Stand: 20.07.2018 12:03 Uhr

Sparpläne: Ist die Landapotheke in Gefahr?

von Louisa Maria Giersberg, NDR 1 Radio MV

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Nicht mit den teuren verschreibungspflichtigen Medikamenten, sondern mit "den ganz normalen Blutdrucksenkern" verdiene eine Apotheke ihren Unterhalt, so Pudimat.

Der Apothekerverband Mecklenburg-Vorpommern wirft den Gesetzlichen Krankenkassen vor, auf Kosten der Versicherten zu sparen und die flächendeckende Arzneimittelversorgung aufgeben zu wollen. Der GKV-Spitzenverband hat vor kurzem ein Positionspapier vorgelegt, das großes Sparpotential bei den Apotheken sieht. So gebe es die Möglichkeit, eine Milliarde Euro einzusparen. Die Honorare sollen umgestellt und teilweise gesenkt werden. Auch die Konkurrenz durch den Versandhandel könnte zu Preissenkungen führen. Immerhin betrugen im Jahr 2017 die Ausgaben der GKV für den Bereich Arzneimittel 37,7 Milliarden Euro, was einem Anteil von 17,31 Prozent an den gesamten Leistungsausgaben der GKV entspricht.

Rezepte als Haupteinnahmequelle

Apotheken verdienen ihr Geld zu mehr als 80 Prozent mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Die Apotheke lebe von der Versorgung der Bevölkerung mit rezeptpflichtigen Medikamenten, erklärt Axel Pudimat, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes MV. Nicht unbedingt mit den teuren, sondern mit den ganz normalen Blutdrucksenkern oder Antibiotika. Für diese Medikamente gibt es einen Fixzuschlag in Höhe von 8,35 Euro. Davon wird wiederum ein Kassenrabatt abgezogen. Dazu kommen drei Prozent des Herstellerabgabepreises.

An einem Asthmaspray, das 75 Euro kostet, verdient der Apotheker 8,50 Euro. An einem Krebsmedikament, das mehr als 10.000 Euro kostet, verdient der Apotheker 250 Euro. Trotzdem seien die Fixkosten hoch. Der Laden, die Angestellten müssten bezahlt werden, so Pudimat. Und mit dem Verkauf von Nasentropfen und Halstabletten lasse sich der Fachmann, der die richtige Einnahme von Medikamenten erklärt und der Medikamente selbst herstellen kann, nicht bezahlen.

Sonnencreme statt Antibiotikum?

Genau dies ist aber einer der Vorschläge der Krankenkassen. Sie wollen die feste Pauschale kippen, obwohl diese erst 2004 eingeführt wurde. Und auch die Honorare für hergestellte Medikamente sollen überprüft werden. Die Apotheken könnten Verluste durch den Verkauf von rezeptfreien Mitteln oder Kosmetik ausgleichen, ist der Vorschlag der Krankenkassen. Hier warnt der Landesapothekerverband: Die meisten Apotheken in MV seien Landapotheken, sie hätten keine Laufkundschaft und auch überwiegend Patienten, die nicht das nötige Kleingeld für teure Beauty- oder Lifestyle-Produkte hätten. Diese Apotheken seien auf Rezepte angewiesen. Sollte hier gekürzt werden, könnten kleine Apotheken auf dem Land in Gefahr geraten, warnt Pudimat.

Beratung ist wichtig

Der GKV-Spitzenverband argumentiert damit, dass es in Deutschland mehr Apotheken pro Kopf gebe als in anderen Ländern und die Apothekenlandschaft stabil sei - von einem Apothekensterben könne keine Rede sein. Apotheken müssten sich aber wieder auf ihr Kerngeschäft - die Patientenberatung bei der Abgabe von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln - konzentrieren. Und der Versandhandel könne gerade in ländlichen Regionen helfen, die Versorgung zu verbessern. Der Apothekerverband widerspricht: Der Versandhandel biete weder Notdienste, noch individuell angefertigte Rezepturen, noch eine persönliche Beratung oder menschlichen Kontakt. Oft seien die Apotheken der letzte Laden im Ort und das sei wichtig für das Flächenland MV, sagt Pudimat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.07.2018 | 16:10 Uhr

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