Stand: 29.01.2020 00:46 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Talk vor Ort: Schwerin will soziale Spaltung überwinden

Diskutierten mit den Moderatoren Andrea Gottke (NDR, l.) und Bert Schüttpelz ("SVZ", r.) über soziale Spaltung (v.l.n.r.): Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD), Prof. Marcel Helbig, Stadtteilmanagerin Mueßer Holz Sandra Tondl, Schwerins Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD).

Wie kann es gelingen, die soziale Spaltung in den Städten in Mecklenburg-Vorpommern zu verringern? Beim Talk vor Ort am Dienstagabend in Schwerin ist deutlich geworden: Einen allgemeingültigen Lösungsansatz gibt es nicht, aber eine Mischung aus verschiedenen Konzepten könnte helfen.

Im Campus am Turm im Schweriner Stadtteil Mueßer Holz reichten die Sitzplätze nicht aus, so groß war das Interesse von Anwohnern und Menschen aus anderen Vierteln der Stadt. Viele verfolgten die knapp zweistündige Diskussion im Stehen. Im Stadtteil sind etwa 40 Prozent der Bewohner auf staatliche Hilfen angewiesen. NDR 1 Radio MV, Nordmagazin und "Schweriner Volkszeitung" hatten zu dieser Diskussionsrunde eingeladen.

Talk vor Ort: Soziale Spaltung in Schwerin

NDR 1 Radio MV - Nordmagazin -

Beim Talk vor Ort über soziale Spaltung in Schwerin gab es mehrere Lösungsvorschläge. Deutlich wurde auch: Es wird lange dauern, bis das Problem gelöst sein wird.

1,35 bei 31 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Vor allem ostdeutsche Städte betroffen

Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt sowie Rostock und Greifswald zählen einer Studie zufolge zu den Städten mit der stärksten sozialen Entmischung: In keiner anderen deutschen Stadt leben Menschen stärker getrennt nach Einkommen und sozialem Status in unterschiedlichen Vierteln - ein Zustand, der sich in den vergangenen 20 bis 30 Jahren immer stärker entwickelt hat. Dies sei vor allem in vielen ostdeutschen Städten der Fall, sagte Professor Marcel Helbig von der Universität Erfurt.

Diskussion um kostenlosen Nahverkehr

Die Kosten für Busse und Bahnen, Schulpolitik und Wohnungsbau zählten in der Diskussion mit den Schwerinerinnen und Schwerinern zu den Lösungsvorschlägen. Mehrere Besucher regten an, Busse und Straßenbahnen in Schwerin kostenlos fahren zu lassen. Dies könne helfen, leichter am Geschehen in anderen Stadtvierteln teilzunehmen. Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) konnte sich mit diesem Vorschlag nicht anfreunden, das könne sehr schnell sehr teuer werden. Geld, das dann an anderen Stellen fehlen könnte. Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) sagte, rein rechnerisch würde ein kostenloser Nahverkehr in der Landeshauptstadt etwa zehn Euro pro Monat für jeden Einwohner kosten. Der Nahverkehr nehme pro Jahr zwölf Millionen Euro durch Fahrscheinverkäufe ein.

Schwerpunkt Schulentwicklung

Schwerins Verwaltungschef legte in der Podiumsdiskussion wert auf eine andere Schulpolitik. Badenschier: "Wir wollen uns darum kümmern, in diesem Stadtteil mit so vielen Kindern eine weiterführende Schule in öffentlicher Hand aufzubauen." Die gebe es derzeit nicht, allerdings auch noch keinen konkreten Zeitplan. Eine Schule könne ein Treffpunkt aller sozialen Schichten sein. Dies helfe Vorurteile abzubauen, sagte Pegel.

Auch in Rostock seien in manchen Stadtteilen zu viele Schule geschlossen worden, so Helbig: Zwischen Warnemünde und der Rostocker Innenstadt habe es 1997 noch zehn Schulen mit gymnasialer Oberstufe gegeben. "Jetzt sind wir gerade noch bei drei." Dadurch würden Kinder benachteiligt, die zwar ein Gymnasium besuchen könnten, dies aber zu weit entfernt sei.

Verbindungen aufbauen

Auch beim Wohnungsbau müssten Städte neue Wege gehen, sagte der Bauminister. Geförderten und bezahlbaren Wohnraum müssen es in mehreren Stadtteilen geben. "Es geht nicht um gute oder schlechte Stadtteile, es geht um die Frage, ob es insgesamt in beide Richtungen gelingt, dass Menschen sich wieder mehr berühren", so Pegel.

Keine schnellen Lösungen

Stadtteilmanagerin Sandra Tondl betonte, dass viele Anwohner sehr gern in ihrem Viertel leben würden. Sie versteht es als ihre Aufgabe, den sozialen Zusammenhalt im Quartier zu stärken. Dafür sei es auch notwendig, das kulturelle Angebot weiter auszubauen. Deutlich wurde zum Abschluss: Viele Städte gehen das Problem erst jetzt an. Darum, da waren sich die Fachleute auf dem Podium einig, werde es auch noch viele Jahre dauern, bis Städte wie Schwerin und Rostock die soziale Spaltung ihrer Stadtviertel abgeschwächt haben werden.

Zu dem Thema sendet das NDR Fernsehen heute Abend um 18 Uhr eine Nordmagazin - Land und Leute.

Weitere Informationen

Studie: Soziale Spaltung in Schwerin am größten

28.01.2020 15:00 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern muss einer Studie zufolge mehr dafür getan werden, dass Wohngebiete stärker sozial gemischt sind. Am wenigsten durchmischt ist demnach Schwerin. mehr

Soziale Spaltung: Städte in MV besonders betroffen

23.05.2018 17:00 Uhr

Hartz IV-Empfänger leben in bestimmten Wohngebieten immer öfter unter sich. Nach einer Studie führen Rostock und Schwerin die Entwicklung an. Hier leben Arm und Reich stark voneinander getrennt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.01.2020 | 19:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

02:48
Nordmagazin