Schutzhecke gegen Sandwolken über der Autobahn

Stand: 21.03.2021 11:40 Uhr

Vor zehn Jahren haben Sand- und Staubwolken auf der A19 in der Nähe von Kavelstorf eine Massenkarambolage ausgelöst. Acht Autofahrer starben, 130 wurden verletzt. Nun wird eine Schutzhecke gepflanzt.

Am 8. April 2011 kollidierten 85 Fahrzeuge auf beiden Fahrbahnen der A19 bei Kavelstorf (Landkreis Rostock), als bei sonnigem Wetter starker Westwind den freiliegenden, trockenen Ackerboden auf- und über die Autobahn wirbelte. Viele Autos und Lkw fingen Feuer. Auf einem etwa 30 Meter breiten Streifen neben der A19 kommen in den nächsten Wochen Laubgehölze wie Pfaffenhütchen, Weißdorn, Holunder und Schlehe in den Boden. Wenn die Pflanzen größer werden, können sie bei Stürmen verhindern, dass trockener Ackerboden auf die Autobahn geweht wird.

Landerwerb durch Flächentausch

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) kam am Sonntag für den ersten Spatenstich an die einstige Unglücksstelle. Er erinnerte daran, dass solche Hecken auch vielen Vögeln und Insekten Lebensraum und Unterschlupf bieten. In der Nähe soll zudem ein fünf Hektar großer Wald gepflanzt werden. Um die Schutzhecke pflanzen zu können, musste das Ministerium erst das Land von dem Eigentümer durch einen Flächentausch erwerben. Dies nahm viel Zeit in Anspruch. Als Reaktion auf den Unfall ließ Backhaus ein umfassendes Winderosionskataster anlegen. Dieses wurde 2016 veröffentlicht. Mecklenburg-Vorpommern war laut Backhaus das erste Bundesland mit einer solchen Gefährdungsübersicht.

Juristische Aufarbeitung dauerte Jahre

Die juristische Aufarbeitung der Massenkarambolage dauerte mehrere Jahre. Unfallexperten rekonstruierten detailliert, wie die Fahrzeuge ineinander gefahren waren. Unter anderem sprach ein Rostocker Amtsrichter eine Frau aus Brandenburg der fahrlässigen Tötung eines Ehepaares schuldig, weil sie zu schnell mit ihrem Kleinbus in die Staubwolke hinein- und auf ein anderes Fahrzeug aufgefahren war. Trotz des Schuldspruchs verzichtete der Richter darauf, die Angeklagte zu bestrafen. Sie wurde auf der A19 von einem nachfolgenden Wagen selbst schwer verletzt und lag Monate lang im Krankenhaus.

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Feuerwehrleute stehen zwischen ausgebrannten Fahrzeugen © picture alliance / dpa Foto: Bernd Wüstneck

Als ein Sandsturm zur Katastrophe wurde

Eine riesige Sandwolke nimmt Fahrern auf der A19 bei Rostock vor zehn Jahren die Sicht. Acht Menschen sterben. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.03.2021 | 12:00 Uhr

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