Heller Teppich und Staubsaugerbürste auf einem Holzfußboden. © Octavian Lazar / photocase.de Foto: Octavian Lazar / photocase.de

Schwesigs Beamte sollen selber saugen

Stand: 05.05.2021 06:43 Uhr

Ministerien und Landesbehörden sparen seit einiger Zeit bei der Sauberkeit - die Staatskanzlei von Ministerpräsidentin Schwesig hat deshalb zu einer ganz speziellen Reinigungsoffensive aufgerufen.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV Aktuell

Frühjahrsputz in der Staatskanzlei: Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Machtzentrale von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sind aufgerufen, selbst für die Sauberkeit in den Büros zu sorgen. Die Sache hat einen finanziellen Hintergrund: Seit dem 1. April werden die Büros in der Staatskanzlei nur noch alle 14 Tage sauber gemacht. Das heißt konkret, dass zwei Mal im Monat die Fußböden gesaugt und die Papierkörbe geleert werden. Mit der Sparmaßnahme will die Landesregierung die Ausgaben für die Reinigung drücken, so soll ein Teil der milliardenschweren Corona-Schulden wieder ausgeglichen werden. Alle anderen Ministerien und Landesbehörden sind ebenfalls betroffen. Die Maßnahme soll jährlich etwa 1,2 Millionen Euro einbringen.

Mit Akku-Saugern gegen das Sauberkeitsdefizit

Doch so richtig zufrieden scheint ausgerechnet die Hausspitze in der Staatskanzlei nicht zu sein. Sie hat zu einer ganz speziellen Reinigungs-Offensive aufgerufen: Die in der Regel ganz gut bezahlten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollen zwar keine Putzeimer und Lappen von zu Hause mitbringen und selbst durchwischen. In den Teeküchen der Staatskanzlei, in den Außenstellen und auch im Büro des Vorpommern-Staatssekretärs in Anklam warten allerdings neue Arbeitsgeräte auf die Landesbediensteten. Dort stehen jetzt Akku-Staubsauger bereit - die sollen das Sauberkeitsdefizit quasi wegsaugen. Die Dinger gelten als Alleskönner: Typ Dyson, Farbe rot.

Zuständig ist Haushaltsabteilung

In einer Hausmitteilung heißt es im besten Bürokraten-Deutsch: "Bei Bedarf können die Geräte zur eigenständigen Reinigung der Büros von allen Mitarbeitern genutzt werden." Von der Abteilungsleiterin bis zum Sachbearbeiter - jeder in der Staatskanzlei darf ran an den Sauger, wenn er nicht gerade im Home-Office ist. In der Hausmitteilung steht auch: Jeder sollte sich zunächst mit der Bedienungsanleitung vertraut machen und - ganz wichtig - die Sicherheitshinweise sollten unbedingt beachtet werden. Außerdem erfolgt eine vorsorgliche Mahnung: "Bitte leeren sie den durchsichtigen Auffangbehälter nach jeder Nutzung selbstständig, um jederzeit eine ungehinderte Verwendung des Staubsaugers zu ermöglichen." Sollte es dennoch zu Schwierigkeiten kommen, könne man sich bei "technischen Problemen an das Referat 160 wenden". Das ist für den Haushalt zuständig. Gemeint ist aber der Finanzhaushalt der Staatskanzlei.

Regel-Reinigung in Schwesigs Büro

Wie teuer die Anschaffung der Akku-Sauger war, blieb zunächst ebenso unklar wie die Höhe der Wartungskosten. Die Reinigungsbranche hatte sich bereits im vergangenen Dezember über die angekündigte Kürzung der Putzaufträge beschwert. Leidtragende seien am Ende diejenigen, die im Niedriglohnsektor arbeiten würden, hieß es. Auch die Linksopposition sieht eine politische Dimension des Themas: Schwesig und die SPD könnten nicht auf der einen Seite "gute Löhne" fordern, meint die Linke, und dann bei den Reinigungsleistungen kürzen - das treffe die Beschäftigten in dieser Branche. Hygiene am Arbeitsplatz erfordere Profis und nicht neue Akku-Sauger für die Staatskanzlei-Mitarbeiter, so Fraktionschefin Simone Oldenburg. Ausgenommen von der Reinigungsoffensive sind die Räume der Regierungschefin. Dort greift der Zwei-Wochen-Putz-Rhythmus nicht: In Schwesigs Büro wird regulär saubergemacht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Stefan Kuna Show | 04.05.2021 | 05:40 Uhr

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