Schwesig zu neuen Corona-Regeln: Ein harter Schritt

Stand: 29.10.2020 05:24 Uhr

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat die vom Bund und den Ländern getroffenen schärferen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gerechtfertigt.

Es ist "ein harter Schritt, aber es hilft nichts", sagte die SPD-Politikerin. In spätestens 14 Tagen werde auch Mecklenburg-Vorpommern zum Risikogebiet, darauf müsse bereits jetzt reagiert werden., "Wir dürfen uns keiner Illusion hingeben." Die zweite Welle der Infektionen sei da, "sie ist heftig und wuchtig", deshalb brauche das Land jetzt "einen Wellenbrecher". Die Einschränkungen besonders für den Tourismus und die Gastronomie seien "schlimm", räumte Schwesig ein. Es sei aber dringend notwendig, Kontakte einzuschränken. Die Einschränkungen im November seien wichtig, damit im Dezember die Familien möglichst gemeinsam die Weihnachtszeit verbringen und die Geschäfte das Weihnachtsgeschäft mitnehmen können. Die Maßnahmen würden nur helfen, wenn alle an einem Strang ziehen. "Helfen Sie mit, die zweite Welle zu brechen", appellierte Schwesig.

Weitgehendes Runterfahren des öffentlichen Lebens

Die neuen Regeln kommen dem Shutdown vom Frühling schon recht nah. Sie sollen am 2. November in Kraft treten - und vorerst bis Monatsende gelten:

  • private Kontakte sollen auf ein "absolut nötiges Minimum" reduziert werden.
  • Aufenthalt in der Öffentlichkeit nur noch mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes gestattet
  • touristische Übernachtungen im Inland untersagt
  • Freizeit- und Kultureinrichtungen wie Theater, Opern, Kinos, Schwimmbäder und Fitnessstudios werden geschlossen
  • Restaurants, Bars, Clubs, Diskotheken und Kneipen werden geschlossen - Ausnahme: Kantinen und Lieferdienste
  • Profisport soll im November ohne Zuschauer stattfinden, Amateursport wird unterbunden
  • Groß- und Einzelhandel soll offen bleiben, in den Geschäften darf sich nicht mehr als ein Kunde pro zehn Quadratmeter aufhalten
  • Schulen und Kindergärten bleiben offen
  • außerordentliche Wirtschaftshilfe für von Schließung betroffenen Betrieben in Höhe von 75 Prozent des Umsatzes im November 2019
  • Heimarbeit soll ausgebaut werden

Kontrollen in der Öffentlichkeit

Schwesig betonte, dass für Einheimische Fahrten und Reisen innerhalb von Mecklenburg-Vorpommern weiterhin möglich sind, allerdings ohne touristische Übernachtungen. Das gelte auch für Fahrten in Risikogebiete wie den Landkreis Vorpommern-Greifswald. Sie riet jedoch dazu, alle unnötigen Reisen zu unterlassen. Über den Tagestourismus für Besucher aus anderen Bundesländern werde die Landesregierung demnächst beraten. Auch Kinder sollten Aktivitäten außer Haus einschränken, um das Infektionsrisiko zu reduzieren. Dann steige die Chance, dass Kitas und Schulen geöffnet bleiben können. Laut Schwesig soll die Kontaktbeschränkung auf maximal zehn Personen aus zwei unterschiedlichen Haushalten in der Öffentlichkeit auch kontrolliert werden. Aber: "Wir wollen nicht in Wohnungen hinein regieren", schränkte Schwesig ein.

Dehoga fordert Ausgleich für "Sonderopfer"

Der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes in Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz, sagte, die Branche in Mecklenburg-Vorpommern müsse "jetzt die Suppe auslöffeln", Sie bringe ein Sonderopfer. Deshalb müsse die angebotene finanzielle Hilfe höher ausfallen, als es bislang angekündigt wurde. Schwesig lobte die Hoteliers und Gastronomen für ihre bisherigen Hygienekonzepte und Schutzmaßnahmen. Dies sei aber nicht ausreichend, um die Zahl der Kontakte zu reduzieren. Die Regierungschefin deutete an, dass weitere Hilfen nicht ausgeschlossen seien.

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NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 28.10.2020 | 19:00 Uhr

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