Stand: 10.09.2020 13:55 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Schweinepest erreicht Deutschland: FLI bestätigt Befund

Eine Luftaufnahme des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems. © Friedrich-Loeffler-Institut Foto: Walter Graupner
Eine Kadaverprobe des toten Wildschweins wurde im Friedrich-Loeffler-Institut auf dem Riems untersucht. Der Verdacht auf ASP bestätigte sich (Archivbild)

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat erstmals Deutschland erreicht. In Brandenburg ist das Virus bei einem toten Wildschwein festgestellt worden. Das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems bei Greifswald als nationales Referenzlabor bestätigte am Donnerstagmorgen den Verdacht, wie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte. Der Kadaver sei wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze im Spree-Neiße-Kreis in Brandenburg gefunden worden, rund 140 Kilometer von der Grenze Mecklenburg-Vorpommerns entfernt.

VIDEO: Afrikanische Schweinepest kommt in Brandenburg an (3 Min)

 

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Ein Wildschwein in Nahaufnahme © dpa-Bildfunk Foto: Lino Mirgeler/dpa

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Mobiler Zaun schützte offenbar nicht

Erste Maßnahmen zum Schutz würden vorbereitet, sagte ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums Brandenburg am Mittwochabend, nachdem der Verdacht erstmals im Raum stand. Ein fester Schutzzaun im Kreis Spree-Neiße an der Grenze zu Polen ist geplant, aber noch nicht gebaut. Allerdings steht dort bereits ein mobiler Zaun - auf 120 Kilometern an der brandenburgischen Grenze zu Polen. Der Zaun soll vor wandernden Wildschweinen schützen. Mecklenburg-Vorpommern hatte bereits ebenfalls einen solchen mobilen Elektro-Schutzzaun erprobt. Zudem wurde an der A11 an der Grenze zu Polen ein Schutzzaun errichtet.

Die Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in den vergangenen Jahrzehnten auch außerhalb Afrikas aufgetreten, zuletzt vor allem in Russland. ASP ist eine schwere Virusinfektion, die Haus- und Wildschweine betrifft und sich zum Beispiel über Transportfahrzeuge oder Kleidung ausbreitet. Kontakte der Tiere untereinander oder Futter aus Speiseabfällen können ebenfalls Infektionsquellen sein. In Afrika verbreiten auch Zecken die Krankheit weiter. Befallene Tiere leiden an unterschiedlichen Symptomen wie hohem Fieber oder Atemproblemen und verenden in der Regel innerhalb weniger Tage.

Minister: Jedes tote Wildschwein melden

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) appelliert an alle, noch wachsamer zu sein. Spaziergänger, Polizisten, Mitarbeiter von Straßenmeistereien oder Kameraden der Feuerwehren sollten jedes tote Wildschwein melden. Und zwar den zuständigen Veterinärämtern, damit jeder Kadaver, der gefunden wird, auch untersucht werden kann. Das sei wichtig, so Backhaus, um dann im Ernstfall möglichst schnell verhindern zu können, dass sich die Tierseuche ausbreitet. Bereits jetzt kontrollieren Jäger verstärkt ihre Reviere und erlegen seit Monaten bereits mehr Wildschweine als sonst. Auch Schweinebauern halten sich längst an bestimmte vorbeugende Regeln: Sie tragen Schutzkleidung, desinfizieren sich und reinigen ihre Schuhe, bevor sie in die Ställe gehen. Die Betriebe sind eingezäunt.

Massive wirtschaftliche Auswirkungen befürchtet

Die Viren sind für Menschen ungefährlich, für Wild- und Hausschweine aber meist tödlich. Der Ausbruch der Schweinepest kann massive wirtschaftliche Folgen für Schweinehalter haben: Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums könnten Exporte in Nicht-EU-Staaten, vor allem nach Asien, weitgehend wegfallen. Der Handel innerhalb der EU kann jedoch aufrechterhalten werden. Nur für Betriebe in der Umgebung des Fundorts gibt es Einschränkungen.

Hohe Fallzahlen in Osteuropa

Die Afrikanische Schweinepest war mehrere Monate nach einem Ausbruch in Westpolen nach Angaben der Bundesregierung im August wieder etwas von Deutschland abgerückt. Während im März der westlichste Fundort eines an Schweinepest gestorbenen Wildschweins in Polen etwas mehr als zehn Kilometer von der deutschen Grenze gelegen habe, lag der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens im August laut Bundesagrarministerium wieder weiter östlich. Derzeit sind 13 Länder in Europa von der Afrikanischen Schweinepest betroffen. Hohe Fallzahlen infizierter Wild- und Hausschweine werden aus Polen und Rumänien gemeldet.

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NDR 1 Radio MV | 10.09.2020 | 13:55 Uhr

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