Stand: 22.07.2020 06:46 Uhr

Schwesig will Klinik-Fallpauschalen abschaffen

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, gibt in der Staatskanzlei eine persönliche Erklärung ab. © dpa bildfunk Foto: Jens Büttner
Ministerpräsidentin Schwesig sieht Kinderkliniken auf dem Land durch die Fallpauschalen gefährdet. (Archivbild)

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) fordert das System der Fallpauschalen für Krankenhausbehandlungen abzuschaffen. Diese würden dazu führen, dass sich Kinderkliniken auf dem Land nicht mehr rechneten, sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

VIDEO: Krankenhaus: Das Dilemma mit den Fallpauschalen (4 Min)

Kinderstation in Parchim noch nicht wiedereröffnet

Hintergrund ist, dass der private Klinikbetreiber Asklepios in Parchim vor einem Jahr seine Kinderstation geschlossen hatte. Nach Angaben des Klinikkonzerns sei diese stets ein Zuschussgeschäft. Asklepios hatte aber Vorwürfe zurückgewiesen, die Station aus wirtschaftlichen Gründen zu schließen und mehrfach zugesichert sie wieder zu öffnen. Die Landesregierung wollte im Gegenzug eine Arztstelle sowie einen Hubschrauberlandeplatz finanzieren - ein Investitionsvolumen von bis zu 2,8 Millionen Euro. Beides wurde bislang nicht umgesetzt.

Fallpauschalen setzen Anreize für bestimmte Fachbereiche

Jetzt sagte Schwesig, die Profitorientierung im Gesundheitssystem könne so nicht bleiben, auch wenn dies "das unseriöse Verhalten von Asklepios nicht rechtfertigt." Im Jahr 2003 hatte die rot-grüne Bundesregierung das System der Fallpauschalen für Krankenhausleistungen eingeführt. Es schafft ökonomische Anreize zugunsten der Altersmedizin und anderer Fachrichtungen. Die Versorgung von Kindern oder Geburten ist dagegen nicht lukrativ.

Mehr Geld bei schweren Erkrankungen

Seit 2004 werden Krankenhausleistungen in der Regel mit Fallpauschalen vergütet. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums richtet sich die Zuordnung einer konkreten Behandlung im Krankenhaus zu einer Fallpauschale nach der Krankheitsart (Diagnose), dem Schweregrad der Erkrankung sowie den erbrachten Leistungen (Operationen und sogenannte Prozeduren). Bei Patientinnen und Patienten mit leichten Erkrankungen sind die Vergütungen geringer als bei schweren, aufwendig zu behandelnden Erkrankungen. Den Fallpauschalen liegt jeweils eine gewisse Zeitspanne zugrunde. Egal wie lange die Patientin oder der Patient wirklich innerhalb dieser Zeitspanne im Krankenhaus ist, bleibt die Fallpauschale gleich.

Extra-Honorar für Pflegekosten

Der Katalog für 2020 weist laut Bundesgesundheitsministerium rund 1.500 Fallpauschalen auf. Grundlage für die Kalkulation waren Kosten- und Leistungsdaten von 293 Krankenhäusern und insgesamt rund 5,2 Millionen Behandlungsfälle aus den vergangenen Jahren. Zusätzlich zu den Fallpauschalen können die Krankenhäuser seit 2020 die Pflegekosten "am Bett" im Krankenhaus gesondert abrechnen. Die Fallpauschalen lösten seit 2004 ein Abrechnungssystem ab, das auf Tagessätzen beruhte. Dabei bekamen die Krankenhäuser für jeden Tag Geld, den Patienten im Krankenhaus verweilten. Das Abrechnungssystem wurde vor allem geändert, um Kosten zu senken.

Weitere Informationen
Asklepios Klinik Parchim

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.07.2020 | 06:30 Uhr

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