Stand: 06.01.2020 16:58 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Soldaten aus MV fliegen nicht in den Irak

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Der Großteil der Soldatinnen und Soldaten, die in den Irak verlegt werden sollten, ist beim Jägerbataillon 413 in Torgelow stationiert.

Die Bundeswehr reagiert nun doch auf die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten: Die Bundeswehr schickt zunächst keine neuen Soldaten zum Einsatz in den Irak. Das wurde am späten Sonntagabend bekannt. Eigentlich sollten in den kommenden Tagen rund 70 Soldaten überwiegend aus Torgelow und Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern für sechs Monate nach Erbil in den Nordirak verlegt werden. Bis zum Sonntagnachmittag war noch der Entschluss gültig gewesen, den Kontingentwechsel der derzeit im Irak eingesetzten Soldatinnen und Soldaten wie bislang geplant durchzuführen.

Soldaten aus MV reisen nicht in den Irak

Nordmagazin -

Aus Mecklenburg-Vorpommern reisen derzeit keine weiteren Soldaten in den Irak. Wegen der angespannten Lage im Nahen Osten setzt die Bundeswehr den geplanten Kontingentwechsel aus.

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Die entsprechende Entscheidung des Generalinspekteurs Eberhard Zorn verbreitete das Bundesverteidigungsministerium am Sonntagabend über Twitter.

Unklar sei noch, was mit den vor Ort stationierten Soldaten geschehe, die im Austausch wieder nach Deutschland zurückkehren sollten. Schon zuvor hatte es immer geheißen, dass die Sicherheit der Bundeswehr-Soldaten im Vordergrund stehe, auch wenn sie gleichwohl stets einer gewissen "Grundgefährdung" unterliegen würden.

Kommandeur: 19 Soldaten sind schon in den Irak gereist

Betroffen von dieser Entscheidung sind auch Soldaten der Panzergrenadierbrigade 41, die ihren Sitz in Neubrandenburg hat. Nach Angaben des Kommandeurs, Brigadegeneral Andreas Durst, sind die ersten 19 von insgesamt rund 80 für den Einsatz im Irak vorgesehenen Soldaten unmittelbar nach Weihnachten in den Irak verlegt worden. Da es sich um einen Kontingentwechsel handele, würden die Soldaten derzeit dort nichts anderes machen, als ohnehin geplant war, so Durst. Sie bereiten im nordirakischen Erbil und in Tadschi rund 30 Kilometer nördlich von Bagdad, wo die Sicherheitslage laut Durst schwieriger ist, die Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte vor. "Das tun sie innerhalb der Lager - nicht mehr, aber auch nicht weniger", so Durst zu NDR 1 Radio MV.

"Wir sind auf 'standby'"

Die Situation stellt sich auch für die Verantwortlichen bei der Bundeswehr nicht ganz einfach dar. Denn das Vorauskommando ist vorerst auf sich gestellt, weil der erwartete Rest bis auf Weiteres zu Hause bleibt. Wie lange und ob sie überhaupt nachreisen, hänge von politischen Entscheidungen des Iraks, der NATO und der Bundesregierung ab, so Durst. "Bis dort Entscheidungen getroffen sind, sind wir 'standby‘." Grundsätzlich seien Soldaten aber auf solche und ähnliche Situationen speziell vorbereitet worden und könnten damit umgehen.

Organisation der Panzergrenadierbrigade 41

Die zur 1. Panzerdivision gehörende Panzergrenadierbrigade 41 führt sieben Bataillone. Der Stab der Brigade befindet sich in Neubrandenburg.

Aufklärungsbataillon 6, Eutin
Jägerbataillon 413, Torgelow
Panzergrenadierbataillon 401, Hagenow
Panzergrenadierbataillon 411, Viereck
Panzergrenadierbataillon 908, Viereck
Panzerpionierbataillon 803, Havelberg
Versorgungsbataillon 142, Hagenow

Irakisches Parlament fordert Abzug der Anti-IS-Koalition

Das irakische Parlament hatte am Sonntag den Abzug aller ausländischen Soldaten gefordert, die Teil der US-geführten Anti-IS-Koalition sind. Vorausgegangen war Ende der vergangenen Woche die Tötung des iranischen Topgenerals Kassem Soleimani durch die USA in Bagdad. Daraufhin hatte der Iran Vergeltungsmaßnahmen angekündigt.

"Deutsche Soldaten können nur dann im Irak bleiben, wenn die irakische Regierung sagt, dass sie das weiterhin will", sagte ein Sprecher von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erklärte, die deutsche Regierung werde jede Entscheidung des Irak respektieren. Grüne und Linke haben bereits den Abzug deutscher Truppen gefordert, die SPD-Spitze äußerte Bedenken angesichts der Eskalation.

Die Bundeswehr hatte am Freitag mitgeteilt, dass ihre Ausbildungsmission für irakische Sicherheitskräfte vorübergehend eingestellt werde. Die Tornado-Aufklärungsflüge für die internationale Anti-IS-Koalition werden vorerst aber fortgesetzt. 

Deutsches Kontingent umfasst insgesamt 415 Soldaten

Das deutsche Kontingent für den internationalen Einsatz gegen den IS ("Counter Daesh") zählt derzeit 415 Männer und Frauen. Es wird von Jordanien aus geführt, dort sind rund 280 Soldaten stationiert sind. Knapp 90 Bundeswehrleute sind im nordirakischen Kurdengebiet im Einsatz, um kurdische Kräfte auszubilden. Ihre Schulungen ruhen nun. Im Militärkomplex Tadschi, 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad, sind derzeit 27 Bundeswehrsoldaten für die Ausbildung irakischer Kräfte im Einsatz. Zudem gibt es im Hauptquartier der Anti-IS-Koalition in Bagdad fünf deutsche Soldaten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.01.2020 | 05:00 Uhr

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