Stand: 28.08.2020 14:32 Uhr

Schwerin: Ein Jahr nach dem Starkregen

Vor einem Jahr haben wolkenbruchartige Niederschläge und Gewitter die Feuerwehren in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns in Atem gehalten. Zu den heftigsten Überflutungen kam es damals in der Innenstadt von Schwerin. Dort fielen innerhalb von zwei Stunden bis zu 90 Liter Wasser pro Quadratmeter, das ist mehr als im Durchschnitt in einem ganzen Sommermonat an Regen fällt. Am Staatstheater etwa schoss Wasser fontänenartig aus der Kanalisation und drückte Gullideckel hoch, in Bahnhofsnähe wurde eine Fußgängerunterführung meterhoch überflutet.

Zwei Starkregen-Ereignisse innerhalb weniger Wochen

Es gab erhebliche Verkehrsbehinderungen, die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Häuser gerieten durch Blitze in Brand, einhundert Keller in der Schweriner Innenstadt wurden überflutet. Solch ein starker Regen soll statistisch gesehen nur ein Mal in einhundert Jahren vorkommen, aber bereits wenige Wochen zuvor war die Landeshauptstadt überschwemmt worden, wenn auch nicht so stark. Anwohner fordern seitdem mehr Schutz vor solchen Naturgewalten.

Überflutete Keller: Bürgerinitiative baut Druck auf

In der Nacht des Starkregens hatten sich Nachbarn gegenseitig beim Schöpfen geholfen, jetzt versuchen sie als Bürgerinitiative Druck auf die Verwaltung zu machen. Kristina Drosner wohnt und arbeitet in der August-Bebel-Straße am Schweriner Pfaffenteich - ihr Haus war von den Regenfällen nicht so stark betroffen, wie andere in der Gegend. "Mit zehn Zentimetern traue ich mich fast nichts zu sagen gegenüber anderen mit Überschwemmungen von einem Meter und zwanzig. Ich weiß zum Beispiel von der gegenüberliegenden Straßenseite, da ist ein Eigentümer der sein Labor im Keller hat. Der hat für mehr als 30.000 Euro Sanierungsarbeiten am Kanalisationssystem vorgenommen, der musste sämtliche Laborgeräte wegschmeißen und austauschen."

Bessere Entwässerung noch nicht umgesetzt

Nicht alle Anwohner waren versichert, bei anderen zahlte die Versicherung nicht. Besser wäre es, wenn das Wasser gar nicht erst die Keller und Wohnungen fluten würde. Aber eine bessere Entwässerung gibt es - ein Jahr nach dem Starkregen - nur auf dem Papier. Baudezernent Bernd Nottebaum: "Wir haben im vergangenen Jahr rund um den Pfaffenteich eine Zustandsanalyse gemacht, dieses Jahr eine Vorplanungsstudie und in 14 Tagen beginnen die Bauarbeiten. Für das gesamte Stadtgebiet gab es einen Beschluss der Stadtvertretung dass wir uns an einem Förderprojekt beteiligen. Da haben wir die erste Runde geschafft, sind jetzt in die zweite Runde gekommen."

Alte Regenabflüsse sollen ersetzt werden

Die Häuser um den Schweriner Pfaffenteich sind besonders gefährdet, weil das Gebiet innerhalb der Stadt sehr tief liegt. Ingenieur Olaf Albrecht besichtigt mit Anwohnern einen der alten, zu kleinen Regenabflüsse. "Wir werden an diesem Tiefpunkt statt einem Straßenablauf zwei größere Abläufe haben. Wir haben nachher einen Straßenablauf mit Schlammfang, der die Dinge auffängt die jetzt Probleme bereiten, das ganze Laub." Bei extremem Regen soll das Wasser künftig auch direkt in den Pfaffenteich fließen können.

Anwohner machen Häuser selbst unwettersicher

Die Anwohner haben teilweise große Summen bezahlt, um ihre Keller selbst hochwassersicher zu machen. Gerlinde Haker, die ebenfalls am Pfaffenteich wohnt und arbeitet: "Die Treppe ist nicht mehr so abschüssig und das Haus haben wir abgedichtet und eine Rückschlagklappe, also, wir tun Einiges. Aber wenn so ein Regen kommt wie letztes Jahr weiß ich nicht ob das hilft." Ein Jahr nach dem Jahrhundertregen werden am Schweriner Pfaffenteich Abflüsse und Bodenbeläge ausgetauscht. Ob es Fördermittel dafür gibt, dass ganz Schwerin unwettersicherer wird, ist noch unklar.

Weitere Informationen
Autos fahren bei Starkregen durch eine tiefe Pfütze in der Werderstraße in Schwerin.

Neue Schutzmaßnahmen gegen Starkregen in Schwerin

Immer wieder kommt es in Schwerin infolge von Starkregen zu Überschwemmungen, dann laufen Keller und Geschäfte voll Wasser. Jetzt sollen umfangreiche Schutzmaßnahmen gebaut werden. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.08.2020 | 16:40 Uhr

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