Stand: 14.11.2017 17:25 Uhr

Schwerin: Wie funktioniert die Integration?

Wie gut funktioniert die Integration von Flüchtlingen in Schwerin? Das fragen sich nicht erst seit der Festnahme des Terrorverdächtigen Yamen A. vor zwei Wochen viele Schweriner. Was wird eigentlich für ein gutes Zusammenleben der verschiedenen Kulturen in der Stadt getan? Fragen, der sich die Stadtverwaltung seit Monaten immer wieder stellen muss. Denn die Lage in den Schweriner Stadtteilen Neu Zippendorf und Mueßer Holz spitzt sich zu. Rund 16.100 Menschen leben im Südosten von Schwerin. Der Ausländeranteil beläuft sich derzeit auf rund 20 Prozent. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien oder Afghanistan.

Wohnhäuser in Schwerin Neu Zippendorf.

Umsetzung von Integration in Schwerin

Nordmagazin - Land und Leute -

Wie gestaltet sich die Integration der Flüchtlinge in Schwerin? Viele Männer, Frauen und Kinder wollen nicht nur Zuflucht auf Zeit finden, sondern eine Heimat und Zukunft.

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"Wir kommen an Leistungsgrenzen"

Schwerins Sozialdezernent Andreas Ruhl (SPD) sieht die Landeshauptstadt grundsätzlich gut aufgestellt, "aber wir kommen ganz deutlich an Leistungsgrenzen." Die Landeshauptstadt beherberge die meisten Flüchtlinge im Land, das sei nicht einfach zu organisieren, sagt Ruhl. Er plädiert für eine Zuzugsbeschränkung, wie es sie auch schon in einigen anderen Kommunen gibt: "Damit wir im Rahmen unserer Möglichkeiten die Integration erfolgreich gestalten können", so Ruhl.

Es hat sich viel verändert

Das sehen auch die Einwohner so. Es habe sich Vieles in den vergangenen Jahren verändert. Es sei nicht mehr so, wie es einmal war, sagen viele. Schon gar nicht nach der Festnahme Yamen A.s vor zwei Wochen im Stadtteil Neu Zippendorf. Der junge Syrer soll geplant haben, eine Bombe zu bauen. Seitdem sind die Menschen verunsichert: "Man hat immer gedacht: Schwerin ist weit ab, da passiert nichts", sagt eine Stadtteilbewohnerin. Ihre Tochter wohnt in dem Haus, in dem auch der Terrorverdächtige wohnte. "Man hat doch schon so ein bisschen Bedenken: Kommen wieder welche und basteln da irgendetwas zusammen? Da hat man schon Angst."

Bau auf, bau um, bau ab - Stadtteil im Wandel

"Wir haben hier eine Parallelgesellschaft"

Das bestätigt auch der Vorsitzende des Ortsbeirates Neu Zippendorf, Reinhard Bonin (Linke): "Die Stimmung im Stadtteil ist angespannt, was aufgrund der anderen Kultur der Neubürger teilweise auch verständlich ist." Bonin würde sich bei der Integration wünschen, dass den Menschen deutlich gesagt wird: "Wir haben eine andere Kultur. Wir bitten Euch, passt Euch an." Auch der ehemalige Ortsbeiratsvorsitzende Georg-Christian Riedel (CDU) sieht die Probleme: "Wir haben hier eine Parallelgesellschaft - und zwar schon in großem Umfang. Es gibt schon in weiten Teilen ein Gegeneinander. Da muss man aufpassen."

Stadt will mehr finanzielle Unterstützung

Sozialdezernent Ruhl sieht vor allem ein Problem in der Stadt Schwerin, was die Integration in vielen Punkten behindert: "Geld! Wenn man Integration wirklich erfolgreich machen will, muss man Geld in die Hand nehmen." Geld, das die Stadt momentan kaum hat. Ruhl wünscht sich deshalb mehr Unterstützung vom Land.

Die Stadt Schwerin hat jüngst ein Integrationskonzept für die Problembezirke entwickelt. So soll die Schulsozialarbeit mit sechs neuen Mitarbeitern ausgeweitet werden. Außerdem soll im Stadtteil Mueßer Holz ein Kinder- und Familientreffpunkt entstehen. Wie die Stadt das finanziert, ist bis jetzt noch nicht geklärt. Allein in diesem Jahr hat Schwerin rund vier Millionen Euro in die Integrationsarbeit gesteckt. Nur eine Million Euro kamen vom Land.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.11.2017 | 18:00 Uhr

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