Schweinepest in MV: Mehr als 4.000 Schweine werden getötet

Stand: 17.11.2021 12:02 Uhr

Nachdem die Afrikanische Schweinepest (ASP) erstmals in Mecklenburg-Vorpommern ausgebrochen ist, beginnt die Tötung von mehr als 4.000 Schweinen. Rund um den betroffenen Familienbetrieb im Landkreis Rostock wurde ein Sperrbezirk mit drei Kilometern Radius eingerichtet.

Weil im Bestand eines Schweinehalters in Lalendorf im Landkreis Rostock erstmals in Mecklenburg-Vorpommern Fälle der Afrikanischen Schweinepest aufgetreten sind, werden alle dort gehaltenen Tiere von heute an getötet. Die Aktion werde von einer Spezialfirma unter höchsten seuchenhygienischen Vorkehrungen durchgeführt, teilte Agrarminister Till Backhaus (SPD) mit. Der Abtransport der Tiere hat bereits begonnen und soll bis zum Wochenende abgeschlossen sein. Ob die Mastschweine Symptome der hochansteckenden Infektionskrankheit zeigen oder nicht, spiele keine Rolle, so Backhaus. In dem Familienbetrieb, einem reinen Mastbetrieb, wurden derzeit 4.038 Tiere gehalten. Am Montagabend hatte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) den Verdacht auf ASP bestätigt. 
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Schweinezucht © dpa-Zentralbild Foto: Nestor Bachmann

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"Da wurde klar, dass hier ein Geschehen ist"

Der von der Schweinepest betroffenen Betrieb in Lalendorf (Landkreis Rostock) wurde abgesperrt. © Stefan Tretropp Foto: Stefan Tretropp
Um den betroffenen Betrieb wurde eine Sperrzone eingerichtet.

Laut Backhaus gab es bereits in der vergangenen Woche erste Hinweise auf einen Infekt in einer Tiergruppe des Betriebes. In den folgenden Tagen seien dann Tiere aus dem Bestand verendet: am Freitag vier, am Sonnabend acht, am Sonntag 17 und am Montag 20. "Da wurde klar, dass hier ein Geschehen ist", so Backhaus. Der Tierarzt habe konsequent gehandelt, die Tiere seien zur Sektion nach Rostock gebracht worden. Der betroffene Betrieb sei noch am Montagnachmittag gesperrt worden. Es dürfen keine Tiere mehr weggebracht werden. Auch der Fahrzeug- und Personenverkehr wurde laut Backhaus verboten.

Sperrbezirk und Überwachungszone eingerichtet

Um den Betrieb zwischen Güstrow und Teterow sei eine Sperrzone mit drei Kilometern Radius eingerichtet worden. Zehn Kilometer um den Betrieb besteht eine "Überwachungszone": Schweine dürfen nur noch nach eingehender Untersuchung herausgebracht werden. Es gelte unbedingt, weitere Verschleppungen zu vermeiden, so Backhaus. Nach Angaben des Ministers befinden sich in dem Zehn-Kilometer-Umkreis insgesamt 20 landwirtschaftliche Betriebe. In der Drei-Kilometer-Zone gebe es acht Betriebe, fünf davon seien Kleinstbetriebe mit weniger als 100 Schweinen. Die Gesamtzahl der Hausschweine im Sperr- und Beobachtungsgebiet nannte Backhaus nicht.

Schlachthöfe nehmen weiterhin Schweine an

Backhaus teilte inzwischen mit, dass die Schweinehalter in Mecklenburg-Vorpommern trotz des ASP-Ausbruchs in Lalendorf auf die Unterstützung der großen Schlachtbetriebe in Perleberg (Brandenburg), Weißenfels (Sachsen-Anhalt) und Kellinghusen (Schleswig-Holstein) zählen könnten. Sie hätten gegenüber dem Agrarministerium in einer Videokonferenz zugesagt, dass sie Schweine aus Mecklenburg-Vorpommern weiterhin ohne jedwede Art von Abzügen annehmen werden, sofern die Tiere nicht aus Beständen in der eingerichteten Sperrzone stammen.

Betroffener Betrieb hat Standorte auch in anderen Landkreisen

Der betroffene Familienbetrieb hat insgesamt vier Standorte. Dazu zählen zwei weitere Mastbetriebe im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und eine Sauenanlage mit 1.000 Muttertieren und Ferkeln im Landkreis Vorpommern-Rügen. Die Bestände in den anderen drei Betrieben würden streng kontrolliert, betonte Backhaus. Dort gebe es bisher aber keine Hinweise auf die Afrikanische Schweinepest.

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Spezialisten fahnden nach Ursache für Einschleppung

Weiter offen ist die Frage, wie das Virus eingetragen werden konnte. Mecklenburg-Vorpommern hatte sich mit Maßnahmen wie Schutzzäunen an der Grenze zu Polen sowie der Ausbildung von Seuchenhunden, die das Virus bei toten Wildschweinen erschnüffeln können, gegen die Seuche gewappnet - vergeblich. Epidemiologen des FLI haben sich nun auf den Weg in den betroffenen Betrieb gemacht, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Denkbar sei etwa eine Einschleppung durch Personen, durch Material, durch das Futter oder auch Betriebsangehörige, die zur Jagd waren und dabei mit infizierten Wildschweinen in Kontakt geraten sind. "All das wird - wenn man so will -  kriminologisch durch Epidemiologen untersucht", sagte Backhaus.

Noch keine infizierten Wildschweine entdeckt

"Wir tappen da noch im Dustern", sagte der Minister. Noch gebe es keine Hinweise für die Lösung dieses Rätsels. Im näheren Umfeld des Betriebes wurde bislang kein totes, infiziertes Wildschwein entdeckt. Aus Brandenburg und Sachsen ist bekannt, dass dort die Tierseuche zuerst unter Wildschweinen ausgebrochen war. Erst danach wurde sie in Hausschweinbestände getragen. Der Geschäftsführer des Hybridschweine-Zuchtverbandes Nord/Ost, Robert Langas, sagte, man habe nach den Fällen in Brandenburg und Sachsen zwar mit einem Ausbruch der Tierseuche bei Wildschweinen rechnen müssen. Er sei aber überrascht, dass die Seuche zuerst bei Nutztieren in der Mitte des Bundeslandes aufgetreten ist. Laut Backhaus wurden in den vergangenen zwei Jahren bereits mehr als 800 Wildschweine im Landkreis untersucht, darunter sei kein einziger Fall entdeckt worden.

Backhaus "verbittert" über Bundesagrarministerin Klöckner

Backhaus richtete auch deutliche Worte an die Bundespolitik und das von Ministerin Julia Klöckner (CDU) verantwortete Bundesagrarministerium. Diese habe es versäumt, die Entwicklung eines Impfstoffes gegen ASP voranzutreiben. Darüber sei er "verbittert", so Backhaus. Auch habe es keinerlei Unterstützung vom Bund bei den Maßnahmen des Landes zur Verhinderung des Ausbruchs gegeben. "Wenn wir diese Situation in Nordrhein-Westfalen oder in Niedersachsen gehabt hätten, wäre wahrscheinlich schon viel mehr passiert", so Backhaus. In Mecklenburg-Vorpommern werden laut Agrarministerium 717.000 Schweine gehalten, bundesweit sind es rund 25 Millionen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 16.11.2021 | 10:30 Uhr

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