Stand: 16.03.2018 18:56 Uhr

Schweriner Tafel: Die Tüte wird immer kleiner

Aufnahmestopp für Tafelgäste ohne deutschen Pass - bei der Tafel in Essen ist es zum Äußersten gekommen, zumindest bis Ende März soll das noch so bleiben. Weil immer mehr deutsche Tafelgäste - vor allem Ältere und alleinerziehende Mütter - fernblieben. Ist diese Situation mit der in Mecklenburg-Vorpommern vergleichbar? Allein in der Landeshauptstadt Schwerin leben rund 2.700 Flüchtlinge, die meisten auf dem Großen Dreesch, einem Plattenbauviertel.

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Jede Woche stehen Menschen vor den Ausgabestellen der Tafeln, um für kleines Geld einen Beutel mit Lebensmitteln zu bekommen. Immer öfter warten auch Flüchtlinge in der Schlange.

Fast 120 Menschen stehen jeden Donnerstag in der Schlange, um sich bei der Tafel auf dem Großen Dreesch Brot, Obst, Gemüse und Milchprodukte abzuholen. Zehn Ehrenamtliche verteilen dort ein Mal pro Woche Tüten mit Lebensmitteln. Zwar gehe die Zahl der Tafelgäste insgesamt eher zurück, sagen die Helfer, aber durch die Flüchtlinge stünden hinter jedem einzelnen Tafelgast immer größere Familien.

Lebensmittel für ganze Familien

Die Tafel in Schwerin packt unterschiedlich große Tüten, je nach Bedarf für bis zu zehn Personen. Auch wenn zur Ausgabe meistens nur etwa 120 Menschen kommen, versorgt werden aber 400 bis 500. Erfahrungsgemäß brauchen vor allem die ausländischen Tafelgäste, insbesondere Flüchtlinge, größere Tüten, weil sie mehrere Familienmitglieder mitversorgen. Da gebe es dann auch mal Neid, weil für andere weniger übrig bleibt.

Immer weniger Essen in den Tüten

Wie die Helfer berichten, kommen tatsächlich gar nicht mehr so viele Deutsche, an manchen Ausgabetagen nur noch etwa zehn Prozent. Die Anderen sind Flüchtlinge oder Zuwanderer aus Russland. Wie deutsche Tafelgäste berichten, würden viele von ihnen deshalb wegbleiben, weil inzwischen weniger Essen in den Tüten drin ist.

Inoffizieller Aufnahmestopp schon da

Inoffiziell gibt es auch bei der Schweriner Tafel schon fast einen Aufnahmestopp, sagen die Ehrenamtlichen. Die Tafel habe nur eine begrenzte Menge an Lebensmitteln zu verteilen. Zwar würden die Mitarbeiter genau schauen, wen sie neu aufnehmen. Aber nach Deutschen und Ausländern sortiert werde dabei nicht. Nur wer drängele oder sogar handgreiflich werde - der fliege für diesen Ausgabetag raus. Und wer wiederholt Streit sucht, heißt es, dem werde die Berechtigungskarte ganz abgenommen.

Kommentar
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