Stand: 09.05.2018 07:28 Uhr

Sozialverbände setzen verstärkt auf Transparenz

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Transparenz sei ein wichtiger Schlüssel für Vertrauen, sagte Friedrich Wilhelm Bluschke, der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands.

Die von Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) erhobene Forderung nach mehr Transparenz bei den Sozialverbänden in Mecklenburg-Vorpommern zeigt offenbar Wirkung. Nach der Caritas in Vorpommern hat sich jetzt auch der Paritätische Wohlfahrtsverband zu mehr Offenheit in Finanzfragen verpflichtet. "Transparenz ist uns wichtig, denn sie ist ein wichtiger Schlüssel für Vertrauen", sagte der Vorsitzende des Paritätischen in Mecklenburg-Vorpommern, Friedrich Wilhelm Bluschke. Was der Wohlfahrtsverband in seiner sozialen Arbeit leiste, sei für viele Menschen nicht auf Anhieb sichtbar.

Transparenz über das Gesetz hinaus

Mit dem Beitritt zur "Initiative transparente Zivilgesellschaft" verpflichte sich der Paritätische, mehr Informationen zu veröffentlichen als vom Gesetzgeber verlangt. Es geht unter anderem um die Herkunft der Mittel und die Frage, wofür sie ausgegeben werden. Sozialministerin Drese begrüßte den Schritt des Paritätischen. Wer für das Gemeinwohl tätig werde, müsse über seine finanziellen Mittel Auskunft geben, so die SPD-Politikerin auf Anfrage von NDR 1 Radio MV. Auch weitere Verbände würden ähnliche Schritte erwägen, so die Ministerin. Nach NDR Informationen wird der DRK-Landesverband der Transparenz-Initiative demnächst beitreten.

AWO wählt neuen Landesvorsitzenden

Die wegen eines zweifelhaften Finanzgebarens im Kreisverband Müritz in die Schlagzeilen geratene AWO will Mitte Juni entscheiden. Landesgeschäftsführer Bernd Tünker sagte, er werde dem Vorstand einen Beitritt empfehlen. Am 16. Juni wählt die AWO in Rostock einen neuen Landesvorsitzenden. Der bisherige Verbandschef, der Ex-SPD-Landtagsabgeordnete Rudolf Borchert, ist aus gesundheitlichen Gründen bereits im vergangenen November ausgeschieden. Als Nachfolgekandidat gilt sein bisheriger Stellvertreter, der Hagenower Rechtsanwalt Uwe Kunik.

Eigenständige Kreisverbände nicht verpflichtet

Die neuen Transparenzregeln sind in der Branche nicht unumstrittenen. Ein Vorwurf: die Angaben würden ohnehin das umfassen, was beispielsweise in Geschäftsberichten stehe und gingen damit über die Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen nicht hinaus. Problematisch ist außerdem, dass die vielen Kreisverbände von DRK oder AWO wirtschaftlich eigenständig sind und dem Transparenzverpflichtungen eines Landesverbandes nicht unterworfen wären.

3,9 Millionen aus Landesmitteln

Laut Sozialministerium bekommen die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in diesem Jahr rund 3,9 Millionen Euro direkte Landeshilfen unter anderem für allgemeine soziale Beratung und Beratung für Behinderte. Rund eine Million Euro dieser Summe gehen direkt an die Verbände, auch um beispielsweise Landesgeschäftsstellen zu finanzieren. Außerdem gibt es Projektförderungen und Investitionshilfen, zum Beispiel für ambulante und teilstationäre Pflege. Über die Höhe dieser Hilfen wurden keine Angaben gemacht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.05.2018 | 08:00 Uhr

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