Weike Bandlow und Ole Krüger, die neue Doppelspitze der Grünen in MV, posieren vor dem Rednerpult. © NDR Foto: Jürn-Jakob Gehricke

Schwerin: Grüne bleiben unter eigener Mindestlohn-Forderung

Stand: 17.12.2020 04:59 Uhr

Ein Stellenangebot bringt die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern in Bedrängnis. Der Kreisverband Schwerin missachtet bei der Bezahlung für einen Wahlkampf-Koordinator die eigenen politischen Forderungen.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Bundesweit machen sich Bündnis90/Die Grünen für einen Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde stark. Erst im September brachte die Stralsunder Bundestagsabgeordnete Claudia Müller mit Fraktions-Kollegen einen Antrag im Bundestag ein, der genau das fordert. In ihrem Landesverband wird dieses Ziel nicht überall verfolgt. Ausgerechnet der Kreisverband in der Landeshauptstadt nimmt es offenbar nicht so genau mit dem Grünen-Mindestlohn. Der Verband sucht zum 1. Februar 2021 über die Internet-Seite des Landesverbandes einen Koordinator für den bevorstehenden Landtagswahlkampf. Gefordert sind unter anderem Organisationstalent und Social-Media-Erfahrung. Der Bewerber sollte außerdem für "Wahlkampf und Kampagnen brennen".

Angeblich Fehler bei der Ausschreibung

Viel Arbeitszeit bleibt ihm oder ihr dafür aber nicht. Die Grünen meinen, in der Woche reichten insgesamt zehn Stunden, um die Aufgabe zu erledigen. Für diesen Minijob will die Partei einen Monatslohn von 450 Euro zahlen. Das ergibt einen Stundenlohn von etwa 10,35 Euro. Diese Summe liegt weit unter der eigenen Mindestlohn-Forderung. Es sei ein Fehler passiert, sagte Kreissprecher Uwe Friedriszik auf Anfrage. Man habe die Ausschreibung des vergangenen Wahlkampfes genutzt und den Lohn nicht noch einmal durchgerechnet. Die Bundestagsabgeordnete Müller sagte, das 12-Euro-Ziel gelte, die Kreisverbände müssten es einhalten. Die Landesvorsitzenden Ole Krüger und Weike Bandlow äußerten sich ähnlich. Der Landesverband unterstütze die Forderung nach einem Mindestlohn von zwölf Euro "uneingeschränkt".

Stundenkürzung statt Lohnerhöhung

Der Kreisverband reagierte und veränderte inzwischen die Stellenausschreibung. Er setzte allerdings nicht den Lohn für den Posten nach oben, sondern verkürzte einfach die Arbeitszeit. Jetzt soll der neue Grünen-Wahlkampfkoordinator in Schwerin seinen Job in 8,5 Stunden pro Woche erledigen. Das macht bei 450 Euro ein Stundenlohn von etwas über zwölf Euro. Kreissprecher Friedriszik sagte, das werde schon gehen. "Es wird Zeiten geben, da muss man dann ein bisschen mehr arbeiten. Aber dann gibt es auch mal eine Woche frei." Für das Vorsitzenden-Duo ist die Sache aus der Welt: "Der Kreisverband hat das Versehen umgehend behoben, das begrüßen wir."

Weitere Informationen
Landesparteitag der Grünen in Güstrow. © Jürn-Jakob Gericke Foto: Jürn-Jakob Gericke

Grünes Spitzenteam gewählt: Anne Shepley und Harald Terpe

Wegen zunehmender Corona-Infektionen hatten die Grünen ihren Parteitag verkürzt und die Vorsichtsmaßnahmen verschärft. mehr

Weike Bandlow und Ole Krüger, die neue Doppelspitze der Grünen in MV, posieren vor dem Rednerpult. © NDR Foto: Jürn-Jakob Gehricke

Neuer Landesvorstand der Grünen gewählt

Weike Bandlow und Ole Krüger sind die neue Doppelspitze der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem wählten die Delegierten in Güstrow die Kandidaten für die nächste Bundestagswahl. mehr

CDU und Grüne stellen in Bützow ihr Wahlbündnis für die Landratswahl vor. © NDR Foto: Frank Breuner

Landratswahl: Grüne kooperieren mit der CDU

Die Grünen unterstützen den CDU-Kandidaten für die Landratswahl im Landkreis Rostock. Das Wahlbündnis könnte auch Auswirkungen auf die Landespolitik haben. mehr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Grafik Landkreis Inzidenz © NDR

Vorpommern-Greifswald: Strengere Corona-Regeln nach dem Wochenende

Unter anderem müssen sich Eltern in dem Landkreis zu Beginn der neuen Woche um eine Betreuung für ihre Kinder kümmern. mehr

Das Pflegeheim Lübz von außen © ndr.de Foto: Christoph Kümmritz

Corona in Seniorenheim in Lübz: Bereits fast 150 Infektionen

Seit dem Corona-Ausbruch in dem Altenpflegeheim vor vier Wochen sind dort 22 Menschen an oder mit dem Virus gestorben. mehr

Mund-Nasenschutz-Masken vor einem weißen Hintergrund. © imago images  Jan Huebner Foto: Jan Huebner

MV-Gipfel beschließt strengere Maskenpflicht ab Montag

Ministerpräsidentin Schwesig appelliert, private Kontakte noch weiter zu beschränken. mehr

7-Tage-Inzidenzkarte vom 22. Januar

Corona in MV: 286 Neuinfektionen, elf weitere Todesfälle

Die meisten Neuinfektionen wurden im Landkreis Vorpommern-Greifswald registriert. mehr