen. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hat von deutscher Seite bislang keine Verstöße festgestellt. Zwei Verfahren würden geprüft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.10.2018 | 11:00 Uhr

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