Stand: 15.03.2019 15:44 Uhr

3.500 Schüler in MV demonstrieren fürs Klima

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Wie in Neubrandenburg gingen Schüler in zahlreichen Städten Mecklenburg-Vorpommerns für das Klima auf die Straße.

In Mecklenburg-Vorpommern haben sich heute Schätzungen zufolge 3.500 Schüler an den weltweiten Demonstrationen für mehr Klimaschutz beteiligt. Alleine in Rostock versammelten sich nach Angaben der Polizei rund 1.000 junge Leute, in Neubrandenburg rund 800 und in Schwerin rund 700. Außerdem wurde in Stralsund, Greifswald (250), Anklam (36) sowie Bergen auf Rügen (75), Boizenburg und Friedland (16) demonstriert.

1.000 Demonstranten in Rostock, 700 in Schwerin

Die Sprecherin der "Fridays for future"-Bewegung in MV, Carlotta Petersen aus Boizenburg, sprach von landesweit 4.600 Teilnehmern. "Wir sind mit der Teilnehmerzahl mehr als zufrieden", sagte sie. Die Bewegung kommt ursprünglich aus Schweden und will ein Zeichen für den Klimaschutz setzen. Die Schüler trugen Plakate mit Parolen wie "Schule 2030 - Hitzefrei im Februar", "Wir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut" oder "Burn Calories not Coal".

Ein Demonstrationszug auf einer Straße.

Klima-Protest: Schüler gehen auf die Straße

Nordmagazin -

Mehrere Tausend Schüler in Mecklenburg-Vorpommern demonstrierten im Rahmen der Bewegung "Fridays for Future" für den Klimaschutz - diesmal erstmals auch in Boizenburg.

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Demonstranten wollen industrielle Massentierhaltung abschaffen

Aus ihrer Sorge um das Klima leiten sie auch konkrete Forderungen ab - wie etwa den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und die Abschaffung der industriellen Massentierhaltung, wie die 15-jährige Rostocker Schülerin Alexia Wolf erklärte. Sie ist eine der Organisatorinnen der heutigen Proteste. Redner und Schüler in Rostock prangerten die schlechte Klimapolitik der Bundesregierung an, die die Folgen der Veränderungen auf den Schultern der nachkommenden Generationen ablade.

Mit oder ohne Genehmigung der Schulen?

Unklar blieb zunächst, ob die Schüler mit oder ohne Genehmigung ihrer Schulen an den Demonstrationen teilnahmen. Offensichtlich waren einige Schulleiter nicht den Anweisungen der Schulämter beziehungsweise des Bildungsministeriums gefolgt. Danach war die Teilnahme an der Demonstration kein Grund, die Schulpflicht aufzuheben. "Wir werden mit den Schulleitern, die anders verfahren haben, Gespräche führen und die Sachlage erläutern", sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums.

Viel Beifall aus der Politik

Weil die Demonstrationen während der Schulzeit stattfinden, bekommt wohl mancher Teilnehmer Fehlstunden eingetragen. Einige Jugendliche haben sich ihr Schwänzen vorab von ihren Eltern schriftlich genehmigen lassen. Trotzdem bekommen die jungen Leute von der Politik viel Beifall: Sie finde es großartig, dass sich in Mecklenburg-Vorpommern so viele junge Menschen für den Klimaschutz einsetzten, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte die Schüler vor einigen Tagen sogar zu den Aktionen ermutigt, und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) findet die "Fridays-For-Future"-Demonstrationen gut.

Tausende Schüler in MV bei "Fridays for future"

Hesse: Eintrag für unentschuldigtes Fehlen

Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) kann dem Engagement der Jugendlichen grundsätzlich viel abgewinnen, als zuständige Ministerin erinnert sie aber auch an Grundsätzliches: "Es gibt nun einmal die Schulpflicht. Als Bildungsministerin bin ich an die gesetzlichen Bestimmungen gebunden. Gegen eine Demonstration am Vormittag steht die Schulpflicht." Unentschuldigt zu fehlen bedeute einen Eintrag. Für ihren Hinweis auf die Schulpflicht bekommt Hesse sogar aus den eigenen Reihen Kritik: Die Jusos finden die Aussagen der Ministerin ärgerlich, die Versammlungsfreiheit für die Zukunft sei wichtiger als zwei Stunden Schulpflicht.

Linke: Hesse vergiftet das Klima

Hesse befürchtet Nachahmer anderer Art. Nicht jede Demonstration könne als Vorwand für das Fernbleiben vom Unterricht herhalten. Die Bildungsexpertin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, findet, Hesse vergifte mit diesen Aussagen das Klima: "Das ist ein fatales Signal, weil die Schüler nicht die Schule schwänzen. Sie machen Unterricht, und sie kümmern sich um ihre und unsere Zukunft." Das dürfe nicht bestraft werden.

AfD: Besser die Schulbank drücken

Dagegen meint AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer, die Schüler gehörten auf die Schulbank, damit sie sich nicht die eigene Zukunft verbauen. Demonstrieren könnten sie außerhalb der Schulzeiten. "In der Schulzeit sollten sie sich bilden lassen über CO2 und den Klimawandel. Dann kommen sie möglicherweise zu einem anderen Ergebnis."

Geteiltes Echo unter Schülern

Auch unter den Schülern sehen einige die Aktionen kritisch. Ein Neuntklässler der Niels-Stensen-Schule in Schwerin meinte, Schule gehe vor. Doch die Proteste etwa außerhalb der Unterrichtszeiten zu veranstalten, lehnt eine Mitschülerin ab. "Es während der Schulzeit zu tun, sorgt für viel mehr Aufruhr." Bildungsministerin Hesse hat einen Tipp parat, um das Dilemma zu lösen: "Wenn man den Inhalt der Demonstration zum Gegenstand des Unterrichts macht und beispielsweise als Klasse zusammen mit dem Lehrer dorthin fährt, dann wäre das möglich. Das wäre kein Verstoß gegen die Schulpflicht."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.03.2019 | 16:00 Uhr

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