Stand: 12.06.2020 15:28 Uhr

Stavenhagens Stadtvertreter wollen keine Klärschlamm - Verbrennungsanlage

Die Müll- und Klärschlamm-Verbrennungsanlage in Stavenhagen. © NDR
Bisher werden Teile des Klärschlammes in der Müllverbrennungsanlage in Stavenhagen verbrannt, jetzt ist eine spezielle Anlage geplant.

Die Stadtvertretung Stavenhagen hat den Bau einer Klärschlamm-Verbrennungsanlage abgelehnt. Mit drei Ja-Stimmen und zehn Nein-Stimmen verweigerten sie das städtische Einvernehmen. Das Votum der Stadtvertreter ist für den Bau aber nicht maßgebend. Die Entscheidung trifft das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu), dort läuft derzeit ein Genehmigungsverfahren.

Stadtvertreter befürchten zu viele Lkw

Grund für das Votum ist die Befürchtung der Stadtvertreter, dass zu viele Lkw durch Stavenhagen fahren werden. Denn es gibt dort schon mehrere große Firmen, die alle auf Lkw-Transporte angewiesen sind. Und: Der Bund will vor dem Jahr 2030 keine Umgehungsstraße bauen. Zum anderen haben die Stadtvertreter vor einem Jahr dafür gestimmt, dass der Klärschlamm aus Stavenhagen in Rostock verbrannt werden soll. Dort will die kommunale Klärschlamm-Kooperation MV ebenfalls eine Verbrennungsanlage bauen. Die Firma EEW (Energy from Waste) aus Niedersachsen hält jedoch am Bau der Verbrennungslanlage in Stavenhagen fest. Im Herbst soll es dazu eine Anhörung beim Stalu geben.

Austritt aus Klärschlamm-Kooperation?

Bürgermeister Stefan Guzu (parteilos) wurde zugleich beauftragt, den Austritt des Wasser-Zweckverbandes Malchin/Stavenhagen aus der Klärschlamm-Kooperation Mecklenburg Vorpommern zu prüfen. Dann müsste der Klärschlamm aus Stavenhagen nicht mehr nach Rostock gefahren werden, um dort verbrannt zu werden, während Klärschlämme, die größtenteils nicht aus Mecklenburg-Vorpommern kommen, nach Stavenhagen transportiert würden.

Anlage soll laut EEW 2022 in Betrieb gehen

In der geplanten Klärschlamm-Verbrennungsanlage sollen bis zu 160.000 Tonnen Klärschlamm getrocknet und anschließend verbrannt werden. Das Werk soll laut EEW möglichst im Jahr 2022 in Betrieb gehen. Aus der entstandenen Asche wird später, wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben, der wichtige Rohstoff Phosphor zurückgewonnen.

Bau könnte Heizkosten senken

Für den Bau der Klärschlamm-Verbrennungs-Anlage sprechen unter anderem höhere Steuereinnahmen für Stavenhagen. Die Stadt könnte auch von der Wärmegewinnung profitieren, mit ihr ließen sich offenbar etwa 90 Prozent aller Wohnungen der Kleinstadt heizen. Für Stadtpräsident Salewski ist dieser Aspekt auch eine Frage des Klimaschutzes: "Wir hoffen, dass wir eine Wärmeversorgung bekommen, die ausschließlich aus der Stadt gewonnen wird, kostengünstig und vor allem mit stabilen Preisen, die unter den anderen Anbietern liegen."

Weitere Informationen
Das Modell einer Klärschlamm-Verbrennungsanlage der Firma EEW (Energy from Waste). © NDR

Klärschlamm-Verbrennungsanlage in Stavenhagen?

Die Stadtvertreter von Stavenhagen beraten morgen darüber, ob eine Klärschlamm-Verbrennungs-Anlage in der Kleinstadt gebaut werden soll. Die Firma Energy from Waste (EEW) plant das Vorhaben. mehr

Klärschlamm © NDR Foto: Screenshot

Stavenhagen: Pläne für Verbrennungsanlage einsehbar

Das Energieunternehmen EEW will in Stavenhagen eine Verbrennungsanlage für Klärschlamm bauen. Die Genehmigungsunterlagen werden im Internet veröffentlicht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.06.2020 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Mitarbeiter eines Schlachthofs arbeiten an einem Fließband.  Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Grimmen: 57 Corona-Infektionen in Fleischverarbeitung

Der Landrat des Kreises Vorpommern-Rügen hat für die gesamte Belegschaft des Betriebes Quarantäne angeordnet. mehr

Am Eingang eines Geschäfts wird auf das Tragen eines Mundschutzes verwiesen. © dpa-Bildfunk Foto: Friso Gentsch

Corona in MV: Viele Landkreise lassen Vorsicht walten

Die Zahl der Corona-Infektionen in allen Landkreisen steigt. Das öffentliche Leben in MV wird weiter eingeschränkt. mehr

Touristen am Strand des Seebades Lubmin © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Minister: Urlauber müssen nicht abreisen

Bereits nach MV angereiste Urlauber müssen trotz der strengeren Corona-Regeln nicht vorzeitig die Koffer packen. mehr

Grafik mit der aktuellen "Corona-Ampel" für Mecklenburg-Vorpommern. © NDR

Corona in MV: 132 neue Infektionen, 2.618 insgesamt

Die meisten Neuinfektionen gibt es in Ludwigslust-Parchim. Der Landkreis gilt nun auch als Risikogebiet. mehr