Sexuelle Belästigung von Frauen auf Online-Verkaufsportalen

Stand: 17.02.2021 18:47 Uhr

Beim privaten Verkauf von Klamotten im Internet werden viele Frauen belästigt. Betroffene fühlen sich ungeschützt.

von Jürn-Jakob Gericke, NDR 1 Radio MV

Flohmärkte gibt es auch im Internet. Entsprechende Portale liegen voll im Trend - wer seinen Kleiderschrank aufräumt, kann sich etwas dazuverdienen und dabei die Umwelt schonen. Leider sehen sich Frauen auf solchen Portalen immer wieder sexuellen Belästigungen ausgesetzt. Vor allem die größte Seite in Deutschland, eBay Kleinanzeigen, mit derzeit fast 50 Millionen aktiven Anzeigen, scheint damit ein Problem zu haben.

Nutzer schreiben belästigende Nachrichten

Eine Betroffene ist die Rostockerin Annemarie Wilcke. Sie bot Kleider auf der Plattform an, die sie für die Verkaufsfotos angezogen hatte. Kaum waren die Anzeigen online, kamen kurz hintereinander einige Nachrichten im Postfach an. Darunter waren allerdings wenige seriöse Anfragen, sondern oft Texte wie "Geile Figur" oder "Verkaufst du auch Unterhöschen?".

Betroffene empfinden solche Nachrichten als übergriffig

"Das ist sehr übergriffig. Weil die Person mich aktiv in sein Sexualleben integriert, ich bin dann ja an einer Sache beteiligt, an der ich überhaupt nicht beteiligt sein möchte. Auch wenn das Gott sei dank eine gewisse Distanz hat", erklärt Annemarie Wilcke ihre Gefühle zu diesen Nachrichten.

Aktivisten sammeln negative Erfahrungen

Sie teilte die Erfahrungen auf Instagram und hörte dabei von anderen Fällen. Einer Frau aus dem Bekanntenkreis gegenüber habe sich ein Mann auf eBay Kleinanzeigen als Frau ausgegeben, um an ihre Adresse zu gelangen. Deutschlandweit werden ähnliche Erfahrungen zum Beispiel auf der Instagram-Seite: "eBay Kleinanzeigen als Frau*" gesammelt.

eBay Kleinanzeigen rät, Belästigungen zu melden

Von eBay Kleinanzeigen heißt es, ein automatischer Filter blockiere schmutzige Nachrichten. Aber das sei nicht in allen Fällen möglich, vor allem Zweideutiges sei für die Algorithmen nicht zu erkennen. Sollte eine belästigende Nachricht im Postfach eingehen, rät der Sprecher der Portals, Pierre Du Bois, nicht zu antworten: "Wir wissen, dass viele der Täter ihre Befriedigung gewissermaßen aus der Empörung der Betroffenen ziehen. Diesen Nährboden sollte man ihnen quasi entziehen." Nutzerinnen könnten die entsprechenden Nutzer blockieren, zu keine weiteren Nachrichten zu erhalten. Für eBay Kleinanzeigen sei es wichtig, dass die auffälligen Nutzer gemeldet werden, damit die Plattform überhaupt auf die Belästigungen aufmerksam wird.

Betroffene enttäuscht über Verfahren gegen anonyme Täter

Mit diesen Ratschlägen gibt sich die Betroffene Annemarie Wilcken nicht zufrieden: "Es passiert ja nichts. eBay Kleinanzeigen sperrt diese Nutzer mit ihrer Emailadresse. Die Leute erstellen sich dann einfach eine Neue und dann geht das weiter!" Wilcken wünscht sich, dass sich Nutzer bei ihrer Anmeldung auf eBay Kleinanzeigen mit ihrem richtigen Namen bzw. einer Handynummer registrieren müssen. So wäre auch die Strafverfolgung erfolgversprechender, wenn Betroffene* die sexuellen Belästigungen zur Anzeige bringen wollen. eBay Kleinanzeigen hat sich allerdings gegen solche Identifizierungsmaßnahmen entschieden. Die Anmeldung auf der Plattform solle unkompliziert bleiben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.02.2021 | 19:30 Uhr

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