Stand: 09.01.2018 17:16 Uhr

"Skandalös": Kritik an Nordkurier-Kündigungen

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60 Zusteller der Nordkurier-Mediengruppe in Neubrandenburg sind entlassen worden. (Archivbild)

Die Nordkurier-Mediengruppe in Neubrandenburg steht nach der Entlassung von rund 60 Zeitungs- und Postzustellern in der Kritik. Die Mitarbeiter in der Region Mecklenburgische Schweiz erhielten Ende Dezember überraschend ihre Kündigung. Kurz zuvor hatten sie die Wahl eines Betriebsrats vorbereitet. Die Gewerkschaft Ver.di spricht von einem "skandalösen Vorgang". SPD-Landtagsfraktions-Chef Thomas Krüger nannte die Kündigung eine "Riesensauerei". Ähnlich äußerte sich der Arbeitsmarkt-Experte der Linken im Landtag, Henning Foerster. Seine Fraktion werde die Sache am kommenden Donnerstag zum Thema im Wirtschaftsausschuss des Landtags machen, kündigte er im Gespräch mit NDR 1 Radio MV an.

Nordkurier in einem Briefkasten

Nordkurier kündigt rund 60 Zustellern

Nordmagazin -

Die Nordkurier-Mediengruppe in Neubrandenburg hat etwa 60 Zeitungs- und Postzusteller entlassen. Ver.di sieht darin eine Reaktion auf die Gründung eines Betriebsrates.

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Vertriebs-Geschäftsführer äußern sich nicht

Das Unternehmen und die zuständige Vertriebsgesellschaft schweigen weiter beharrlich. Eine Anfrage des NDR vom Montag ist bisher unbeantwortet geblieben. Die beiden Geschäftsführer der Nordkurier-Vertriebsgesellschaften, Rainer Rodewyk und Dana Krause, gehen offenbar auf Tauchstation. Auch auf mehrfache telefonische Nachfragen waren sie nicht zu erreichen.

Gewerkschaft: Kündigungen sollen zurückgenommen werden

Ver.di erneuerte die Forderung nach Gesprächen. Der "Nordkurier" müsse die Kündigungen außerdem zurücknehmen. Die Gewerkschaft zweifelt die Version des Unternehmens an, nach der der betroffene Betriebsteil stillgelegt werden soll. Der Rausschmiss sei eher eine Reaktion auf den Plan, eine Arbeitnehmervertretung zu gründen. "Kaum wird die Demokratie im Unternehmen eingefordert, wird kurzerhand ein ganzer Betrieb dicht gemacht", so Lars-Uwe Rieck, Fachbereichsleiter bei Ver.di. Hier sollten Mitarbeiter offensichtlich eingeschüchtert und mundtot gemacht werden. Dabei seien Arbeitgeber gut beraten, "wenn sie ihre Mannschaft mitnehmen und beteiligen - und nicht knechten."

Mitarbeiter klagen über schlechte Arbeitsbedingungen

Schon seit Langem klagen die Zusteller in Malchin, Stavenhagen und Umgebung über schlechte Arbeitsbedingungen wie etwa nicht bezahlte Überstunden. Von der Geschäftsführung sei da nie ein Entgegenkommen signalisiert worden, sagten sie dem NDR. Anfang November versuchten sie auch deshalb - mit Hilfe von Ver.di - , die Wahl eines Betriebsrats vorzubereiten. In Malchin wurde ein Wahlvorstand bestimmt, Ersatzkandidaten gewählt. Die Chefetage des "Nordkurier" hatte einen Beobachter geschickt. Unterstützung gab es nicht, stattdessen folgten Ende Dezember die Kündigungen.

SPD-Fraktionschef: Verwerfliches Verhalten

SPD-Fraktionschef Krüger meinte, die Mitarbeiter hätten nur das getan, was ihnen zustehe - die Gründung einer Arbeitnehmervertretung. Eine Firma, die Wert auf ein gutes Betriebsklima lege, reagiere nicht so, wie sich der "Nordkurier" in der Sache verhalte. Offenbar gingen beim "Nordkurier" Anspruch und Wirklichkeit auseinander, so Krüger. Die Zeitung trete stets sehr moralisierend auf, das sei auch das gute Recht einer Zeitung. "Nur muss diese Zeitung dann auch bei ihren Mitarbeitern so agieren, wie sie den Anspruch an die Gesellschaft stellt."

Ver.di kündigt Protestaktionen an

Der Linken-Abgeordnete Foerster sagte, in der Sache könne man nicht zur Tagesordnung übergehen. Seine Fraktion werde fragen, was die Regierung vorhabe. "Schließlich geht es nicht nur um die 60 Kollegen, sondern da hängen ja auch Familien dran." Zurückhaltend äußerte sich die CDU im Landtag. Man bleibe bei der Linie und werde unternehmerische Entscheidungen nicht kommentieren, teilte ein Fraktionssprecher auf Anfrage mit. Ein AfD-Fraktionssprecher erklärte, man werde sich vorerst nicht äußern. Ver.di hat unterdessen für nächste Woche Protestaktionen am "Nordkurier"-Standort Neubrandenburg ankündigt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.01.2018 | 19:00 Uhr

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