Stand: 05.02.2019 05:04 Uhr

Schlucken Medizinketten die Hausarzt-Praxen?

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Medizinische Versorgungszentren in der Hand weniger könnten ihre Monopol-Stellung ausnutzen, warnt der CDU-Bundestagsabgeordnete Monstadt. (Archivbild)

Der Schweriner CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt warnt vor immer mehr Gewinnstreben in der Medizin. Anlass ist der Einstieg von Finanzinvestoren (Private Equity) und Krankenhauskonzernen bei Medizinischen Versorgungszentren, den sogenannten MVZ. Monstadt sieht langfristig die normale Haus- oder Facharztpraxis in Gefahr. Man müsse sich Sorgen machen, so der Gesundheitspolitiker, dass der einfache niedergelassenen Arzt statt in der eigenen Praxis künftig eher im Medizinischen Versorgungszentrum behandelt, die von einer bestimmten Medizinkette betrieben wird.

Konzerne haben Gewinne im Sinn

Die Idee dieser MVZ sei zwar generell gut - mehrere Ärzte verschiedener Fachrichtungen arbeiten unter einem Dach analog zur Poliklinik in der DDR. Allerdings würden Medizinkonzerne wie Fresenius oder B. Braun und Finanzinvestoren das Modell unter Gewinnaspekten sehen - mit möglicherweise negativen Folgen. Der Trend zu den Versorgungszentren, die von einer Kette betrieben werden, verstärkt sich laut kassenärztlichen Vereinigungen (KV), weil Ärzte günstigere Arbeitszeiten und Urlaubsansprüche wünschen.

Landesweit gibt es 63 Versorgungszentren

Außerdem sei der Einstieg in eine eigene Praxis teuer und wegen des Kapitaldienstes risikobeladen. Ärzte verzichten deshalb dann als "Einzelkämpfer" auf eine eigene Praxis und lassen sich eher in einem MVZ anstellen - mit klaren Vertretungsregeln. Aktuelle Angaben konnte die Kassenärztliche Vereinigung für Mecklenburg-Vorpommern nicht machen. Nach einer Statistik der kassenärztlichen Bundesvereinigung gab es Ende 2017 in Mecklenburg-Vorpommern 63 dieser Zentren, 31 davon in der Trägerschaft von Krankenhäusern.

Monopolstellung könnte ausgenutzt werden

Monstadt warnt: Die MVZ in der Hand weniger können ihre Monopolstellung ausnutzen und bei medizinischen Leistungen auf das preisgünstigere Mittel setzen, das nicht das Beste sein müsse. Beispiele in Spanien zeigten, dass die Patientensicherheit in Gefahr gerate. Allerdings sei in einigen sehr kapitalintensiven Bereichen der Apparatemedizin - wie bei der Radiologie oder der Labormedizin - der Hintergrund kapitalstarker Strukturen möglicherweise sinnvoll. Bei Allgemein- und anderen Fachmedizinern sei das weniger angezeigt und erst recht nicht bei Zahnärzten, bei denen es keine Versorgungslücken gebe, so Monstadt. Versorgungszentren werden in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise von den vier DRK-Krankenhäusern, dem privaten Krankenhaus-Konzern Helios sowie den KMG-Kliniken mit Sitz im brandenburgischen Bad Wilsnack betrieben.

Gewinnorientierte Entwicklung wird kritisch gesehen

Nach einem Bericht der "Ostsee-Zeitung" sieht auch die KV in Mecklenburg-Vorpommern die gewinnorientierte Entwicklung bei den MVZ "kritisch". Eine Sprecherin beklagte dem Bericht zufolge einen ständigen Personalwechsel in den MVZ. Patienten würden den Arzt ihres Vertrauens verlieren und hätten wechselnde Ansprechpartner. Monstadt sieht einen Teil des Problems aber auch bei der KV. Sie müsse freigewordene Arztstellen nicht unbedingt an den Meistbietenden - und damit an die Medizinketten - vergeben. Monstadt will bei den anstehenden Beratungen zum neuen Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) zu einer "sinnvollen Lösung" kommen. In dem Gesetz spielen auch die Vorgaben für die Gründung und den Betrieb von MVZ eine Rolle.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.02.2019 | 06:00 Uhr

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