Sonnenuntergang in der Wismarbucht. © NDR Foto: Helmut Kuzina aus Wismar

Streit um den Naturschutz in der Wismarbucht

Stand: 29.07.2021 06:02 Uhr

So ein bisschen Schwimmen, das war gestern! Segler und Surfer schätzen die Reviere hier, nun finden auch noch immer mehr Kitesurfer und Stand Up Paddler die nordostdeutschen Küsten interessant. Unter anderem die Wismarbucht – ein durchaus fragiles Ökosystem.

von Ullrich Lars Houschka

Seltene Vögel und Pflanzen in Gefahr

Austernfischer, Sandregenpfeifer und Zwergseeschwalben, seltene und gefährdete Vögel, leben und brüten an der Bucht. Auch die im Wasser wachsenden Seegrasfelder sind wichtig für das Ökosystem und die Umwelt. Boote, Kitesurfer, Stand Up Paddler, aber auch Badende beschädigen das Seegras und gefährden die Vögel. Die Eier des Sandregenpfeiffers, zum Beispiel, sind im Sand so gut getarnt, dass man sie nicht sieht und einfach darauf tritt. "Schluss damit!", fordert der BUND. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland verlangt einen besseren Schutz der sensiblen Gebiete und hat deshalb Beschwerde gegen das Land bei der EU eingereicht.

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Folge 41 - Die Wismarbucht: Der Streit um den Naturschutz

Wie können in der Wismarbucht Freizeitsport und Naturschutz unter einen Hut gebracht werden. Reicht Freiwilligkeit- oder braucht es mehr Information oder gar Regeln? 23 Min

Immer mehr Verstöße

Bucht-Ranger und Ornithologen haben im vergangenen Jahr, nach dem Lockdown, rund 140 Störungen und Verstöße gegen den Vogelschutz registriert. Doppelt so viele wie im Vorjahr, erzählt Corinna Cwielag, Geschäftsführerin des BUND in Mecklenburg-Vorpommern. Auf dem Kieler Ort, einem ökologisch sehr sensiblen Sandhaken an der Halbinsel Wustrow, habe sogar jemand sein Zelt aufgeschlagen.

Was ist erlaubt, was verpönt und was verboten?

Eigentlich dürfen die Wassersportler in der ganzen Wismarbucht fahren wo sie wollen, mit einigen Ausnahmen in und um Naturschutzgebiete. Es gibt auf dem Wasser aber keine größeren streng geschützten Gebiete, in denen dann auch gesetzlich geregelt wird, wo und wann gesegelt, gesurft und gekitet werden darf. Vor allem, wo diese Regeln auch durchgesetzt werden können und bei Verstößen auch Strafen drohen. Dafür gibt es eine Freiwillige Vereinbarung. Die gilt schon seit rund 15 Jahren. Darin verpflichten sich die Wassersportler nur bestimmte Bereiche zu nutzen und einen Großteil der Fläche der Wismarbucht nicht zu befahren.

Wenig Regeln, wenig Wissen, wenig Hinweise

Einheimische Wassersportler kennen die Vereinbarung und halten sich auch daran, sagt Olaf Kriete vom Wismarer Surfverein. Das Problem seien oft Wassersportler von außerhalb, die vieles einfach nicht wissen. Gerade im Sommer kommen sie an die Strände und werden nicht besonders gut informiert. Eigentlich müssten an jedem Strand, jeder Einstiegstelle, jedem Hafen große, gut sichtbare Schilder mit Karten hängen, wo man fahren darf und wo nicht. "Tun sie aber nicht.", sagt Astrid Appel, Touristenführerin in der Wohlenberger Wiek. Woher also sollen Gäste wissen, was erlaubt ist. Es gibt wohl in einigen Häfen solche Plakate, aber, bemängelt sie, diese sind oft kaum zu sehen.

Mehr Information, mehr Sensibilisierung

Die perfekte Lösung für das Problem ist nicht in Sicht, zumindest nicht in absehbarer Zeit. Aus Sicht aller Beteiligten wären aber schon mehr Aufklärung und Information über die empfindlichen Bereiche in der Wismarbucht ein großer Schritt. Der BUND wünscht sich vom Land Aufklärungs-Kampagnen.

Wem gehört die Wismarbucht? Wie können Naturerlebnis, Freizeitsport und Naturschutz unter einen Hut gebracht werden? Der neue NDR MV Podcast Dorf Stadt Kreis.

Dieses Thema im Programm:

Dorf Stadt Kreis – starke Geschichten aus dem Norden | 29.07.2021 | 15:00 Uhr

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