Demonstration im Jahr 1990. © Kurt Hamann

Schwesig zu Einheit: "Stolz sein auf die letzten 30 Jahre"

Stand: 03.10.2020 17:34 Uhr

Am 3. Oktober vor 30 Jahren ist die DDR der Bundesrepublik beigetreten. Das Jubiläum war Anlass für zahlreiche Veranstaltungen in MV. Sie fielen Corona-bedingt allerdings kleiner aus als geplant.

Schwerin: Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, spricht beim Festempfang der Landesregierung zum Tag der Deutschen Einheit. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck
Bei einem kleinen Festakt des Landes sagte Ministerpräsidentin Schwesig, die Menschen können stolz sein auf die letzten 30 Jahre.

In der Landeshauptstadt Schwerin gab es am Sonnabendmittag einen offiziellen Festakt im Mecklenburgischen Staatstheater, danach öffnete auf dem Alten Garten zwischen Theater, Schloss und Museum der "Markt der Demokratie - 30 Jahre MV". Es standen ein Dichterwettstreit, Graffiti-Kunst im Zeichen der Wiedervereinigung, ein Kinderchor, Live-Musik und ein Stadtrundgang zu Erinnerungsorten in Schwerin auf dem Programm. Auch in Rostock führte ein Spaziergang an den Orten der friedlichen Revolution entlang.

VIDEO: Schwerin lädt zum Tag der Deutschen Einheit zur Debatte ein (2 Min)

Bäume pflanzen und Gesang für den Frieden

In Sallenthin auf Usedom wurden an der Kreisstraße anlässlich der Deutschen Einheit 30 Eichen gepflanzt. Die Initiative "3. Oktober – Deutschland singt" lud am Abend auf die Wiesen vor dem Greifswalder Dom St. Nikolai ein. Gemeinsam mit Chören, Bläsern und einer Band sollten dort zehn Lieder zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit und zu 75 Jahren Frieden gesungen werden.

Gedenk-Radtour entlang der ehemaligen Grenze

Neubrandenburg beging den Feiertag mit einem Festkonzert in der Konzertkirche. Anschließend blickte Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) auf 30 Jahre Deutsche Einheit zurück. In Schattin im Landkreis Nordwestmecklenburg gab es eine Gedenk-Rad-Rundtour über eine Strecke von 30 Kilometern entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Die Tour führte die rund 300 Teilnehmer über Utecht, den damaligen Grenzübergang Schlagsdorf, über das ehemalige Dorf Lenschow zurück nach Schattin.

Ministerpräsidentin würdigt Leistungen der Menschen

Mit einem kleinen Festakt hatte das Land bereits am Freitag an die deutsche Wiedervereinigung und die Gründung Mecklenburg-Vorpommerns vor 30 Jahren erinnert. Der Nordosten, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), sei heute ein beliebtes Land - zum Leben, Arbeiten und Urlaubmachen. "Wir können heute alle zusammen stolz sein auf die letzten 30 Jahre", betonte Schwesig am Freitag vor rund 150 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Ehrenamt in der Schweriner Sport- und Kongresshalle. Zur guten Bilanz gehöre die Verdreifachung des Bruttoinlandsprodukts seit 1990 und die Senkung der Arbeitslosenquote von ehemals fast 26 auf nun gut sieben Prozent. Doch sei das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse in Ost und West noch nicht erreicht, was sich auch an ungleichen Löhnen und Renten zeige. Deren Angleichung bleibe weiter das Ziel. Die Weichen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes seien gestellt, betonte Schwesig. Neben traditionellen Branchen wie Tourismus und Schiffbau setze das Land einen strategischen Schwerpunkt bei der Gesundheitswirtschaft und erhoffe sich Impulse auch in der zukunftsträchtigen Wasserstoffwirtschaft.

Schwesig: "Ehrlich über das reden, was nicht funktioniert"

Mit Blick auf Meinungen von Bürgern im aktuellen ARD-Deutschlandtrend sagte Schwesig: "Wenn nur jeder Zweite mit der Demokratie zufrieden ist und Dreiviertel sagen, dass der soziale Zusammenhalt in der DDR besser war, ist das ein Zeichen dafür, dass man trotz dieser guten Werte von Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Demokratie und Reisefreiheit auch ehrlich darüber reden muss, was nicht funktioniert. Und ich glaube, dass viele schwierig finden, dass in unserer sozialen Marktwirtschaft oft der Markt, das Geld stärker eine Rolle spielt als das Soziale."

Denkmal zur Erinnerung an friedliche Revolution

Am 16. Oktober will Mecklenburg-Vorpommern in Waren ein Denkmal zur friedlichen Revolution offiziell übergeben. Dort hatte es 1989 hierzulande die ersten Montagsdemonstrationen gegeben. Eine große Party soll mit Blick auf die Einschränkungen durch die Corona-Krise im kommenden Jahr nachgeholt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Mittagsschau kompakt | 03.10.2020 | 13:00 Uhr

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