Stand: 04.06.2020 17:25 Uhr

Schwerin oder Rostock - Wohin mit den Stasi-Akten?

Viele Stasiakten liegen aneinander gereiht auf einem Tisch.
Die Stasi-Unterlagen sollen in Mecklenburg-Vorpommern künftig an einem zentralen Ort aufbewahrt werden. (Archivbild)

In den Stasi-Unterlagen suchen pro Jahr noch immer Zehntausende Antragsteller nach Antworten. Bisher lagern die Stasi-Unterlagen noch in zwölf Außenstellen der Bundesbehörde. Auch nach der vom Bundestag 2019 beschlossenen Auflösung der Stasiunterlagen-Behörde sollen die insgesamt 111 Kilometer Akten weiter zugänglich bleiben. Das Bundesarchiv nimmt sie dann unter seine Obhut an langfristig nur noch fünf Standorten - einem in jedem ostdeutschen Bundesland.

VIDEO: Neuer Standort für Stasi-Akten gesucht (3 Min)

Zentrales Archiv in Schwerin oder Rostock?

In einigen Fällen stehen die Entscheidungen fest - andere Bundesländer ringen noch um den richtigen Standort - auch Mecklenburg-Vorpommern. Bisher lagern die Akten an drei Außenstellen im Land - in Schwerin, Rostock und Neubrandenburg. In Zukunft soll es nur noch ein zentrales Archiv für Mecklenburg-Vorpommern geben - in Schwerin oder Rostock. Obwohl die Diskussion schon seit fünf Jahren andauert, ist das Problem immer noch nicht gelöst.

In Rostock soll ein Forschungszentrum entstehen

Für Rostock spricht die Uni, meinen Befürworter der Hansestadt als Standort - darunter mehrere Landtagsabgeordnete unterschiedlicher Parteien. Hier solle ein Forschungszentrum entstehen, in dem drei Säulen zusammenkommen: Wissenschaft, die Gedenkstätte der ehemaligen Stasi-U-Haft und die Akten. Ohne sie sei das Projekt nicht einzigartig, sagt der Rostocker Historiker Stefan Creuzberger: "Jetzt zu sagen, man zerpflückt diese Idee des Drei-Säulen-Modells - dann wären wir wieder völlig beliebig. Dann ist da nicht mehr das Besondere, was die Universität, den Hochschulraum Mecklenburg-Vorpommern, attraktiv machen würde."

VIDEO: 30 Jahre nach der Stasi-Auflösung in Schwerin (6 Min)

Landesbeauftragte für Schwerin als Standort

In Schwerin dagegen entsteht zur Zeit ein Neubau - auch für das Landeshauptarchiv. Und damit die restlichen Akten zur DDR-Zeit - also etwa Partei-Unterlagen. Deshalb gehörten auch die Stasi-Akten in die Landeshauptstadt, meinen Befürworter der Standortes Schwerin - etwa die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anne Drescher. Sie findet, es müsse vor allem darauf geachtet werden, wer die Akten in Zukunft benutzt: "Das sind zum einen Betroffene, die ihre Familiengeschichte recherchieren möchten." Da mache es Sinn, die Akten an einem Ort zu finden und einsehen zu können. Sinnvoll sei es aber auch für die Forschung, findet Drescher, "weil auch Forschung, Aufarbeitung von DDR-Thematik, DDR-Geschichte nicht allein auf Stasi-Akten beschränkt sind."

Bundesarchiv-Chef: Schlechter Aktenzustand erfordert baldige Entscheidung

Alle Akten an einen Ort aufzubewahren, dafür sprach sich am Mittwoch im Bildungsausschuss auch ein weiterer Experte aus: der künftige "Herr der Akten", Michael Hollmann, Chef des Bundesarchivs. Allerdings, an welchem Ort die Akten liegen, das ist Hollmann egal. "Mein Part war heute einfach dafür zu werben, dass wir möglichst bald zu einem solchen Archivstandort zum Schutz der Akten kommen. Je früher die Dokumente in gute, angemessene Magazine kämen, desto besser. Denn viele Akten seien in sehr schlechtem Zustand und müssten dringend richtig gelagert und restauriert werden. Die Landesregierung aber hat sich noch immer nicht zu einem Favoriten bekannt. Auf dieses Signal wartet der Bund, um die Standortfrage nach fast fünf Jahren zu beantworten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.06.2020 | 19:30 Uhr

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