Stand: 28.05.2020 19:07 Uhr

Schülerzahl steigt - Zahl der Schulstunden nicht

Von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Schüler einer Grundschulklasse sitzen im Halbkreis vor der Tafel. © dpa - Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Für die die Jahre bis 2025 rechnet das Bildungsministerium mit 134.000 Schülerinnen und Schülern. (Symbolfoto)

Trotz steigender Schülerzahlen plant das Bildungsministerium in Schwerin offenbar keine zusätzlichen Lehrerstunden für die Schulen. Das geht aus dem aktuellen Entwurf für die Unterrichtsversorgung hervor, die dem NDR vorliegt. Kritik kommt von der Lehrergewerkschaft GEW und der Linksopposition. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) hat mit dem Entwurf eine Art Fünf-Jahres-Plan vorgelegt. Statt wie bisher nur zwei Jahre soll die neue Verordnung bis 2025 gelten. Sie regelt, wie viele Stunden die Schulen für ihren Unterricht erteilen können. Als Maßstab gilt die aktuelle Schülerzahl von rund 134.000 - und zwar für den gesamten Zeitraum.

Linke: "Taschenspielertricks"

Die Linksfraktion wirft dem Ministerium deshalb "Taschenspielertricks" vor. Es könne nicht sein, dass in den nächsten fünf Jahren die aktuellen Schülerzahlen die Bezugsgröße für die Zuweisung der Lehrer-Stunden bildeten. Der zu erwartende Zuwachs bei den Schülerzahlen werde ausgeblendet, so die Bildungsexpertin der Linken, Simone Oldenburg. In ihren Augen bekommen die Schulen damit nicht ausreichend Unterrichtsstunden zugewiesen. Unterm Strich fehlten den Schulen bis zu 6.000 Stunden im Jahr. Das Land spare so etwa 220 Lehrerstellen.

GEW: Gute Schule so nicht möglich

Die Lehrergewerkschaft GEW sieht in dem Entwurf der Verordnung auch eine Folge des Lehrermangels. Das Personal fehle in einem "alarmierenden Ausmaß", so GEW-Landeschef Maik Walm. Gute Schule sei so nicht möglich, die Arbeitsbelastung der vorhandenen Lehrkräfte steige. Walm will das nicht hinnehmen, er sieht Diskussionsbedarf: "Wir werden dieses Problem mit dem Land in den kommenden Wochen im Rahmen der laufenden Anhörung diskutieren", sagte er auf Anfrage.

Ministerium widerspricht

Ein Sprecher des Bildungsministeriums erklärte auf Anfrage, es handele sich um einen Entwurf. Mit Blick auf die geplante fünfjährige Laufzeit teilte er mit: "Die Abstimmung zu dieser Frage ist noch nicht abgeschlossen." Die Kritik am Maßstab der Unterrichtsstunden ließ das Ministerium nicht gelten. Die Zahl der Lehrer werde im Landeshaushalt geregelt und nicht in der Verordnung. "Daher folgt die Stellenausstattung auch seit Jahren der steigenden Schülerzahl." Warum in der Verordnung die aktuelle Schülerzahl als Maßstab für die Stundenzuweisung in den kommenden Jahren gelten soll, blieb offen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 29.05.2020 | 06:00 Uhr

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