Stand: 24.06.2020 06:28 Uhr

Seenplatte: Ein Jahr nach dem Eurofighter-Absturz

Der Absturz zweier Bundeswehr-Eurofighter bei Malchow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) jährt sich heute zum ersten Mal. Die beiden Kampfjets waren am 24. Juni 2019 im Luftraum nordöstlich von Malchow zusammengestoßen. Eines der beiden Flugzeuge war in der Nähe von Jabel in ein Waldstück gestürzt, das andere war südlich von Nossentiner Hütte an einem Waldrand niedergegangen. Beide Orte sind rund zehn Kilometer voneinander entfernt. Bei dem Absturz war ein 27-jähriger Pilot ums Leben gekommen, ein zweiter konnte damals gerettet werden. Der Absturz sorgte für einen Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei, der mehrere Tage dauerte.

Fast ein Jahr lang Untersuchungen zur Unfallursache

Lange war unklar, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Experten des Luftfahrtbundesamtes hatten die Trümmerstücke auf dem Luftwaffenstützpunkt Laage bei Rostock unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen Stück für Stück zusammengesetzt und untersucht, um herauszufinden, warum die beiden Eurofighter kollidiert und abgestürzt waren.

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Ein brennender Eurofighter stürzt über einem Wald ab. © Thomas Steffan Foto: Thomas Steffan

Eurofighter-Absturz: Ermittlungen kurz vor Abschluss

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Bericht: Absturz wegen Verkettung mehrerer Fehler

Anfang Mai hatte die Bundeswehr schließlich die Untersuchungen zur Unfallursache abgeschlossen. Dem Bericht zufolge gehen die Ermittler von einer Verkettung mehrerer Fehler aus. So verfolgte einer der Piloten in seinem Jet - gemeinsam mit einem Fluglehrer in einem zweiten Flugzeug - einen dritten Eurofighter und konzentrierte sich zu sehr auf das Zielobjekt, heißt es in dem Bericht. Dabei vergaß er offenbar, dass der zweite Jäger direkt neben ihm flog und kollidierte mit ihm. Seinen Schleudersitz konnte der Pilot nicht mehr öffnen, vermutlich starb er bereits bei der Kollision in der Luft. Der andere Pilot konnte sich retten und landete mit seinem Fallschirm in einem Baum.

Bundeswehr-Ermittler machen Pilotenausbildern Vorwürfe

Wie "Der Spiegel" im Mai berichtete, war der Unglückspilot nicht in Deutschland sondern in Spanien trainiert worden. Dort üben die Piloten vor allem die Bekämpfung von Zielen am Boden. Für einen Luftkampf mit anderen Jets war der 27-Jährige demnach gar nicht richtig ausgebildet. Außerdem fiel er kurz vor dem Unfall mit schwachen Flugleistungen auf, bestand einen Eignungstest nicht und musste eine Prüfung wiederholen. Die Bundeswehr-Ermittler werfen den Ausbildern deshalb mangelnde Dienstaufsicht vor.

Aufräumarbeiten gestalteten sich schwierig

Nach dem Eurofighter-Unfall waren die Böden um die Absturzstellen mit Kerosin kontaminiert. Erdschichten mussten zum Teil großflächig abgetragen werden, zudem wurden große Waldflächen gerodet. Eurofighter starten in Regel mit mindestens 6.000 Litern Kerosin, wie viel Kraftstoff zum Zeitpunkt des Unfalls verbraucht war, ist nicht bekannt. Betroffene Landwirte, auf deren Felder Wrackteile gestürzt waren, wurden entschädigt. Außerdem wurden Schutzanzüge der Feuerwehrleute vorsorglich ersetzt und Einsatzfahrzeuge aufwändig gereinigt - die Befürchtung war, dass die brennenden Warackteile gesundheitsschädliche Stoffe freigesetzt haben könnten.

Bürgermeisterin: "Nach jeder Krise geht das Leben weiter"

Beide Eurofighter gingen nur wenige hundert Meter von Ortschaften entfernt nieder. Eine der beiden Absturzstellen lag unweit eines Kindergartens. "Wir können glücklich sein, dass nicht noch mehr passiert ist", sagte die Bürgermeisterin von Nossentiner Hütte, Birgit Kurth, zum ersten Jahrestag des Absturzes. Nach jeder Krise gehe das Leben weiter.

Die Bundeswehr verfügt insgesamt über rund 140 Eurofighter. Die beiden abgestürzten Maschinen gehörten zum Luftwaffengeschwader 73 "Steinhoff", das in Laage bei Rostock stationiert ist.

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Ein Eurofighter startet beim Luftwaffengeschwader "Steinhoff" auf dem Flughafen in Laage. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck/ dpa-Bildfunk

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Ein brennender Eurofighter stürzt über einem Wald ab. © Thomas Steffan Foto: Thomas Steffan

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.06.2020 | 06:00 Uhr

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